Olympia am Rande: Die Athletenkommission

Fechterin Bokel ins IOC gewählt

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Normalerweise kämpft Claudia Bokel mit ihrem Degen um Medaillen und sportlichen Erfolg. Nun darf sie offiziell für die Rechte der Athleten streiten: Die Tauberbischofsheimerin wurde bei den Peking-Spielen überraschend in die Athletenkommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) gewählt.

Peking. Bei mehr als 7000 abgegebenen Stimmen, heimste Bokel die drittgrößte Anzahl ein (1836) und darf ihr Amt von nun an acht Jahre lang ausüben. Neben Vizepräsident Thomas Bach und dem früheren NOK-Präsidenten Walther Tröger ist Bokel das dritte deutsche IOC-Mitglied.

29 Kandidaten waren zur Abstimmung über die Athletenvertreter angetreten. Die meiste Unterstützung bei den über 11 000 wahlberechtigten Sportlern der Sommerspiele erhielt der südkoreanische Taekwondo-Olympiasieger Moon Dae Sung (3220) vor dem russischen Schwimm-Olympiasieger Alexander Popow (1903). Hinter Bokel belegte Volleyballerin Yumilka Ruiz Luaces (Kuba/1571) den vierten Platz und wurde als vierte Sportlerin ebenfalls in die Athletenkommission gewählt.

Die dreimalige Olympiastarterin Bokel (1996, 2000 und 2004) ist seit 2005 Vorsitzende der Athleten-Kommission der Europäischen NOKs (EOC). Als Vertreterin einer kleinen Sportart waren ihre Chancen zuvor als gering eingestuft worden. Bokel war diesen Aussichten mit einem intensiven Wahlkampf entgegengetreten. Knapp einen Monat ging die 34-Jährige im olympischen Dorf auf Stimmenfang, sprach mit möglichst vielen Athleten und versuchte, ihre Botschaft zu verbreiten. "Ich will nicht nur dabei sein, sondern werde aufstehen, wenn die Sportler das Gefühl haben, etwas ist nicht in Ordnung", hatte sie bereits vor ihrer Abreise nach China gesagt, "auf jeden Fall ist so ein Wahlkampf anstrengender als ein olympisches Fechtturnier als Athletin."

Unter ihren Mitstreitern waren immerhin 13 Olympiasieger, die hofften, auf vier Jahre ins IOC zu kommen. Als aussichtsreichste Kandidaten galten neben den Leichtathletik-Assen Liu Xiang (China) und Wilson Kipketer (Dänemark) die beiden Schwimm-Stars Alexander Popow (Russland) und Grant Hackett (Australien). Zuletzt waren deutsche Sportler 2004 (Hürdensprinter Florian Schwarthoff) und 2006 (Rodler Georg Hackl) bei der Wahl gescheitert.

Die IOC-Athletenkommission wurde auf dem Olympischen Kongress 1981 in Baden-Baden ins Leben gerufen. Sie umfasst 19 Mitglieder. Zwölf von ihnen werden durch die Teilnehmer der Sommerspiele (acht Vertreter) und der Winterspiele (vier Vertreter) direkt gewählt, sieben durch den IOC-Präsidenten berufen. In Peking standen vier freiwerdende Plätze für Sommersportler zur Verfügung. Gewählt werden kann nur, wer an den letzten oder vorletzten Spielen teilgenommen hat. Außerdem darf ein Land nicht mehr als einen Vertreter in der Athletenkommission stellen.

Mit Bokel haben die Athleten eine streitbare und kritische Sportlerin ins IOC berufen. Bereits während der IOC-Krise im Frühjahr hatte sie eine klare Positionierung der Olympier in der Menschenrechtsfrage gefordert und wurde dafür sogar von IOC-Präsident Jacques Rogge gelobt. Wettkampfzeiten, Anti-Doping-Maßnahmen, Meinungsfreiheit - Angst vor verbalem Nahkampf hat die Fecht-Weltmeisterin von 2001 nicht. "Claudia weiß, was sie will", sagt Bach, der seine Funktionärs-Laufbahn beim IOC selbst in der Athleten- Kommission begonnen hatte.