Im Juli soll es richtig warm werden

Der Mai war ein Monat der Wetter-Negativrekorde. Doch die Aussichten sind gut

Hamburg. Es war Heinrich Heine (1797-1856), der einst dichtete: "Im wunderschönen Monat Mai, als alle Vögel sangen, da hab ich ihr gestanden, mein Sehnen und Verlangen." Hätte Heine den Mai 2010 erlebt, er hätte sich wohl weniger nach seiner Angebeteten als nach höheren Temperaturen gesehnt. Denn dieser Wonnemonat hat allen Verehrern des Frühlings die kalte Schulter gezeigt. Michael Knobelsdorf, Meteorologe vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Hamburg, formuliert es bildlich: "Unser Frühling war ein australischer Winter mit 15 Grad und einzelnen Nachtfrösten." Insgesamt stehen zu wenig Sonne, zu viel Regen und zu geringe Temperaturen in der diesjährigen Maibilanz. Das trübte nicht nur die Stimmung, sondern auch den ansonsten guten Schnitt des meteorologischen Frühlings von März bis Mai. Der war mit durchschnittlich acht Grad nämlich 0,2 Grad wärmer als sonst.

Nun ruhen die Hoffnungen auf den kommenden drei Monaten, denn meteorologisch gesehen beginnt der Sommer bereits morgen. Und die gute Nachricht sei an dieser Stelle bereits vorweggenommen: So schlecht sieht es gar nicht aus. Knobelsdorf macht Mut: "Ab der Wochenmitte wird es wärmer, dann sind sogar 25 Grad möglich. Bis zum Wochenende hält sich das schöne Wetter." In der nächsten Woche werde es allerdings schwülwarm.

Damit passt die Vorhersage zu den zahlreichen Prognosen, die zurzeit Optimismus verbreiten sollen. Der Jahreszeiten-Trend des DWD in Offenbach sieht die Chancen für einen warmen Sommer im Moment bei heiteren 60 Prozent. Die Chancen auf eine kalte oder eine mittlere Version liegen bei jeweils 20 Prozent. Allerdings warnen selbst die Experten davor, diese Langzeit-Vorhersagen, die auf Basis von statistischen Werten und Meerestemperaturen erstellt werden, als Grundlage für eine zuverlässige Urlaubsplanung heranzuziehen. Das Fachwort lautet in diesem Fall "Orientierungshilfe". Sie dient lediglich dazu, abschätzen zu können, ob die Jahreszeit kühler oder wärmer wird als das langjährige Mittel.

Etwas genauer ist da schon der 15-Tage-Temperaturtrend. Der prophezeit am 12. Juni Tagestemperaturen zwischen 17 und 29 Grad. Andere Vorhersagen sehen auch für Juli die 30-Grad-Marke in greifbarer Nähe. Allerdings fehlt hier eine wichtige Wetterkomponente: der Regen. Es kann schließlich noch so warm sein: Wenn die Feuchtigkeit von oben und nicht aus dem Freibad kommt, ist die Freude getrübt. Es heißt also, auf ein stabiles Hochdruckgebiet über Skandinavien zu hoffen. Denn dann ist bei uns meist der Himmel blau und die Laune sonnig.

Vielleicht würden dadurch auch die Gedanken über den diesjährigen Mai etwas freundlicher. Meteorologe Knobelsdorf findet jedenfalls jetzt schon: "Man muss auch mal die positiven Seiten dieses Mais sehen. Die Natur in ihrer schönsten Form verharrt bei niedrigeren Temperaturen. Bei Wärme wäre alles schon verblüht." Heine hätte es wohl nicht poetischer sagen können.