Basketball

Wer darf und soll bleiben? Das Saisonzeugnis der Towers

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Alexander Berthold
Im Viertelfinale war Schluss – dennoch war es für die Hamburg Towers eine überwiegend positive BBL-Saison.

Im Viertelfinale war Schluss – dennoch war es für die Hamburg Towers eine überwiegend positive BBL-Saison.

Foto: Witters

Maik Kotsar, Justus Hollatz, T.J. Shorts – Hamburgs Basketballer produzierten viele positive Schlagzeilen. Das Abendblatt-Fazit.

Hamburg. Es ist eine Mischung aus Enttäuschung und Zufriedenheit, die am Tag nach dem Play-off-Aus gegen Alba Berlin bei den Hamburg Towers herrschte.

Gerne hätten die Wilhelmsburger gegen den Titelverteidiger den ersten Bundesliga-Endrundensieg in der Clubhistorie gefeiert, und doch blicken die sportlich Verantwortlichen um Geschäftsführer und Sportdirektor Marvin Willoughby (43) und Trainer Pedro Calles (37) auf eine erfolgreiche Saison zurück.

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Die Play-off-Qualifikation hatte vor allem mit einem guten funktionierenden Kollektiv zu tun. Das Abendblatt blickt auf die Saison zurück und wagt einen Ausblick, welcher Spieler Chancen auf einen neuen Vertrag hat.

Das Saisonzeugnis der Towers:

T.J. Shorts (37 Spiele/14,3 Punkte pro Spiel): Zu Saisonbeginn noch oft wild und unorthodox, steigerte sich der 23-Jährige im Verlauf zu einem der spektakulärsten Spieler der BBL. Mit seinem unnachahmlichen Zug zum Korb stellte er immer wieder Gegenspieler vor Probleme. Gerade in der Schlussphase übernahm der 1,75-Meter-Wirbelwind Verantwortung. Auch deshalb wollen die Towers den Spielmacher gerne halten.

Jordan Swing (35, 10,3): Die Vorschusslorbeeren als Top-Neuzugang konnte der 30-Jährige nicht rechtfertigen. Das überragende Spiel (28 Punkte) gegen Gießen war eine Ausnahme. In den meisten Partien fiel der erfahrene Profi durch Ballverluste, unnötige Fouls und schlechte Wurfauswahl auf. Deshalb wird Swing keine Zukunft bei den Towers haben.

Max DiLeo (37/3,1): Der „Verteidigungsminister“ gab in Sachen Energie den Ton an. Wie ein Pitbull jagte er seine Gegner über den Platz, beim Spiel in der Hauptrunde bei Alba Berlin musste er sich vor Überanstrengung sogar übergeben. Dieser Charakter tut den Towers gut, wenngleich er in der Offensive gar kein Faktor ist. Konzentriert er sich auf seine Kernkompetenz, ist er unverzichtbar. Deshalb wird DiLeo bei den Hamburgern verlängern.

Osaro Jürgen Rich Igbineweka (25/2,0): Das Eigenwächs zeigte, dass er durchaus in der BBL mithalten kann. Beim Kooperationspartner Rist Wedel spielte der Doppellizenzspieler eine starke Saison. Ab der neuen Spielzeit ist er aber zu alt, um in Wedel spielen dürfen. Deshalb wird er für sich entscheiden müssen, ob es ihm reicht, fünf Minuten pro Spiel in der BBL zu spielen oder ob er eine größere Rolle bei einem Zweitligaclub anstrebt.

Kameron Taylor (28/13,9): Sein Fehlen in den Play-offs tat richtig weh. Der US-Amerikaner war einer der komplettesten Spieler, der sowohl defensiv als auch offensiv richtig stark agierte. Seine Topleistungen sind auch Spitzenmannschaften nicht verborgen geblieben. Deshalb wird er den Club wohl schon nach einem Jahr wieder verlassen.

