Fussball

Soccerbees starten ins Abenteuer Bundesliga

Das Bundesligateam des Harburger TB für die Fußballsaison 2019 / 2020: Vorne v.l.: Can Özkan (Teammanager), Jamila König, Chiara Auricchio, Lena Goretzka, Lena Staack, Johanna Wollmann, Amira Mobarek, Serengül Özkan  (Betreuerin). Mitte v.l.:  Dennis Kessler (Athletiktrainer), Diane Hennings, Beyza Kara, Svenja Busies (Trainerin), Midou Loubongo-MBoungou, Leonie von Thien, Erhan Albayrak (Cheftrainer). Hinten v.L.:  Tini Hayford,  Marly Saucke, Julide Karateke, Joelle Aldag, Julia Sachtler, Simay Özkan. Nicht auf dem Foto: Ari Sukprasit (Betreuerin), Elanur Turhan, Aliyah Akgül, Faith Bosompim, Ronja Dragendorf, Angelina Dick (TW), Lisa Behneke.

Das Bundesligateam des Harburger TB für die Fußballsaison 2019 / 2020: Vorne v.l.: Can Özkan (Teammanager), Jamila König, Chiara Auricchio, Lena Goretzka, Lena Staack, Johanna Wollmann, Amira Mobarek, Serengül Özkan  (Betreuerin). Mitte v.l.:  Dennis Kessler (Athletiktrainer), Diane Hennings, Beyza Kara, Svenja Busies (Trainerin), Midou Loubongo-MBoungou, Leonie von Thien, Erhan Albayrak (Cheftrainer). Hinten v.L.:  Tini Hayford,  Marly Saucke, Julide Karateke, Joelle Aldag, Julia Sachtler, Simay Özkan. Nicht auf dem Foto: Ari Sukprasit (Betreuerin), Elanur Turhan, Aliyah Akgül, Faith Bosompim, Ronja Dragendorf, Angelina Dick (TW), Lisa Behneke.

Foto: Can Özkan / Harburger TB

Die Vorbereitung lief gut – jetzt steht das erste Heimspiel in der höchsten Liga an: Der Gegner ist Aurich.

Harburg.  Sie sind heiß, ehrgeizig und emotional, bunt und multikulti. So ist es auf ihrer Internetseite zu lesen. Und sie sind das einzige Fußballteam im Hamburger Süden, das in der Bundesliga spielt. Und in eben dieser höchsten deutschen Spielklasse wollen sich die B-Mädchen des Harburger TB jetzt erst einmal nur etablieren. Die Vorfreude auf die erste Saison in der B-Juniorinnen-Bundesliga ist groß. „Wir wollen Harburg würdig vertreten“, sagt Teammanager Can Özkan, der das Team in mehreren Jahren als Trainer bis in die höchste Liga führte, für das an diesem Sonnabend um 14 Uhr das Abenteuer Bundesliga mit einem Heimspiel auf der Jahnhöhe gegen die Spielvereinigung Aurich beginnt.

Ausgerechnet Aurich – an die Spielvereinigung aus Ostfriesland haben Can Özkan und die verbliebenen Spielerinnen keine gute Erinnerungen. In 2018 scheiterten die Soccerbees, wie sie sich selbst nennen, in zwei Spielen um die norddeutsche Meisterschaft – mit der der Aufstieg in die Bundesliga verknüpft war – an Aurich. Das Spiel zu Hause ging 1:3 verloren, in Aurich reichte im Rückspiel ein 1:0 nicht. „Wir waren in beiden Spielen das bessere Team. Dass wir nicht schon ein Jahr vorher aufgestiegen sind, ist aus heutige Sicht ganz gut so. Wir waren noch nicht soweit.“

Testspiel gegen Holstein Kiel endete 3:1

Zum letzten Test vor der Saison 2019/2020 ging es in den Norden zu Holstein Kiel, bestückt mit etlichen Landesauswahlspielerinnen und als Mannschaft mit Ambitionen auf die Bundesliga. Insbesondere in der ersten Halbzeit funktionierte beim HTB das Passspiel und das schnelle Umschalten. Das 1:0 erzielte Simay Özkan in der 13. Minute mit einem Linksschuss. Das 2:0 schoß Beyza Kara in der 25. Minute.

