Zehntes Olympiagold für Deutschland

Ein sehr weiter, sehr langer Weg

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Von Jens Marx und Imke Hendrich

Ein großer Tag: Jan Frodeno absolviert den olympischen Triathlon im Ming Tombs Reservoir in 1:48:53,28 Stunden. Erst auf den letzten Metern überspurtet er den bis dahin Führenden und sichert sich die Goldmedaille.

Peking. In der Hitzeschlacht von Peking hat Jan Frodeno Olympia-Gold für Deutschlands Triathleten erkämpft. "Ich konnte nicht glauben, was passiert ist. Das ist ein Moment, von dem man immer träumt", sagte Frodeno, der sich selbst einen Tag nach seinem 27. Geburtstag das schönste Geschenk machte. Etwa 150 Meter vor dem Ziel am Ming Tombs Reservoir nahe Peking zog der Saarbrücker einen unwiderstehlichen Spurt an und ließ Sydney- Olympiasieger Simon Whitfield aus Kanada um fünf Sekunden hinter sich. Dritter wurde der Athen-Zweite Bevan Docherty aus Neuseeland. Am Start waren 56 Athleten aus 31 Nationen.

"Es war ein sehr weiter, ein sehr langer Weg. Ich bin durch dick und dünn mit meinen Freunden und meiner Familie gegangen", sagte Frodeno, der von seinen Eltern angefeuert und nach dem Sieg überglücklich geherzt wurde. "Das kommt alles in einem Moment zusammen - innerhalb von diesen 90 Sekunden bei der Nationalhymne lässt du das ganze Leben an dir vorbeilaufen", beschrieb Frodeno den Moment der Siegerehrung.

Geschlagen geben musste sich bei Temperaturen von über 30 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von über 80 Prozent Ex-Weltmeister Daniel Unger als Sechster (1:49:43 Stunden), Christian Prochnow aus Potsdam wurde 15. (1:50:33 Stunden). Selbst ein wenig enttäuscht, freute sich Unger im Ziel umso mehr mit Frodeno und nahm ihn mit einem lauten "Frodo" in die Arme. "Er war spektakulär", zollte auch der geschlagene Whitfield der großartigen Leistung Frodenos höchsten Respekt. "Wahnsinn", kommentierten der Sportdirektor der Deutschen Triathlon-Union, Rolf Ebeling, und Bundestrainer Wolfgang Thiel Frodenos beherzten Endspurt.

Taktisch clever blieb Frodeno von Beginn an in Schlagweite zur Konkurrenz um Weltmeister Javier Gomez, der am Ende Vierter wurde. Nach den 1,5 Kilometern Schwimmen im 27,2 Grad warmen Wasser des Stausees wechselte der gebürtige Kölner als Zwölfter aufs Rad: 40 Kilometer bei brütender Hitze und eine 1,5 Kilometer lange Steigung, die dreimal befahren werden musste. Aber auch dabei ließ sich Frodeno nicht von Ausreißversuchen locken oder aus dem Konzept bringen.

Nachdem eine Dreiergruppe zwischenzeitlich über 40 Sekunden auf dem Rad herausgefahren hatte, fiel die Entscheidung wie erwartet am Ende des 10-Kilometer-Laufs. "Augen zu und durch und nicht daran denken, dass die Besten der Welt neben dir sind", so Frodenos Devise für die letzten Meter. Grundlage dafür waren Tausende von Trainings- Kilometern: 1100 im Wasser, 12 500 auf dem Rad und 4400 zu Fuß. Sie zahlen sich doppelt aus. "Mir fällt ein, dass ich ja ein paar ganz gut dotierte Prämien bekomme", meinte Frodeno schmunzelnd.

( dpa )