Deutschlands Tennis-Ass

Mit dem "Petko-Dance" auf dem Weg in die Weltspitze

Andrea Petkovic begeistert die Tennis-Welt mit ihren erfrischenden Auftritten. Auch Abseits des Platzes ist die 23-Jährige ein echtes Vorbild.

Hamburg. "Träume und Ziele verschwimmen ineinander", berichtete Andrea Petkovic im Januar 2011. Gerade hatte sie ihren endgültigen Durchbruch in die Tennis-Elite der Welt geschafft. Beim ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres in Melbourne erreichte die 23-Jährige überraschend das Viertelfinale. Einige Medien adelten sie schon als Nachfolgerin Steffi Grafs. Der Druck auf die Darmstädterin ist groß, denn Deutschlands Tennis-Fans lechzen nach Jahren der sportlichen Dürre wieder nach einem Idol.

Druck, der Petkovic scheinbar nichts anhaben kann. Beim WTA Masters in Miami schaltete Deutschlands neue Tennis-Hoffnung zunächst sensationell die Weltranglistenerste Caroline Wozniacki (Dänemark) aus, besiegte im Viertelfinale nun die Serbin Jelena Jankovic. Wenn die 1,80 Meter große Modelathletin heute Abend um 19 Uhr (Eurosport) gegen die Russin Maria Scharapowa im Halbfinale aufschlägt, werden wohl so viele Deutsche vor dem Fernsehgerät mitfiebern, wie lange nicht mehr.

Petkovic führt Fed-Cup-Team gegen die USA an

Andrea Petkovic hat die Lust am Tennis in Deutschland neu entfacht. Dabei sah es lange Zeit nicht danach aus. 2008 sollte ihr erster großer Aufritt zum bislang bittersten Moment der Karriere werden. Bei den Australian Open traf sie damals in der ersten Runde auf die Top-Ten-Spielerin Anna Tschakwetadse. Das Fernsehen übertrug live, doch nur vier Minuten nach Beginn riss Petkovics Kreuzband. Operation, Reha, Aufbautraining. Acht Monate lang musste die damals 20-Jährige pausieren. Heute sagt sie: "Mir wurde damals trotzdem klar: Das ist genau das, was ich machen will: Tennis spielen!"

Mit Ehrgeiz, Geduld und ganz viel Spaß kämpfte sich Petkovic zurück und schaffte es bis Ende des Jahres 2009 auf Weltranglistenplatz 56. Ein Jahr später rangierte sie bereits auf Platz 32, am kommenden Montag wird ihr erstmals der Sprung in die Top 20 der Welt gelingen. Egal, ob ihr Siegeszug in Miami fortgesetzt wird.

Profitennis – ein Fulltimejob. An das Jetset-Leben hat sich Andrea Petkovic bereits gewöhnt. Im September 1987 wurde sie in einer kleinen Stadt in Bosnien-Herzegowina geboren, sechs Monate später zogen ihre Eltern mit ihr ins hessische Darmstadt. "Seit ich denken kann, denke ich auf Deutsch, seit ich bewusst mein Dasein lebe, lebe ich es ziemlich deutsch", sagt Petkovic. Dennoch bekam sie erst 2001 die deutsche Staatsbürgerschaft.

Nicht nur auf dem Tennisplatz ist Petkovic ein Vorbild. Ihr Abitur machte sie 2006 mit dem Notenschnitt 1,2. Weil sie sich während der Schulzeit schon sehr für die politische Geschichte ihres Heimatlandes, dem ehemaligen Jugoslawien, interessierte, begann "Petko" ein Studium der Politikwissenschaften an der Fernuniversität Hagen. Eine zweite Karriere in der Politik? "So lange ich auf dem Tennisplatz stehe, ist das nicht realistisch, aber wenn ich den Schläger mal an den Nagel gehängt habe, wird es soweit sein", erzählt Petkovic. In der hessischen Staatskanzlei absolvierte sie bereits ein Praktikum unter dem damaligen Ministerpräsidenten Roland Koch. Ihre politischen Karriereziele sind genauso selbstbewusst wie ihr Auftreten im Tennis-Zirkus: "Von der Parteigründung bis zur Wahl als Bundeskanzlerin ist alles drin."

Bevor Andrea Petkovic aber vom Tennisplatz in den Plenarsaal wechselt, will sie weiter die Tennis-Elite ärgern. Deutschlands Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner sagt über ihre Spielerin: "Wer die aktuell Erste in Höchstform schlägt, kann auch nach ganz oben kommen." Zunächst aber wartet im Halbfinale in Miami eine weitere schwere Aufgabe auf die aufstrebende Tennis-Hoffnung. Sollte ihr Siegeszug auch von Maria Scharapowa nicht gestoppt werden können, dürfen sich die Tennis-Fans auf eine Neuauflage des "Petko-Dance" freuen. Diesen selbstkreierten Tanz führt die symphatische Hessin nach ihren Siegen auf dem Court auf. Wenn sie wählen könnte, wäre sie lieber Rockstar als Tennisspielern, schreibt "Petko" auf ihrer Homepage.

Die Tennis-Fans sind froh, dass die 23-Jährige dieses Talent nicht auch noch besitzt. Ihr großes Ziel im Tennissport, einmal im Rampenlicht bei einem Grand-Slam-Turnier zu stehen, hat sie in diesem Jahr schon erreicht. Träume sind aber noch reichlich vorhanden. Und schließlich verschwimmen diese bei Andrea Petkovic ja derzeit ineinander.