Nachspiel

Mimi Kraus - eine verpasste Karriere

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Ein Kommentar von Rainer Grünberg

Der Handballspieler Michael Kraus hat am Montagmittag bei Frisch Auf Göppingen einen Dreijahresvertrag unterschrieben. Sein alter Arbeitgeber, der HSV Hamburg, lässt ihn im Sommer ein Jahr früher als einst verabredet ziehen. Die guten Wünsche, die der deutsche Meister von 2011 seinem Spielmacher hinterschickt, dürften ernst gemeint sein. Einem Michael Kraus kann letztlich niemand böse sein. "Mimi", wie ihn alle nennen, ist ganz einfach ein netter Kerl.

Dem verzeiht man dann gern, dass er in den vergangenen drei Jahren in Hamburg 40 Spiele (von 144) wegen diverser Magen-Darm-Krankheiten und Wadenverletzungen versäumte. Einmal war auch ein selbst verschuldeter Autounfall dabei. Dass er nicht das Leben eines Spitzensportlers führt und sich nicht wie ein solcher ernährt, Termine vergisst, zum Training oder Treffpunkt auch mal zu spät kommt oder gar in dieser Saison den Abflug zum Spiel ausgerechnet in Göppingen verpasste - Schwamm drüber. "Mimi" hat schließlich immer eine Erklärung parat, gute Vorsätze sowieso - und ein äußerst charmantes Lächeln dazu.

Es gibt Leute wie den ehemaligen Bundestrainer Heiner Brand und seinen Nachfolger Martin Heuberger, die meinen, Kraus, der Weltmeister von 2007, hätte sein Talent verschleudert. Das ist gemein. "Mimi" gibt immer alles, im Leben wie auf dem Spielfeld.

Dass man die Schwerpunkte auch anders setzen kann, zeigt sein HSV-Kollege Domagoj Duvnjak. Der ist so etwas wie der Gegenentwurf zu Kraus: der Erste beim Training und der Erste im Bett. Dass der Klub den Vertrag mit Duvnjak unbedingt verlängern will und den mit Kraus unbedingt auflösen wollte - das sollte dem "Mimi" dann doch zu denken geben. Mit 29 Jahren ist es zur Einsicht ja nicht zu spät.