Hamburgs Amateurfußball

Der FC Bergedorf 85 ist geboren

Während Knipser „Toni" Ude kurz vor einem Wechsel zur SV Halstenbek-Rellingen steht, laufen dem TSV Wandsetal die Aufstiegshelden davon.

Hamburg. Die Zeit der Ratlosigkeit bei Blau-Weiß 96 Schenefeld ist vorbei. Nach dem Abstieg aus der Landesliga, dem Rücktritt von Trainer Thomas Oldenburg und einer kaum für möglich gehaltenen Massenflucht der Spieler, hat der Verein nun mit Werner von Bastian einen neuen Coach gefunden. Von Bastian trainierte zuletzt noch die II. Mannschaft und rückt mit vielen seiner Kreisliga-Kicker in die Bezirksligamannschaft auf, wo lediglich Kevin Bahr, Marcel Gertschat und Michael Pawel aus der letztjährigen Elf geblieben sind. Die Kreisligamannschaft wird ab sofort von Thomas Schröder gecoacht, der im Verein zuvor die 2. A-Jugend betreute.

Am kommenden Samstag wird es spannend! Gegen welche Mannschaft muss der Hamburger Oddset-Pokalsieger SC Concordia in der 1. DFB-Pokalrunde ran? Diese Frage wird ab 18 Uhr in der ARD-Sportschau geklärt und im Klubheim des Vereines werden fleißig die Daumen gedrückt, dass es ein attraktives Los ist. „St. Pauli wäre sehr schön“, so Obmann Holger Jachtner. Bereits ab 17 Uhr geht es im Vereinsheim los. Bei Grillwurst und Bier wird auch die neue Mannschaft um Trainer Daniel Sager vorgestellt. Wer mitfiebern möchte, ist herzlich eingeladen vorbeizukommen.

Die Aufstiegseuphorie beim TSV Wandsetal ist nur wenige Wochen nach dem großen Triumph bereits gänzlich verflogen. Nicht besonders verwunderlich, denn von den Aufsteigern sind auch nicht mal mehr eine Handvoll Spieler da. Der 2. Vorsitzende des Vereins, Dieter Roth, sprach den gewechselten Spielern jegliche Vereinsidentifikation ab. Doch für viele der Leistungsträger aus der Vorsaison waren die vielen Neuzugänge, die er Nachfolger von Ex-Trainer Mike Breitmeier, Bülent Tinas-Topal mitbrachte, ein Zeichen fehlenden Vertrauens. Einer der wenigen Spieler die geblieben sind, ist Offensivakteur Simon Radtke, der sich aufgrund der großer Veränderung im Kader bedrückt zeigt: „Es ist, als ob ich den Verein gewechselt hätte, obwohl ich es gar nicht wollte.“

Auch wenn Eugen Igel beim FC Elmshorn eigentlich seinen Rückritt erklärt hatte, so hat der Sportchef doch bis zum 30. Juni 2009 zugesagt und steht zu seinem Wort. Deshalb kam der Verein jetzt auf Igel zu und bat ihn, die anstehenden Transfers über die Bühne zu bringen. „Natürlich mache ich das“, erklärt Igel. In der kommenden Serie wird sich der langjährige Hamburger Erfolgstrainer dem Landesligaaufsteiger SC Sperber unterstützend anschließen.

Ob Eugen Igel auch noch den Transfer von Stürmer Antonio „Toni“ Ude als Elmshorner Sportchef miterlebt, scheint derweil fraglich. Ude steht im engen Kontakt zur SV Halstenbek-Rellingen, doch der Stürmer hat beim FC Elmshorn noch einen gültigen Vertrag bis 2010. Deshalb müssen sich die Vereine nun auf eine Ablösesummer einigen. „Wir wollen Toni gerne zu uns holen, aber noch ist nichts fix“, dementiert Oliver Berndt, 2. Vorsitzender der HR-Fußballabteilung, die Gerüchte um einen bereits perfekten Wechsel. Immerhin sollen sich die Vereine in der Ablösefrage in den letzten Gesprächen näher gekommen sein, sodass es wahrscheinlich ist, dass Ude in der nächsten Saison wieder in der Oberliga spielt.