In der zweiten Halbzeit kam Holstein Kiel besser ins Spiel – allerdings ohne ernsthafte Chancen zu erzwingen. Die Viererkette der Harburger Mädchen erwies sich als stabil. Zum Endstand von 3:1 traf Elanur Turhan in der 76. Minute. Özkan: „es war ein flottes und technisch hochwertiges Spiel, bei dem die Zuschauer ihren Spaß hatten.“ Ein starkes Kieler Team habe es dem HTB nicht immer einfach gemacht, dort zu gewinnen. „Zum Auftaktspiel in der Bundesliga gegen Aurich macht das Ergebnis von Kiel Hoffnung“.

13 Spielerinnen aus der vergangenen Saison noch dabei

Dreizehn Spielerinnen vom Vorjahr sind bei den Soccerbees noch dabei, zehn Talente aus Hamburg und Niedersachsen sind neu im Team. „Alles Spielerinnen aus den Verbandsligen“, sagt Can Özkan, „die sich in der Bundesliga bewähren wollen.“ Aufgrund der unterschiedlichen Ferienzeiten in Hamburg und Niedersachsen konnte nicht immer gemeinsam trainiert werden. „Es gibt also noch viel zu tun für unseren neuen Trainer“, sagt Can Özkan mit Blick auf Erhan Albayrak, der jetzt sportliche das Sagen hat. Der 42 Jahre alte Fußballer und zuletzt Trainer mit türkischer und deutscher Staatsangehörigkeit besitzt die A-Lizenz und hat in der Saison 2015/2016 selbst kurz für den HTB gespielt und wohnt nur „800 Meter Luftlinie“ von der HTB-Sportanlage entfernt, so Can Özkan.

Erhan Albayrak ist der neue Trainer

Albayrak ist in Fischbek aufgewachsen, spielte in der Jugend beim FC Süderelbe, Hamburger SV und Werder Bremen. Im September 1995 hatte Albayrak seinen ersten internationalen Auftritt im UEFA-Cup, als er gegen den Glenavon FC in der 67. Minute für Mario Basler eingewechselt wurde. Danach suchte Erhan Albayrak sein Glück als Fußballprofi in der Türkei, wo er Kapitän der türkischen U21-Nationalmannschaft war. Seine größten Erfolge waren 1997 der Gewinn des türkischen Fußballpokals mit Kocaelispor und 2002 die Meisterschaft in der 2. Bundesliga und der Aufstieg in die 1. Bundesliga mit Arminia Bielefeld.

Kontinuität war bisher nicht das herausragende Merkmal von Erhan Albayrak, der in 25 Jahren als Fußballer bei ebenso vielen Vereinen unter Vertrag stand und auch als Fußballlehrer noch nirgendwo wirklich heimisch wurde. Zuletzt wurde Erhan Albayrak nach 12 Spielen als Trainer beim FSV Duisburg entlassen. „Ich kenne Erhan schon ewig und als wir uns nach unserem Aufstieg in die 1. Liga nach einem neuen Trainer umsahen, kam ich mit ihm ins Gespräch und wir waren uns dann auch bald einig“, sagte Can Özkan, wie es zum Engagement des umtriebigen Fußballers beim Harburger TB kam.

Özkan sieht Chancen für den Klassenerhalt

Die zukünftigen Gegnerinnen der Harburger Soccerbees tragen große Namen, wie Hamburger SV, Werder Bremen, VfL Wolfsburg. Andere Mannschaften sieht Can Özkan eher auf Augenhöhe, wie Union Berlin oder Auftaktgegner SpVg Aurich. Özkan: „Kein Verein ist in jedem Jahrgang spitzenmäßig besetzt.“ Özkan vertraut darauf, dass der Kunstrasenplatz und die Atmosphäre auf der Jahnhöhe sich als Vorteil erweisen. „Viele gegnerische Mannschaften spielen auf Naturrasen in einem Stadion mit Laufbahn, weitab von den Fans.“ In Harburg wäre das anders, das käme der kämpferischen Spielweise seines Teams entgegen.

Wie lange Erhan Albayrak als Trainer bleiben wird, ist ungewiss. „Natürlich wissen wir, dass er im Profifußball seine Zukunft sieht und wir haben vereinbart, dass er im Fall eines attraktiven Angebots aus einer höheren Liga ohne Schwierigkeiten wechseln darf“, sagte Can Özkan, auf den dann vielleicht doch wieder die Aufgabe als Trainer der Harburger B-Mädchen zukommt. Doch bis dahin verkörpert beim Harburger TB der Mann den Verein an der Seitenlinie, für den genau das gilt, was auch die Harburger Mädchen für sich beanspruchen – nämlich heiß, ehrgeizig, emotional, bunt und multikulti zu sein.