Indonesien

47 Tote bei Absturz von Superjet SSJ 100

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Teile des vermissten neuen russischen Flugzeugs sind in der Nähe von Jakarta geortet worden. Die Maschine wurde laut Militärsprecher von einem Helikopter aus gesichtet. Keiner der 47 Passagiere soll das Unglück überlebt haben.

Jakarta/Moskau. Das in Indonesien vermisste russische Passagierflugzeugs ist gefunden worden. Dies erklärte ein Sprecher der indonesischen Luftwaffe am Donnerstag im Fernsehen. Das Wrack sei in der Nähe von Bogor bei Jakarta von einem Helikopter aus gesichtet worden, berichtete der Sender Metro TV. Es habe keine Überlebenden gegeben, sagte ein Sprecher der Firma, die den russischen Flugzeughersteller Suchoi in Indonesien vertritt, am Donnerstag. Das Flugzeug vom Typ Suchoi Superjet 100 (SSJ 100) mit 47 Menschen an Bord war am Mittwoch kurz nach dem Start zu einem Schauflug von den Radarschirmen verschwunden.

Mit dem Flugzeug sollte für die krisengeschüttelte russische Luftfahrtindustrie eine neue Ära starten. Doch am Mittwoch gab es offenbar einen dramatischen Rückschlag: Bei einem Demonstrationsflug in Indonesien ist der neue, hochmoderne Mittelstreckenjet vom Typ Suchoi Superjet 100 verschollen. An Bord seien bis zu 48 Insassen gewesen, sagte der Chef der indonesischen Luftfahrtbehörde, Herry Bakti Singoyudha, in Jakarta. "Wir suchen noch danach", ergänzte er. "Wir wissen nicht, was passiert ist."

Das Flugzeug sei in der Gegend des rund 2200 Meter hohen Vulkans Salak nahe der Hauptstadt Jakarta vom Radarschirm verschwunden, ergänzte er. Kurz zuvor habe die Besatzung darum gebeten, die Flughöhe auf 1800 Meter verringern zu dürfen. Das indonesische Militär erklärte, das Flugzeug sei regelrecht vom Himmel gefallen. Ein Sprecher des russischen Luftfahrtkonsortiums OAK bestätigte in Moskau, dass auch die Funkverbindung mit der Maschine während des Tests abgerissen sei, berichtete die Agentur Interfax.

Ein namentlich nicht genannter russischer Luftfahrtexperte sagte, es gebe wenig Hoffnung auf einen glücklichen Ausgang. Er sprach allerdings von 44 Insassen. An Bord seien acht Russen und 36 Vertreter indonesischer Fluggesellschaften gewesen. Nach Angaben aus Jakarta waren es 40 Indonesier und acht Russen.

"Sie haben zwei Demonstrationsflüge gemacht", sagte Adang Surpiyadi, der Kommandeur des Halim-Militärflughafens in Jakarta. Der Kontakt zu der Maschine sei nur rund zwölf Minuten nach dem Start zum zweiten Flug abgebrochen. Das sei gegen 14.35 Uhr Ortszeit (9.35 Uhr MESZ) gewesen.

Der örtliche Fernsehsender Trans TV berichtete, an Bord seien auch einer ihrer Reporter sowie ein Kameramann gewesen. "Wir können sie nicht erreichen", sagte Chefredakteur Gatot Triyanto. Das Flugzeug habe sich auf einer Demonstrationstour durch sechs asiatische Länder befunden, hieß es weiter.

Der auch mit westlicher Technik ausgestattete Superjet 100 ist das erste Passagierflugzeug, das in Russland seit dem Zerfall der Sowjetunion 1991 entwickelt wurde. Moskau hat mit der Maschine ehrgeizige Pläne. So soll der in Kooperation mit dem US-Hersteller Boeing sowie der italienischen Finmeccancia entwickelte SSJ 100 auf dem Weltmarkt den Branchenriesen Bombardier (Kanada) und Embraer (Brasilien) Konkurrenz machen.

Erst vor Kurzem hatte die Zivilsparte des Kampfjet-Herstellers Suchoi die offizielle Zulassung für die Europäische Union erhalten. Allerdings hatten Triebwerksprobleme die Auslieferung des Fliegers bislang verzögert. Beim Flug von Birma nach Indonesien hatte das Flugzeug erstmals den Äquator überflogen.

Die zweistrahlige Maschine bietet je nach Version 68 bis 103 Passagieren Platz und hat eine maximale Reichweite von 4500 Kilometern. Der Hersteller Suchoi gehört zur staatlichen Flugzeugbau-Holding OAK. Die Superjet-100-Maschinen werden im Suchoi-Werk Komsomolsk am Amur, 7000 Kilometer östlich von Moskau, gebaut. Suchoi hat derzeit 170 Bestellungen für das Flugzeug und will vor allem ausländische Märkte bedienen. Geplant ist eine Produktion von bis zu 1000 Maschinen.

Das Unglück reiht sich ein in eine Kette von Absturzkatastrophen in der russischen Luftfahrt. Erst Anfang April war eine Maschine der Gesellschaft Utair kurz nach dem Start in Westsibiren in ein Schneefeld gefallen und in Flammen aufgegangen. 31 Menschen kamen ums Leben. Allein in den vergangenen zwei Jahren wurden bei Abstürzen in Russland mehr als 200 Insassen getötet. 2011 verunglückten binnen weniger Monate gleich drei Maschinen. In einer von ihnen kam ein komplettes Eishockeyteam ums Leben.

Der Weltluftfahrtverband IATA macht vor allem die unzureichende Ausbildung von Piloten und Technikern dafür verantwortlich. Sie könne mit der wachsenden Zahl neuer, hochkomplexer Flugzeuge nicht Schritt halten. Viele Abstürze werden aber auch damit begründet, dass noch zahlreiche altersschwache Maschinen aus der Sowjet-Ära in Betrieb seien.

( (dpa, rtr, HA) )