Ein Virtuose auf dem Gebiet der Schadenfreude

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Bis zu 23 Millionen lockte Showmaster Kurt Felix vor den Fernseher. Jetzt starb er mit 71

St. Gallen. Zum Fernsehen wollte Kurt Felix schon, als das noch gar nicht auf Sendung war. Als 1953 die Schweiz den Versuchsbetrieb aufnahm, stand der damals Zwölfjährige allabendlich vor dem Schaufenster des Radiogeschäfts und schaute fasziniert auf den kleinen Bildschirm. "Ich wusste sehr bald: In diesen Kasten möchte ich auch mal rein", erzählte er in einem seiner letzten Interviews. Er kam nicht nur rein, sondern auch ganz groß raus: Als Schöpfer und Moderator der Unterhaltungssendung "Verstehen Sie Spaß?" begeisterte er sonnabends bis zu 23 Millionen Zuschauer und wurde einer der erfolgreichsten Showmaster. Nun ist Kurt Felix mit 71 Jahren an Krebs gestorben; er wurde am Sonnabend in seiner Heimat St. Gallen beigesetzt.

Seine Ehefrau Paola, 61, sagte: "Mit schönen Erinnerungen und einem Lächeln im Gesicht ist Kurt von dieser Welt gegangen. Gerade in dieser großen Traurigkeit denke ich unendlich dankbar zurück an die schönsten Jahrzehnte meines Lebens, die ich mit ihm erleben durfte." Das Paar war seit mehr als 31 Jahren verheiratet.

Die Idee zu "Verstehen Sie Spaß?" hatte Felix, der zunächst Lehrer geworden war, selbst. Er brachte die Show 1981 ins deutsche Fernsehen und moderierte insgesamt 53 Ausgaben bis 1990, zunächst allein, von 1983 an gemeinsam mit seiner Ehefrau, der Schweizer Sängerin Paola. Die beiden wurden ein "Traumpaar des deutschen Fernsehens", prägten die deutsche TV-Unterhaltung der 1980er-Jahre, erreichten mit ihrer Show Marktanteile von bis zu 48 Prozent. Eine starke Konkurrenz durch das Privatfernsehen gab es damals noch nicht. Felix setzte auf klassische Familienunterhaltung - so wie der ZDF-Klassiker "Wetten, dass ..?", der kurz danach startete. "Ich wollte Fernsehen für alle machen", sagte Kurt Felix. Sich selbst wollte er dabei nie zu stark im Vordergrund sehen.

Filme mit versteckter Kamera, die auf das Moment der Schadenfreude setzen, hatte Chris Howland Ende der 50er-Jahre nach Deutschland gebracht. Felix machte daraus eine abendfüllende Fernsehshow und erwies sich als Virtuose in Sachen Schadenfreude. Allerdings durfte nie die Gürtellinie unter- und die Schmerzgrenze überschritten werden. "Das Opfer muss am Ende mitlachen können."

Das Konzept der Sendung hatte Felix bereits zuvor im Schweizer Fernsehen getestet. Er kreierte und moderierte von 1974 bis 1981 die Sonnabendabend-Show "Teleboy". Schon damals drehte er Streiche mit der versteckten Kamera. "Teleboy" mit mehr als zwei Millionen Zuschauern ist bis heute die meistgesehene Sendung in der Geschichte des Schweizer Fernsehens. Wichtig war ihm immer die Tätigkeit hinter den Kulissen. "Die Arbeit hinter der Kamera hat mich tiefer beglückt als der bloße Beifall", sagte er

Vor mehr als 21 Jahren, zu seinem 50. Geburtstag, zog sich Felix als Showmaster zurück. "Mein Lebensmotto war immer: 25 Jahre lernen, 25 Jahre arbeiten, 25 Jahren genießen." Doch seine Krebserkrankung, die erstmals 2003 diagnostiziert wurde, machte ihm schwer zu schaffen. Er erholte sich nur mühsam von den Strapazen der Krankheit und der damit verbundenen medizinischen Eingriffe. Er hat das letzte Drittel seines Lebensmottos nicht mehr ganz erfüllen können.

( (dpa) )