Katzenfell für Pelzmäntel

Belgien vertreibt Felle von Haustieren in Europa. EU gegen Handels- und Einfuhrverbot.

London. Es war eine Pressekonferenz, die auf den Fluren der EU in Brüssel unbeachtet hätte verhallen können. Doch was Struan Stevenson (55), schottischer Abgeordneter im Europa-Parlament, zu berichten hatte, wird viele deutsche Tierliebhaber schocken. In deutschen Geschäften - aber auch in anderen Ländern Europas - gibt es ohne Probleme Produkte aus Katzen- und Hundefellen zu kaufen. Deswegen führt Stevenson mit Parlamentskollegen seit Jahren einen Kampf für das Einfuhr- und Verkaufsverbot derartiger Felle. "Ich habe selbst im Dezember 2002 eine Katzenfigur in Originalgröße in einem Geschäft in Berlin, Unter den Linden, erstanden. Die Tests ergaben, dass sie aus Hundefell bestand. Sie war nur mit einem Schild ,made in China' versehen. Eine amerikanische Tierschutzgesellschaft hatte außerdem bereits 1999 in Berlin einen Mantel gekauft, der aus Fellen von 42 Schäferhund-Babys hergestellt worden war. Offizielle Bezeichnung wieder nur ,unter Verarbeitung von Tierbeiprodukten'", erklärt Stevenson. Die Liste ist beliebig fortsetzbar. So fand die Tierschutzorganisation HSUS (Humane Society US) im Dezember Hundefell-Bekleidung in der französischen Kaufhauskette Carrefour und bei La Rinascente in Turin. Auch in Dänemark, Frankreich, Spanien, Holland und Österreich wurden die Ermittler fündig. Mäntel, Schuhe, Handschuhe und Hüte wurden mit Hunde- oder Katzenfellen gefüttert; auch Spielzeug wurde daraus hergestellt. Hauptlieferant für die gruselige Kuschelware ist Asien. Dort werden schätzungsweise jährlich zwei Millionen Hunde und Katzen zur Fellgewinnung geschlachtet. Zehntausende von ihnen enden in europäischen Geschäften. Doch es kommt noch schlimmer: Selbst mitten in der EU, so Stevenson, werden Katzen in Tierpelzfarmen gehalten und wegen ihres Fells geschlachtet. Den Beweis dafür erbrachte ein Undercover-Team von HSUS, das im Februar heimlich bei drei Pelzhändlern in Belgien filmte. Dort wurden zwei Decken gekauft, an denen noch deutlich Pfoten und Schwänze zu erkennen waren. Eine davon wurde in einem Labor in Leeds getestet. Ergbnis: Katzenfell! Der Händler erklärt in dem Film, dass in Brüssel und Gent streunende Katzen aufgelesen und zu Fell verarbeitet werden. Als der Undercover-Käufer fragt: Könnten das auch entlaufene Haustiere sein?, zuckt der Händler nur mit den Schultern und sagt: Das weiß man nie. Woher er seine Felle bekäme? Aus Belgien, antwortete der Mann trocken. Der Kamerabeweis war wichtig, da die EU offiziell bestreitet, dass in ihren 15 Mitgliedsstaaten Tierhaltung dieser Art existiert. Das Undercover-Team der HSUS traf sich laut Stevenson auch mit einem prominenten deutschen Pelzhändler, der ihnen bestätigte, dass er Katzenfelle aus Europa beziehe und sie in Griechenland verarbeiten ließe. Die Katzenfelle sind deshalb so begehrt, weil sie gegen Rheuma helfen sollen. Hundefelle hingegen können als billige Imitate für exotische Felle verwendet werden und werden oft mit Fantasienamen wie Gae-Wolf, Sobaki oder auch asiatischer Wolf ausgezeichnet. Viele Geschäfte wissen nicht mal selbst, dass sie solche Sachen anbieten. "Wir hatten einen Fall in Amsterdam, da wurde in einem Geschäft ein pinkfarbener Wollpullover mit Bändchen verkauft. Am Ende der Bänder hingen zur Verzierung rosafarbene Fellkugeln - aus Hundefell. Der Ladenbesitzer war geschockt", erklärt Stevenson. Deswegen kämpft der Konservative seit Jahren für ein Verbot des Verkaufes beziehungsweise der Ein- oder Ausfuhr von Katzen- und Hundefellen in der EU. Bisher scheiterte sein Antrag an den Iren. Argument: Jeder EU-Mitgliedsstaat solle das Verbot autonom regeln.