Hälfte der verschleppten europäischen Sahara-Touristen frei

Darunter sind nach Angaben des Auswärtige Amts sechs der 16 Deutschen. Offenbar haben algerische Spezialkräfte die Touristen befreit. Bei der Aktion wurden möglicherweise auch Geiseln getötet

Algier/Paris/Wien/Bern - Knapp drei Monate nach dem Beginn des Sahara-Dramas ist die Hälfte der verschleppten europäischen Touristen frei. Das berichtete der Rundfunksender Radio France International (RFI) am Mittwoch unter Berufung auf offizielle Angaben aus Algier. Zuvor hatte das Auswärtige Amt in Berlin mitgeteilt, sechs der 16 Deutschen seien frei. Über das Schicksal der übrigen 15 Entführten wurde zunächst nichts bekannt. Darunter befinden sich zehn Deutsche, vier Schweizer und ein Niederländer. Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) sagte am Morgen, es bestehe Hoffnung, dass sie auch bald frei sind. Nach Informationen der algerischen Zeitung "El Watan" und RFI haben algerische Spezialkräfte 17 Sahara-Touristen bereits am Dienstag befreit. Nach dem Bericht von "El Watan" wurden bei der Aktion neun Entführer getötet. Auch Geiseln sollen dabei möglicherweise umgekommen sein. Das Auswärtige Amt hat jedoch keine Erkenntnisse über mögliche Opfer unter den Geiseln bei der Befreiungsaktion. Die algerische Regierung hüllte sich einen Tag nach der Befreiungsaktion weiter in Schweigen. Zuerst hatte am Morgen der Salzburger Landeshauptmann Franz Schausberger im österreichischen Rundfunk ORF über den ersten Lichtblick im Geiseldrama berichtet. Die Wüsten- Touristen seien seit 4.00 Uhr frei und in guter Verfassung, hieß es. Österreichs Außenministerin Benita Ferrero-Waldner hat inzwischen bestätigt, dass alle zehn in der algerischen Sahara vermissten Österreicher frei sind. Sie seien noch in der Nacht in ein algerisches Krankenhaus gebracht worden. Die befreiten Österreicher seien "zwar sehr erschöpft aber wohlbehalten", hieß es in einer Erklärung des Wiener Außenamtes.