Leben bei Olympia

Geschichten aus Pyeongchang

Katharina Förster auf der Buckelpiste.

Katharina Förster auf der Buckelpiste.

Foto: dpa

Pyeongchang. Bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang gibt es auch abseits der Wettkampfstätten allerhand Berichtenswertes:

NEUN BRÜDER: Katharina Förster hat vielleicht auch ihre Kindheit geholfen, sich im Sport zu behaupten. Schließlich hat die Ski-Freestylerin gleich neun Brüder. "Das eine oder andere Mal musste man sich schon durchboxen", sagte die 29-Jährige aus Simmerberg. Ihre Geschwister, darunter zwei Halbbrüder, haben sie auch auf den Weg zu den Olympischen Winterspielen gebracht. Weil ihre Brüder so viel Spaß auf der Buckelpiste hatten, ist sie auch mal mitgekommen.

HUNGRIG UND WARTEND: Der Tisch war gedeckt, Bundestrainer Werner Schuster saß bereits dran: Doch der erwartete Gast erschien nicht. Statt im olympischen Dorf mit den DSV-Adlern zu speisen, fuhr die Limousine von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Außenquartier vor, in der zwar Kombinierer und Skisprung-Frauen wohnen, aber nicht Richard Freitag und seine Kollegen. Doch auch die anderen nordischen Sportler bekamen Steinmeier nicht zu Gesicht. Die Kombinierer waren noch auf dem Weg nach Südkorea, die Springerinnen an der Schanze zum Training.

UNEMPFINDLICH: Nach seinem großen Auftritt mit nackter Brust bei der bitterkalten Eröffnungsfeier kann Tongas Fahnenträger Pita Taufatofua nichts mehr schrecken. Der 34-Jährige, vor zwei Jahren bei Olympia in Rio noch im Taekwondo am Start, versucht sich in Pyeongchang im Skilanglauf. Die Umstellung sei "das Härteste, was ich je getan habe", bekannte er. "Taekwondo ist intensiv, jemand versucht, deinen Kopf zu treten. Beim Ski hat man eine Stunde lang Schmerzen. Mag man eher kurze oder lange Schmerzen? Ich liebe beides", sagte Taufatofua. Schon jetzt denkt der 100-Kilo-Mann an Tokio 2020. "Vielleicht probiere ich noch einen Sport. Handball wäre denkbar, aber ich bräuchte eine Mannschaft", sagte der Mann aus dem Inselstaat.

SCHWACHER BESUCH: Die Medal Plaza ist bei den Olympischen Spielen noch kein Publikumsmagnet. Nur gut 200 Zuschauer kamen zur ersten Siegerehrung an die Bühne nahe des Olympiastadions. IOC-Präsident Thomas Bach überreichte der schwedischen Langläuferin Charlotte Kalla die Goldmedaille für den Sieg im Skiathlon über zweimal 7,5 Kilometer. Bei scharfem eisigen Wind kam keine feierliche Stimmung auf. Es war die einzige Siegerehrung, die an diesem Samstag stattfand.

GEDULDSPROBE: Vieles klappt bei Olympia, manches nicht so. Direkt nach der Eröffnungsfeier freuten sich Athleten, Funktionäre und Reporter, dass der Transport schnell und zügig ging. Wer allerdings noch länger arbeiten musste, hatte Pech. Stundenlang standen Fotografen und Journalisten um Mitternacht im Stau vor dem Stadion - zeitweise ging nichts mehr. Statt etwa 30 Minuten dauerte der Rückweg ins Mediendorf im Küstenort Gangneung bis zu drei Stunden. Ähnlich chaotisch war es dann beim Frühstück: In Warteschlangen brauchten viele bis zu einer halben Stunde, bis das Brötchen auf dem Teller lag.

MÜLLTÜTEN FÜR GOLD: Um für das extrem späte Springen am Montag (21.50 Uhr/Ortszeit und 13.50 Uhr/MEZ) fit zu sein, bleiben die deutschen Skispringerinnen derzeit extrem lange wach. Bis 3 Uhr halten sich Carina Vogt, Katharina Althaus und Co. mit Spielen und Teamabenden fit. "Unsere Vorhänge sind eigentlich ganz gut, aber wir haben auch so schwarze Mülltüten, die wir sonst drüber hängen würden, dass es dunkel bleibt", sagte Althaus, die bei der einzigen Entscheidung im Frauen-Skispringen auf eine olympische Medaille hofft. Vor vier Jahren hatte Vogt in Sotschi überraschend Gold gewonnen.

DEFEKT: Freestyle Snowboarderin Silvia Mittermüller sorgte sich scherzhaft um den Geruch oder vielmehr Gestank in ihrem Hotel. Es werde wohl in den kommenden Tagen nicht so gut riechen, meinte die 34-Jährige auf Twitter mit ein paar Smileys. "Die Rohre sind gefroren, alle Waschmaschinen hier kaputt", schrieb Mittermüller auf Englisch und postete ein Bild mit drei gesperrten Maschinen. In Appartements neben dem Phoenix Snowpark, in denen weitere deutsche Snowboarder untergekommen sind, sei mit den Waschmaschinen allerdings alles in Ordnung, teilte eine Sprecherin des Verbands mit.

WIND-FRUST: Das hätte sich Geheimfavorit Dawid Kubacki anders vorgestellt. Der polnische Skispringer, der als Dritter der Qualifikation als heißer Anwärter auf eine Medaille galt, stürzte im olympischen Einzel von der Normalschanze in Pyeongchang ab und erreichte nach einem vom Wind verblasenen Sprung nicht einmal den zweiten Durchgang. In der Auslaufzone schimpfte der völlig frustierte Kubacki, schmiss mit seinen Schuhen und ließ seinem Frust in einem Gespräch mit dem früheren Top-Skispringer und Teammanager Adam Malysz freien Lauf.

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