Monte Carlo. Der Hamburger Tennisprofi scheitert auch beim Mastersturnier in Monte Carlo früh – und reagiert erneut ratlos.

Es gibt kaum einen schöneren Platz im Tennis-Wanderzirkus als den Monte Carlo Country Club. Vom Centre-Court fällt der traumhafte Blick wechselweise auf die Weiten des Mittelmeers oder auch auf die mächtigen Felsmassive oberhalb des mondänen Fürstentums. Alexander Zverev kennt diesen Platz, diesen Club bestens, es ist sozusagen seine Basisstation, sein ständiger Trainingsort, schließlich lebt der 22 Jahre alte Hamburger hier an der Cote d`Azur, wenn er nicht auf Reisen unterwegs ist.

Doch wenn das traditionsreiche Mastersturnier an diesem Osterwochenende in die heiße Phase geht, wird Zverev, der Heim-Spieler, nicht mehr dabei sein. Am Gründonnerstag endete sein Engagement bei einem bedeutenden Wettbewerb wieder einmal zu früh in dieser komplizierten Saison, der zweite Auftritt in den laufenden Ausscheidungsspielen war gegen den 31 Jahre alten Italiener Fabio Fognini auch schon der letzte. Einen Satz begegneten sich Zverev und der neun Jahre ältere Exzentriker, gefürchtet für seine explosiven Gefühlsausbrüche und Mätzchen, auf Augenhöhe – dann verlor der gebürtige Hamburger erst seine Linie, dann die Nerven. Und dann auch das Spiel mit 6:7 (6:8) und 1:6. Viel hatte Zverev danach nicht zu sagen, es wirkte, als setze sich die Ratlosigkeit des amtierenden Tennisweltmeisters auch nach dem verlorenen Match fort. „Es war sehr windig, und ich habe einfach schlecht gespielt“, sagte er, „ich hoffe, dass ich den nächsten Wochen mehr Matchpraxis bekomme. Ich brauche einfach mehr Spiele.“

Für Zverev kommt in dieser Saison alles zusammen, leider nicht im Guten

Zverev braucht vor allem wieder Mut. Er braucht Selbstvertrauen. Und er braucht die Lust, wieder selbst die Initiative in einem Match zu ergreifen, den Gegner zu attackieren und eigene Strategien durchzusetzen. Momentan macht er zu oft den Eindruck, als zweifle er an sich selbst, als habe er mehr mit dem eigenen Befinden als mit dem Gegner zu tun. Die Selbstverständlichkeiten sind aus seinem Spiel gewichen, jene Zuversicht auch, die ihn im November in London auf den Thron beim ATP-Championat führte. Damals besiegte er am Finalwochenende zuerst Roger Federer im Halbfinale, dann im Endspiel den Nummer- eins-Mann Novak Djokovic. Nun scheiterte er auf den ersten Metern der Sandplatzsaison in Marrakesch am unscheinbaren Spanier Jaume Munar und in Monte Carlo an Fognini, dem unberechenbaren Trickspieler. Fognini hatte von Anfang Februar bis zum Turnier in Monte Carlo ein einziges Tourmatch gewonnen, er hatte auch an diversen Verletzungen herumlaboriert. Aber den verunsicherten, oft fahrig auftretenden Zverev schlug er dennoch mit wiedergewonnener Spielfreude aus dem Wettbewerb.

Die großen amerikanischen Frühjahrsturniere brachten weitere Enttäuschungen

Für Zverev kommt in dieser Saison alles zusammen, leider nicht im Guten. Bei den Australian Open, dem ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres, verpatzte der Deutsche die eigenen Hoffnungen mit einer unerklärlich deutlichen Achtelfinalniederlage gegen den Kanadier Milos Raonic. Die großen amerikanischen Frühjahrsturniere in Indian Wells und Miami brachten weitere Enttäuschungen, nicht zuletzt, weil Zverev unter einer Viruserkrankung litt. Doch es gab auch andere Probleme wie den plötzlichen Rechtsstreit mit seinem langjährigen Manager Patricio Apey. Zverev klagt inzwischen gegen den Chilenen, der auf eine Geschäftsbeziehung bis 2023 pocht. Hilfreich ist der Disput jedenfalls nicht für einen, der alle Energien und Sinne aufs Tennisspiel richten muss.

In Monte Carlo hat Zverev nun schon mal 270 Weltranglistenpunkte eingebüßt, im vergangenen Jahr stand er im Halbfinale. Größere Punktepolster gilt es in den kommenden Wochen beinahe überall zu verteidigen, es ist der Fluch der guten Taten von 2018, als Zverev neben Rafael Nadal die beherrschende Figur in den Sandkästen der Tour war. Auch in München Ende April geht Zverev, der kommende Woche in Barcelona aufschlägt, als Titelverteidiger ins Rennen. Der Druck bleibt groß, die Fallhöhe ist weiter beträchtlich für die derzeitige Nummer drei der Welt.