Alte Besen kehren gut – so lautet das Motto bei der Verpflichtung von Andreas Kappler. Der Innenverteidiger kommt nach zwei Jahren beim SV Lurup und zuletzt beim SV Wilhelmshaven zurück zu Altona 93, wo er bereits zwischen 2005 und 2007 spielte. Nach Ofusehene Oduro-Oponi, Kasper von Wensierski (beide SV Lurup), Sebastian Clausen und Berkan Algan (beide SC Concordia) ist Kappler damit bereits der fünfte Spieler, der früher schon einmal für den AFC gespielt hat. „Wir wollen gerne Spieler haben, die den Verein kennen und sich mit ihm identifizieren“, erklärt 93-Berater Ronald Lotz.

Der FC Voran Ohe hat nun endlich wieder genug Spieler beisammen, um eine Mannschaft zu stellen. Danach sah es in den vergangenen Wochen, in denen viele Spieler des Oberligaabsteigers den FC überraschend verließen, nicht immer aus. Doch mittlerweile hat sich Kader gefüllt. Vom TSV Wandsetal kommen gleich fünf Spieler. Zudem bleibt der abwanderungswillige Sven Maric nun doch in Ohe. Vorans sportlicher Leiter Ralf Naundorf über die Planungen: „Wir stehen noch mit ein paar Spielern in Kontakt.“ Am liebsten wäre ihm und Trainer Peter Wiehle ein lauffreudiger Angreifer. Der würde auch gut zu Neuzugang Andre Schierz passen.

Vor der Meisterehrung des Hamburger Fußballverbandes in Jenfeld, gab es am Mittwoch auch in diesem Jahr wieder ein Spiel der Schiedsrichter gegen eine Presseauswahl. Und Schiri-Coach Eugen Igel hatte diesmal die richtige Taktik gewählt. Ging das Duell im vergangenen Jahr noch mit 1:2 verloren, drehten die Schiedsrichter in diesem Jahr den Spieß um und siegten verdient mit 2:1. Die Tore für die Unparteiischen erzielten Markus von Glischinski und Adrian Höhns. Für die Presse traf Kornelius Krüger kurz vor dem Ende nur noch zum Anschluss.

Für den Bezirksligaaufsteiger Türk Birlikspor Pinneberg ist der Supergau eingetreten. Der Hamburger Fußballverband (HFV) hat die Mannschaft von Trainer Rahmi Akin nicht in die West-Staffel eingeteilt, sondern in die Bezirksliga Süd. „Wir werden gegen die Entscheidung vorgehen. Wenn es nötig ist, sogar eine Zivilklage gegen den Verband einreichen“, so Obmann Yücel Kilicoglu. Der Verein will, bevor er zum letzten Mittel einer Klage greift, auch noch beim Norddeutschen Fußballverband (NFV) vorsprechen. „Wir wollen hören, was die uns raten“, so Kilicoglu weiter, der sich mittlerweile auch Sorgen um den Kader macht. „Dadurch, dass wir jetzt in den Süd-Staffel spielen, werden uns bestimmt noch einige Spieler verlassen, die bereits zugesagt haben.“

Den ASV Bergedorf 85 gibt es zwar weiterhin, doch die Fußballabteilung des Vereins hat sich am vergangenen Freitag ausgegliedert und ist mit dem neu gegründeten Verein FC Bergedorf zum FC Bergedorf 85 fusioniert. „Am Dienstag um 18 Uhr wurde alles unterschrieben und perfekt gemacht“, so Mathias Hammer, der den FC Bergedorf 85 zukünftig als Präsident führen soll. Jetzt wo der neue Verein da ist, kommt auch die Kaderplanung immer mehr in Gang. So konnte sich Trainer Manfred Nitschke schon über die Zusagen der Führungsspieler Martin Sobczyk, Oliver Leinroth, Sascha de la Cuesta, Jan Landau und Phillip Pettersson freuen. Und sogar Deran Toksöz, der eine ganz starke Saison gespielt hat und von Hannover 96 II umworben war, hat sein Bleiben nun definitiv versprochen. Nitschke: „Wir waren zwar etwas spät dran mit der Planung, aber insgesamt bin ich sehr zufrieden.“

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