Corona

DFB: „Amateurfußballer müssen zurück auf die Plätze“

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Mirko Schneider
DFB-Vizepräsident Rainer Koch hielt einen kämpferischen Vortrag.

DFB-Vizepräsident Rainer Koch hielt einen kämpferischen Vortrag.

Foto: Andreas Gora / dpa

Der Deutsche Fußball-Bund stellt die Ergebnisse einer Onlineumfrage vor und fordert von der Politik deutliche Lockerungen.

Hamburg. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat in einer Pressekonferenz zur Vorstellung einer eigens durchgeführten Onlineumfrage zu den Verhältnissen im bundesweiten Amateurfußball für die Wiederaufnahme des Trainings- und Spielbetriebs der Amateurfußballer geworben. DFB-Präsident Fritz Keller (63) und der für die Amateure zuständige DFB-Vizepräsident Rainer Koch (62) forderten in ihrem kämpferischen Auftritt mehrfach unisono „die Rückkehr auf die Plätze“.

Keller verwies auf eine Studie der Universität des Saarlandes und der Universität Basel. Diese hatte von August bis Dezember vergangenen Jahres 780 Fußballspiele aus dem Profi- und Amateurbereich untersucht, in denen mindestens ein Spieler aktiv war, bei dem Verdacht auf eine Corona-Ansteckung bestand.

„Nur in einem einzigen Fall konnte eine Infektion auf dem Platz nicht ausgeschlossen werden. Das Infektionsrisiko im Amateurfußball ist sehr gering“, sagte Keller. „Die Angst der Politiker vor überlaufenden Krankenhäusern verstehen wir. Aber nicht die Angst vor dem Amateurfußball. Sie ist unbegründet. Und für das Drumherum neben dem Platz existieren sehr gute Hygienekonzepte. Das haben die Vereine bereits bewiesen“, sagte Koch.

Amateurfußballer beklagen „fehlendes Gemeinschaftsgefühl“

Die vom 19. bis 27. Februar durchgeführte DFB-Onlineumfrage untermauerte die problematische Lage in den Clubs. Teilnehmen konnten Personen ab 14 Jahren mit Bezug zum Amateurfußball, von 101.710 Teilnehmenden stellten Spieler (41.155) die Mehrheit. 2899 Teilnehmende kamen aus Hamburg.

Die wichtigsten Ergebnisse: 98 Prozent der Befragten vermissen den Amateurfußball. Das Kicken auf dem Platz steht bei den Gründen auf Rang zwei (68 Prozent), das fehlende Gemeinschaftsgefühl (71 Prozent) an erster Stelle. Auf die nur für Trainer und Vereinsmitarbeiter freigeschaltete Frage nach der größten Herausforderung während der Corona-Pandemie belegte der Punkt „Ausreichende Zahl an Ehrenamtlichen/freiwilligen Helfern“ Rang eins (53 Prozent vor Corona/45 Prozent danach).

61 Prozent der Trainer und Vereinsmitarbeiter gaben an, Corona habe sich auf die finanzielle Situation der Vereine ausgewirkt. 79 Prozent bezeichneten die finanzielle Belastung für die Clubs als spürbar, 18 Prozent als existenzbedrohend. Ein Mutmacher: Die Werte der Teilnehmenden, die nach dem Lockdown dem Amateurfußball verbunden bleiben wollen, lagen vom Vereinsmitarbeiter bis zu den Eltern stabil bei mehr als 90 Prozent.

Regionalliga Nord setzt Spielbetrieb fort

Einige weitere eindrucksvolle Zahlen brachten Keller und Koch vor. So liege die Sozialrendite des Amateurfußballs (ökonomische und soziale Wertschöpfung) im Jahr bei 13,9 Milliarden Euro. Zudem seien 2020 950.000 Partien ausgefallen. Koch lobte den „ausgeprägten Kampfgeist“ der Vereine, die sich gegen ein Untergangsszenario stemmten. Zudem deutete er an, sich eine Einstufung aller Regionalligaspieler als Berufsfußballer zu wünschen.

Insgesamt könne der DFB mit Appellen an die Politik, Beratungen der Vereine und Kampagnen helfen – aber nicht mit barer Münze. „Das“, so Koch, „ist aufgrund der Gemeinnützigkeit rechtlich verboten und wäre bei 25.000 Vereinen in Deutschland finanziell nicht zu leisten.“

Die wichtigsten Corona-Themen im Überblick

In der Regionalliga Nord soll unterdessen nach vier Monaten Pause der Spielbetrieb weitergehen. Dies besprach der Norddeutsche Fußball-Verband mit den Clubs am Montagabend in einer Videokonferenz. Ein Termin für die Rückkehr steht noch nicht fest, angepeilt wird der 10./11. April. In Hamburg wurden die Nachwuchsteams des HSV und des FC St. Pauli, Altona 93 und Teutonia 05 als Berufssportteams eingestuft. Eintracht Norderstedt darf in Schleswig-Holstein auch wieder trainieren.