Die Kolumne aus Peking: ...noch 14 Tage

Ni hao! (Hallo!)

„Byebye!“ sagt Herr Guan zur Begrüßung und entbietet stolz ein Lächeln vom Fröhlichsten. Wobei sich die Frage stellt, ob in seinem Mund mehr Zähne oder mehr Lücken zu entdecken sind.

Peking. Nebensache. Wichtiger ist, dass Herr Guan eine Lektion des Englisch-Crashkurses intus hat, der den 30.000 Pekinger Taxifahrern vor Olympia auferlegt wurde.

Die anderen sind ihm offensichtlich entfallen. Was den Gast aus Hamburg wiederum in die Lage versetzt, Regel Nummer eins zu kapieren: "Mach dich nie ohne Adresse in chinesischen Schriftzeichen auf den Weg." Denn Herr Guan versteht außer "Byebye" kein weiteres englisches Wort. Was ihn nicht am Losfahren hindert, laut singend und lachend. Bester Dinge ist er, und das zählt. Bei einem Tarif von 10 Yuan (ein Euro) für drei Kilometer und den abenteuerlichen Attraktionen auf den Straßen der Hauptstadt hält sich das Bedauern des Passagiers im weiß ausgekleideten Fond in Grenzen.

Herr Guan, sein Name prangt zweisprachig auf dem Armaturenbrett, trällert immer lauter, wie ein Kamikaze durch den Verkehr heizend. Die Anforderungen seiner Firma stehen auf einem Schild. Putze jeden Tag deine Zähe und dusche regelmäßig. Iss keinen Knoblauch und spucke nicht unentwegt aus dem Fenster. Bis auf die Sache mit dem Knoblauch scheint sich Herr Guan daran zu halten. Abrupt bremst er vor einem großen Hotel; der Portier übersetzt den Weg Richtung Dongyue Tempel. Mit Vollgas geht’s weiter. Herr Guan schmettert schrill eine Art chinesische Oper. Und spuckt triumphierend aus dem Fenster. Aber ein bisschen nur.