Maik Kotsar (36/14,8): Was für eine starke Rookie-Saison des Esten. Der 2,11-Meter-Koloss (123 Kilogramm) war in der Hauptrunde die Konstanz in Person. Der Center musste aber am Ende der Saison seiner vielen Einsatzzeit (29:20 pro Spiel) Tribut zollen. Wenn er mehr Entlastung von einem guten Back-up erhält, wird er noch besser werden. Trotz seiner Vertragsverlängerung wird er weiter von Spitzenclubs umwoben. Sein Verbleib wäre wichtig für die Hamburger.

Johannes Richter (12/3,3): Die Nachverpflichtung konnte wegen einer Knieverletzung nur sporadisch andeuten, welche Qualitäten er hat. In den Spielen wirkte der Center häufig übermotiviert, was zu frühem Foultrouble führte. Weil sich die Towers auf der Centerposition besser aufstellen wollen, wird Richter den Club wohl verlassen müssen.

Marvin Ogunsipe (29/2,4): Seine Bundesligatauglichkeit konnte die Leihgabe von Bayern München auch in seinem zweiten Jahr bei den Towers nicht nachweisen. Der österreichische Nationalspieler, der häufig tollpatschig wirkte, wird die Hamburger endgültig verlassen.

Justus Hollatz (36/5,8): Für den gebürtigen Hamburger war es eine nahezu perfekte Saison. 21:29 Minuten pro Partie Einsatzzeit, zum Nationalspieler geworden, und zum besten Nachwuchsspieler der BBL gewählt worden. In seiner zweiten Bundesliga-Saison agierte der Spielmacher deutlich mutiger, glänzte mit Übersicht und zog häufiger energisch zum Korb. Um den nächsten Schritt in seiner Entwicklung zu nehmen, muss er an seiner schwachen Wurfquote aus dem Feld (36,3 Prozent) und von der Freiwurflinie (55,1) arbeiten.

Terry Allen (37/10,8): In 36 von 37 Spielen in der Startformation überzeugte der US-Amerikaner in der Hauptrunde als Arbeitstier. Aber gerade in der Offensive haben sich die Towers mehr von dem erfahrenen Profi erhofft. In den Play-offs war Allen kein Faktor. Seine Zukunft in Hamburg ist offen.

Hans Brase (1/3,0): Der Pechvogel der Saison: Lediglich 5:54 Minuten spielte der ehemalige Ludwigsburger für die Towers, ehe ihn eine schwere Knieverletzung stoppte. Brase war als wichtige Stütze für die Positionen vier und fünf eingeplant. Ob und wie es mit ihm in Hamburg weitergeht hängt maßgeblich vom Heilungsverlauf seiner Knieblessur ab.

Zac Cuthbertson (37/5,4): Zu Saisonbeginn gab es intern Zweifel, ob es bei dem US-Amerikaner für die BBL reicht. Trainer Pedro Calles machte den Mann mit der etwas unorthodoxen Wurftechnik zu seinem Projekt. In den Play-offs zeigte sich, dass sich die harte Arbeit ausgezahlt hat. Cuthbertson war gegen Alba Berlin die Positivüberraschung. Gut möglich, dass er in der neuen Saison erneute die Chance erhält, sich unter Calles weiterzuentwickeln.

Bryce Taylor (26/6,1): Immer wieder nervte den 34-Jährigen seine Achillessehne, deshalb konnte der Routinier auf dem Court nicht konstant das zeigen, was er kann. Seine Präsenz als Führungsspieler in der Kabine und am Spielfeldrand war aber ein wichtiger Faktor. Bleibt er fit und setzt er seine Karriere fort, wird er dies in Hamburg machen.

Patrick Spencer (8/7,0): Als Trainingsgast kam der US-Amerikaner zu den Towers. Als er die Chance erhielt, sich in der BBL zu zeigen, enttäuschte der ehemalige Lacrosse-Spieler nicht. Ob er allerdings die Qualität hat, dauerhaft ein Faktor im Towers-Spiel zu sein, darf bezweifelt werden. Wird den Club wieder verlassen.