Basketball in Hamburg

Towers gehen trotz Niederlage kampfeslustig in die Play-offs

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Alexander Berthold
TJ Shorts (r.) war mit mit 17 Punkten bester Werfer der Hamburg Towers in Frankfurt.

TJ Shorts (r.) war mit mit 17 Punkten bester Werfer der Hamburg Towers in Frankfurt.

Foto: Imago / Eibner

Bundesliga-Basketballer der Hamburg Towers verlieren letztes Spiel der Hauptrunde in Frankfurt. Nun wartet Meister Alba Berlin.

Frankfurt/Hamburg. Ein Blick in das verkniffene Gesicht von Trainer Pedro Calles (37) genügte, um zu erahnen, was er vom Abschluss der Hauptrunde seiner Hamburg Towers hielt. Mit dem 89:96 (15:20, 24:26, 23:27, 27:23) bei den Frankfurt Skyliners verpassten die Wilhelmsburger ihren 22. Saisonsieg in der Basketball-Bundesliga (BBL) und den positiven Abschluss der regulären Spielzeit 2020/21, die alle Erwartungen übertroffen hat.

Die Towers, bei denen TJ Shorts (23) und Terry Allen (26) mit je 17 Punkten beste Werfer waren, hatten gegen die Skyliners mal wieder große Probleme, von der Dreipunktelinie zu treffen. Lediglich fünf von 19 Versuchen (26 Prozent) fanden den Weg in den Korb. Im Gegenzug gelang es erneut nicht, den Gegner bei Versuchen aus der Distanz entscheidend zu stören. Frankfurt traf starke 54 Prozent (15 von 28) seiner Dreier.

„Gerade in der ersten Halbzeit haben wir nicht genug Energie gehabt, das wurde im zweiten Durchgang etwas besser. Aber die Play-offs werden jetzt eine neue Saison“, sagte Kapitän Bryce Taylor (34), der nach sechswöchiger Verletzungspause sein Comeback feierte.

Towers vor ersten Play-offs ihrer Geschichte

So ärgerlich die Auswärtsniederlage war: Den positiven Gesamteindruck der Hauptrunde soll diese Partie nicht schmälern. Die Towers haben 18 Siege mehr gefeiert als in der enttäuschenden Spielzeit 2019/20. Nach 34 absolvierten Partien rangiert das Calles-Team auf Rang sieben und qualifizierte sich erstmals für die Play-offs. „Wir spielen eine überragende Saison und haben nun sogar die Chance, eine unfassbar überragende Saison zu spielen. Wir wollen mehr“, sagt Sportdirektor und Geschäftsführer Marvin Willoughby (43).

Im Play-off-Viertelfinale wartet mit Titelverteidiger Alba Berlin aber gleich ein Schwergewicht auf die Hamburger. Anfang dieser Woche will die BBL den genauen Terminplan bekanntgeben. Bei den Towers geht man davon aus, dass die Best-of-5-Serie, bei der drei Siege zum Weiterkommen nötig sind, am 20. Mai mit einem Spiel in der Hauptstadt beginnen wird.

Wie aus den Towers ein Spitzenteam wurde

Doch bei allem Ehrgeiz wollen sich die Verantwortlichen aber auch kurz die Zeit nehmen, um die vergangenen neun Monate Revue passieren zu lassen. Im vergangenen Sommer hatten die Towers einen radikalen personellen Umbruch vollzogen. Elf neue Spieler und ein neues Trainerteam sollten aus einem nicht bundesligatauglichen Prügelknaben ein wettbewerbsfähiges Team machen, das im Idealfall um die Play-offs mitspielen kann. Ein Plan, der komplett aufging.

Mit Abstrichen bei Zac Cuthbertson (24) und Jordan Swing (30) haben alle Neuzugänge auf Anhieb in ihrer vorgesehenen Rolle funktioniert. Vor allem das Quartett um „Verteidigungsminister“ Max DiLeo (28), Center Maik Kotsar (24), der in Frankfurt mit leichten Rückenproblemen geschont wurde, Spielmacher Shorts (23) und Shooting Guard Kameron Taylor (26) entpuppte sich als Glücksgriff für die Towers, die vom ersten Spieltag an zeigten, dass sie ein sehr gefährlicher Underdog sein können.

Mit ihrer aggressiven Defensivarbeit, die den Gegner unter Dauerstress setzt, waren die Hamburger in der Lage, selbst Topmannschaften vor Probleme zu stellen. Daran änderte auch die Tatsache nichts, dass Trainer Calles nie den kompletten Kader zur Verfügung hatte. Schon früh in der Saison hatten sich mit Hans Brase (27, Knieoperation) und Hendrik Drescher (21, Kreuzbandriss) zwei „Big Men“ schwer verletzt. Zudem kamen immer wieder kleinere und größere Wehwehchen hinzu. Immerhin sind die Towers ohne einen Corona-Fall durch die Spielzeit gekommen.

Towers mit einigen Saison-Highlights

Die Hamburger zeigten sich grundsätzlich widerstandsfähig. Wann immer ein Spieler ausgefallen war, sprangen andere Profis in die Bresche. So wie Toptalent Justus Hollatz (20), der zum Nationalspieler wurde und vor der Wahl zum besten Nachwuchsspieler der BBL steht. „Wir haben schon ein wenig überperformt“, gestand Willoughby offen ein. „Für mich war ein Highlight der fünfte Spieltag, als wir für einige Nächte Tabellenführer waren. Dazu die Siege gegen die Euro-League-Teams Berlin und Bayern München. Das war unglaublich“, bilanzierte der Towers-Chef, der den bisherigen Erfolg aber auch mit einem weinenden Auge sieht.

All diese Meilensteine mussten die Fans vom Fernseher aus verfolgen. „Das ist eine Katastrophe“, sagte Willoughby mit ernstem Blick. „Letzte Saison haben wir nicht ein Heimspiel gewonnen, aber niemand hat uns ausgepfiffen. Nur ein paar Trolle haben im Internet gepöbelt. Jetzt haben wir zwölf Heimsiege geschafft, und kein Fan konnte auch nur einen dieser Siege live miterleben. Ich weiß nicht, ob wir jemals wieder so eine Saison spielen werden, aber wir werden hart daran arbeiten, weiterhin guten Basketball in Hamburg zu zeigen“, so der Towers-Chef.

Und das am besten schon gegen den Titelkandidaten Alba Berlin, der in der Hauptrunde beide Spiele gegen die Hamburger verloren hat. „Wir wollen zeigen, dass die Hauptrunde nur der Anfang war, und den ersten BBL-Play-off-Sieg in der Geschichte unseres Clubs schaffen. Alba wird sich anstrengen müssen, um das zu verhindern“, so die Kampfansage von Willoughby.