Mord an Pascal: Das Geständnis

Schock in Saarbrücken: Bande aus Kinderschändern und Prostituierten verging sich auch an weiteren Opfern.

Saarbrücken. Missbraucht, ermordet und verscharrt: Der fünf Jahre alte Pascal aus Saarbrücken ist tot, seine Leiche wird in einer Kiesgrube in Lothringen vermutet. Die Polizei nahm zwölf Verdächtige fest - darunter auch vier Frauen, die den Mord im September 2001 jetzt gestanden haben. Dabei kam heraus: Nicht nur Pascal, der am Tag seiner Entführung getötet wurde, sondern auch sein sieben Jahre alter Spielkamerad sowie mindestens ein kleines Mädchen und vermutlich noch weitere Kinder waren zuvor wiederholt und wahrscheinlich über Monate hinweg sexuell missbraucht worden. Der Tatort in allen Fällen: eine stillgelegte Bierkneipe in Saarbrücken-Burbach. Die Wohnung der Familie von Pascal war nur etwa 100 Meter von dieser ehemaligen "Tosa-Klause" entfernt, in die inzwischen ein Pizza-Service eingezogen ist. Hinweise, dass Pascals Familie in den Fall verwickelt ist, gibt es nicht. Die Polizei fand heraus: Auch Freier zahlten in der im sozialen Brennpunkt Burbach gelegenen Klause für Sex mit Kindern. Einer der Dreh- und Angelpunkte der Kinderschänder-Bande war die Ex-Wirtin, die mit anderen erwachsenen Frauen dort offensichtlich auch der "normalen" Prostitution nachgegangen ist. Schlimmer noch: Die inzwischen 50-Jährige war zeitweise vom Jugendamt des Stadtverbandes Saarbrücken als Pflegemutter für Pascals Freund bestellt. Weitere Einzelheiten, auch zum Mord an Pascal, gab die Polizei nicht bekannt. Der Leitende Oberstaatsanwalt Raimund Weyand: "Die Ermittlungen können noch Wochen oder gar Monate dauern." Er ermittelt gegen die Verdächtigen, die in U-Haft sitzen - acht arbeitslose Männer sowie vier Frauen im Alter zwischen 35 und 60 Jahren - wegen gemeinschaftlichen Mordes an Pascal. Wegen schweren sexuellen Missbrauchs in anderen Fällen wird derzeit noch gegen zwei weitere Verdächtige ermittelt. Dazu kommen Ermittlungen gegen eine Sozialarbeiterin im Saarbrücker Jugendamt, die der Bierklausen-Wirtin die Vormundschaft über den später sexuell missbrauchten Freund von Pascal übertragen hatte. Diese schon 1995 genehmigte Pflegschaft wurde der Wirtin nach Darstellung des Stadtverbandes bereits zur Jahreswende 2000/2001 wegen Verwahrlosung des Kindes wieder entzogen. Hinweise auf sexuellen Missbrauch habe es damals angeblich nicht gegeben. Der Junge, der laut Polizei inzwischen in sicherer Obhut ist, hatte seinen neuen Pflegeeltern von den sexuellen Übergriffen in der "Tosa-Klause" erzählt. Er brachte die Ermittlungen gegen die Kinderschänder damit entscheidend voran. Von Pascals Leiche fehlt immer noch jede Spur. Die Suche mit Spürhunden wurde am Abend erneut unterbrochen. Techniker der Polizei mussten immer wieder Löcher in den noch gefrorenen Sand der Kiesgrube bohren. Die Sonderkommission richtete gestern ein anonymes Hinweistelefon und ein Postfach ein. Davon erhofft sich die Kripo weitere Hinweise zur Aufklärung, insbesondere auch von Internet-Nutzern, die über kinderpornografische Fotos oder Videos verfügen und sie der Polizei zur Verfügung stellen. Anonyme Hinweise können mit dem Stichwort "Pascal" an die Landespolizeidirektion Saarland (Tel. 0681/962 4646) oder Postfach 101755, 66017 Saarbrücken gerichtet werden.

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