Olympia: Turner mit Schwächen

Hambüchen meisterlich in vier Einzelfinals

Der Auftakt ist geglückt: Fabian Hambüchen hat den ersten Schritt zum ersehnten Gold in Peking mit Bravour gemeistert. Deutsche Mannschaft nicht fehlerfrei.

Peking. Zum Auftakt der Turn-Wettbewerbe zelebrierte er seine schwierige Reck-Übung meisterlich und schob sich mit 16,20 Punkten verdient auf den Spitzenplatz. Auch am Boden gelang dem 20-jährigen Wetzlarer am Sonnabend mit Platz vier (15,800) ebenso wie am Barren mit Platz acht (16,050) der Sprung in die Gerätefinals.

Zugleich führte der Reck-Weltmeister das diesmal bei weitem nicht fehlerfreie deutsche Team mit Platz fünf (365,675 Punkte) in das Mannschafts-Finale am Dienstag. Als Zweiter des Vorkampfes (92,45 Punkte) hat er zudem trotz eines verpatzten Seitpferd-Abgangs gute Chancen auf die erste deutsche Einzel-Mehrkampfmedaille seit 72 Jahren. "Ich habe den Druck in der Qualifikation sehr gemerkt. Aber jetzt gehe ich in das Finale eher locker rein. Jetzt habe ich die Chance, mir im Finale den Traum zu erfüllen", berichtete Hambüchen.

Am Reck wollte er im Vorkampf noch nicht alles zeigen, wie er sagte. "Deshalb habe ich die Übung etwas abgespeckt. Im Finale werde ich nun noch etwas draufpacken", meinte der kleine Ausnahmeturner zu seiner Reck-Show, für die ihm die Kampfrichter den Ausgangswert 7,0 anrechneten. Sein inoffizieller Weltrekord steht bei 7,3. Beim Sprung verpasste er nur haarscharf den Endkampf. Schwachstelle seines ansonsten glänzenden Sechskampfes war aber das "Zitterpferd", an dem Hambüchen wiederum den Abgang verbaute und mit der Note 13,10 bestraft wurde.

Bei seinen Mannschaftskameraden lief im Vorkampf bei weitem nicht alles rund. So verpatzte Philipp Boy seine Reck-Übung und büßte damit seine Finalchance ein. Insgesamt war das "Königsgerät" nicht wie gewohnt die Stärke der Deutschen. Da Thomas Andergassen und Marcel Nguyen auch am Barren nicht ihre gewohnten Leistungen abrufen konnten, war eine Platzierung wie im Vorjahr mit WM-Bronze nicht im Bereich des Möglichen. Im Team-Finale mit anderem Modus und ohne Streichwert ist aber noch alles drin.

Im Durchgang zuvor hatten die Chinesen mit einer Demonstration der Stärke ihren unverhohlenen Anspruch auf das Gros der acht zu vergebenen Goldmedaillen untermauert. 18 000 Zuschauer im Nationalen Hallenstadion peitschten ihre Helden voran, die kaum eine Schwäche zeigten. Mit dem souveränem Vorsprung deklassierten die Chinesen (374,675) Olympiasieger Japan (369,55) mit fünf Punkten. Der schon zuvor als Held verehrte achtfache Weltmeister Yang Wei unterstrich mit dem Glanzresultat von 93,875 Punkten, dass der Weg zum Mehrkampf-Gold nur über ihn führen wird. Sensationell verpasste Ex-Weltmeister Hiroyuki Tomita aus Japan den Endkampf, weil sich seine Landsleute Kohei Uchimura und Koki Sakamoto vor ihm platzierten.