Szenen aus dem Hamburger Amateurfussball

Top-Torjäger: Tüysüz will "Locke King Goal" beerben

Auch in diesem Jahr sucht das Hamburger Abendblatt wieder Hamburgs besten Torjäger . Wer kann die Nachfolge von Vorjahressieger Patrick Lockstedt antreten? Nach den ersten drei Spieltagen in Hamburgs Amateurklassen und der Regionalliga Nord, führt Onur Tüysüz von Einigkeit Wilhelmsburg mit 5 Treffern (6,25 Punkte). Am Wochenende greifen auch die Profis vom HSV und vom FC St. Pauli in die Konkurrenz ein. Ebenso haben Hamburgs Oberliga-Stürmer ab Freitag die Chance auf die Torjäger-Krone.


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Im Fußball-Sonderheft des Hamburger Abendblatts sprach "Experte" Matthias Neumann dem SV Lurup für viele überraschend die theoretische Tauglichkeit für die Regionalliga zu. Nun kann er selbst mithelfen, dass es einmal dazu kommt: Neumann ist ab sofort als sportlicher Berater der Oberligamannschaft tätig. "Der Kontakt ist schon seit einem Jahr da, aber damals brauchte ich noch mehr Abstand" sagt der ehemalige Manager von Altona 93. Organisatorische Dinge stehen zunächst im Vordergrund, doch zur Note 4,5 für den Luruper Angriff im Sonderheft steht Neumann noch immer. "Da ist auf jeden Fall noch Verbesserungspotenzial, doch die drei, vier Stürmer, die auf dem Markt sind und uns auch wirklich weiterhelfen würden, sind zu teuer. Also müssen wir wohl bis zum Winter warten." Der bisherige Ligabeauftragte Friedrich Müller wird als Luruper Urgestein Neumann weiter zur Seite stehen.


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Rechtzeitig vor dem ersten Punktspiel der neuen Oberliga-Saison am Freitag bei Holstein Kiel traf die letzte Freigabe über den DFB bei Altona 93 ein: Thomas Kristensen von Esbjerg BK II steht nun als weitere Alternative im defensiven Mittelfeld oder der Abwehr zur Verfügung. Für die erste Elf kommt der Däne jedoch noch nicht in Frage. Über 1.200 verkaufte Dauerkarten der Kieler lassen am Freitag 3.000-4.000 Zuschauer erwarten - kann Altona da bestehen? Denn bei den bisherigen Gastspielen vor ähnlicher Kulisse in Meppen konnten die 93er nie gewinnen. "Wir werden uns nicht verstecken", sagt Trainer Torsten Fröhling , "zumal Angreifer Jürgen Tunjic schon in Top-Form ist. Es hapert noch ein bisschen an der Abstimmung in der Defensive."


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Bereits heute lost der Hamburger Fußball-Verband die Drittrunden-Duelle um den Oddset-Pokal aus. Ab 18.30 Uhr werden die Paarungen in den Räumen des Sport-Mikrofons gezogen. Die Vertreter aller beteiligten Vereine sind herzlich eingeladen und dürfen sich wohl wieder einiger kulinarischen Delikatessen erfreuen.Um für die vierte Runde auf die Anzahl von 32 Mannschaften zu kommen, werden in der dritten Runde neun Mannschaften jeweils ein Freilos erhalten und stehen damit kampflos in Runde vier. In 23 Drittrunden-Paarungen werden die übrigen Teilnehmer ermittelt.


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Der SV Wilhelmsburg bleibt seinem Nimbus als Pokalmannschaft treu. Letztes Jahr zog das Team von der Elbinsel bis ins Halbfinale ein, nun wurde in einem Nachholspiel der ersten Runde der Hamburg-Liga-Klub TSV Buchholz 08 mit 1:0 aus dem Wettbewerb geworfen. In der Hansa-Staffel stehen die Wilhelmsburger hingegen auf dem vorletzten Rang - wie passt das zusammen? "Unser Team kann sich auf den Punkt motivieren", sagt Trainer Bodo Blank . "Auch wenn ein bisschen Glück dabei war." Buchholz verschoss erst einen Elfer, traf dann nur den Pfosten. Das regte TSV-Keeper Hendrik Tietze so auf, dass er anfing zu meckern und der SVW einen indirekten Freistoß im Sechzehner zugesprochen bekam - Pokal-Torschreck Christian Fuchs ließ sich die Chance nicht nehmen und erzielte den Siegtreffer. Die Mittelfeldspieler Alang Dang und Lorenz Barjami vom letztjährigen Landesligaklub St. Georg-Horn laufen in Zukunft ebenfalls für die Wilhelmsburger auf.


