"Können den Chinesen nichts sagen"

IOC akzeptiert Internetzensur

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) bestätigt, dass das Internet für die rund 25 000 ausländischen Journalisten während der Sommerspiele in Peking zensiert wird.

Peking. "Ich bin enttäuscht, dass der Zugang nicht größer ist. Aber ich kann den Chinesen nicht sagen, was sie tuen sollen", sagte der Chef der IOC-Pressekommission, Kevan Gosper, am Mittwoch der Hongkong-Zeitung "South China Morning Post". Er entschuldigte sich, die internationalen Medien mit seinen früheren Äußerungen über freien Internetzugang in die Irre geführt zu haben. "Ich bin unterrichtet worden, dass einige der IOC-Vertreter mit der chinesischen Seite ausgehandelt haben, dass einige heikle Webseiten gesperrt werden."

Vor zwei Wochen hatte allerdings noch IOC-Präsident Jacques Rogge in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur dpa beteuert, die Journalisten hätten in Peking "unzensierten Zugang zum Internet". Die Sperren von chinakritischen Webseiten von Menschenrechtsgruppen, Tibetern oder auch der chinesischen Inhalte der Deutschen Welle hatten für heftige Empörung im Pressezentrum gesorgt. Aus Sicht des Vorsitzenden der Pressekommission lässt sich bei Pekings Olympia-Organisatoren auch nicht mehr daran rütteln. "Ich vermute, sie haben ihre Entscheidung getroffen", sagte Gosper.

"Ich hätte es alles gerne offen gehabt. Ich bin nicht hier, um die chinesische Position zu verteidigen. Ich bin hier, um sicherzustellen, dass Journalisten über die Spiele berichten können", sagte Gosper und zeigte sich enttäuscht, nichts daran ändern zu können. Bei den Verhandlungen über freien Internetzugang ist es nach seiner Darstellung um die Spiele gegangen, nicht zwangsläufig auch um andere China-Themen. "Wir haben es hier mit einem kommunistischen Land zu tun, in dem zensiert wird. Wir bekommen, was sie einem zugestehenn", sagte Gosper der Zeitung.

( dpa )