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Der FC Elmshorn aus der Bezirksliga West schlug das klassenhöhere Bramfeld II in der zweiten Runde des Oddset-Pokals mit 8:2 nach Verlängerung. Eigentlich unmöglich, denkt der fußballbeflissene Leser. Doch FCE-Coach Bernd Bressem erklärt das auch für ihn bisher einmalige Ergebnis. "Ich gebe im Pokal unserem zweiten Anzug gerne Mal die Chance, sich zu beweisen. Nach 17 Minuten lagen wir mit 0:2 zurück - da habe ich sofort gewechselt und wieder meine etatmäßige Viererkette installiert. Es wurde besser, aber ein Tor wollte zunächst nicht fallen. Christian Sommer verschoss nach 75 Minuten eine Elfmeter, spätestens da war die Messe eigentlich gelesen. Doch wir erzielten noch zwei Tore in der regulären Spielzeit und legten in Minute 91 und 93 gleich nach - da brachen die Bramfelder dann zusammen." Acht Treffer in 42 Minuten für eine Partie mit Verlängerung rekordverdächtig. Vahdet Calmac , der auch schon in der vergangenen Spielzeit 26 Mal ins Schwarze getroffen hatte, war mit drei Toren erfolgreichster Schütze. "Nun wünsche ich mir HR als nächsten Gegner, damit auch mein alter Klub seine Grenzen aufgezeigt bekommt", fügte Bressem schmunzelnd hinzu.


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Nach dem dürftigen 1:1 am Wochenende ergab sich bereits zwei Tage später die Gelegenheit für Eintracht Norderstedt die Verhältnisse gegen den USC Paloma zurechtzurücken. In der zweiten Runde des Oddset-Pokals behielt der Top-Favorit der Hamburg-Liga diesmal souverän mit 2:0 die Oberhand. Eintracht-Angreifer Oliver Hirschlein musste dabei zehn Minuten vor dem Abpfiff mit gelb-rot wegen wiederholten Reklamierens vom Platz. "Er ist am Montag Vater geworden. Vielleicht war er deshalb noch ein wenig aufgeregt", hakte Trainer Marco Krausz die Angelegenheit schnell ab.


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Kein Glück in Runde zwei des Pokals hatte Hamburg-Liga-Klub SC Concordia. Beim MSV Hamburg (Bezirksliga) gab es eine 7:8-Niederlage im Elfmeterschießen. Doppelt bitter für Trainer Andreas Klobedanz , dass sich mit Steffen Harms, Paul Janke und Thomas Reiher gleich drei Akteure schwerer verletzten. Ihr Einsatz am Sonntag im Top-Spiel bei Barmbek-Uhlenhorst (15 Uhr) ist gefährdet. "Tja, das war wie Burghausen gegen Bayern, nur mit einem anderen Ergebnis", verglich Klobedanz die Partie mit dem DFB-Pokal-Spiel vom Montag.


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Farbenfroh ging es im Pokal im Kreis- und Hamburg-Liga-Derby zwischen der SV Halstenbek-Rellingen und dem VfL Pinneberg zu. Schon vor dem Anpfiff der zweiten Hälfte mussten drei Akteure nach einer roten Karte den Platz verlassen. Pinnebergs Ömür Kaplan erwischte es noch vor dem Halbzeitpfiff. Beim Gang in die Kabine konnten HR-Spieler Nico Marquardt und Sascha da Silva-Mendes nach einer gegenseitigen Handgreiflichkeit in derselben bleiben. Fußball gespielt wurde im Übrigen auch. HR zog nach einem 3:0-Sieg in die nächste Pokalrunde ein. Florian Pries (13./29., FE) und Eike Pannen (49.) trafen für den Gastgeber, dessen Trainer Oliver Berndt hofft, dass nach drei sieglosen Spielen in der Liga der Knoten geplatzt ist.


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Eine weitere Pokal-Überraschung gab es in Lokstedt, wo der Kreisliga-Vertreter von Eintracht Lokstedt den Hamburg-Liga-Klub Niendorfer TSV mit 5:3 hinauswarf. Patrick Westphal konnte die Gäste zwar in Führung bringen, nach 90 und 120 Minute hieß es aber 1:1. Im anschließenden Elfmeterschießen hatte die Eintracht schließlich die besseren Nerven. "Das hatten wir uns natürlich anders vorgestellt", bilanzierte Manager Marcus Scholz den bisherigen Saisonverlauf. Nach drei Spielen hat der NTSV gerade einmal einen Zähler auf der Habenseite.