WM 2011

Historie der Frauenfußball-WM: Es begann im November 1991

Foto: dapd

Die Geschichte der Frauenfußball-WM begann 1991mit einem Sieg der US-Frauen. Deutschland ist in diesem Sommer Gastgeber der mittlerweile sechsten WM.

30. November 1991 . Samstagabend vor dem ersten Advent. Guangzhou, China. 87. Spielminute. Michelle Akers umkurvt die norwegische Torhüterin. Tor. 65.000 Zuschauer im Tianhe-Stadion jubeln. 2:1. Die USA sind die ersten Frauenweltmeisterinnen der Fußballgeschichte.

Im Finale schlagen die hochfavorisierten Amerikanerinnen die norwegische Mannschaft denkbar knapp durch einen Treffer in den letzten Minuten. Anson Dorrance, Trainer der US-Auswahl, sagt später in einem Interview: „Die Anspannung war so groß, dass ich das Gefühl hatte, durch den Druck würden in meinem Darm Diamanten entstehen.“

Weniger Druck hatte Anson Dorrance in den Spielen auf dem Weg zum Finale. Mit einem Torverhältnis von 23:4 Toren spazierte die USA ins Finale. Herausragend war die Leistung der Sturmreihe Michelle Akers, Carin Jennings und April Heinrichs, die von den chinesischen Gastgebern nur das „dreischneidige Schwert“ genannt wurden. Michelle Akers wird mit 10 Toren die beste Torschützin des Turniers, Carin Jennings wird zur besten Spielerin des Turniers gewählt.

Aber nicht nur die US-Amerikanerinnen schreiben Geschichte. Auch die jetzige Bundestrainerin Silvia Neid verewigt sich schon 1991 in den Geschichtsbüchern des deutschen Frauenfußballs. Sie erzielt in der Vorrunde das erste Tor für Deutschland bei einer Frauenweltmeisterschaft. Am Ende belegte die Mannschaft von Bundestrainer Gero Bisanz den vierten Platz. Im Halbfinale waren die US-Girls einfach eine Nummer zu groß. Genauso war es wohl auch bei den Trikots der Damen. Es schien fast so, als ob Silvia Neid das Originaltrikot von Lothar Matthäus von der Weltmeisterschaft 1990 übernommen hätte. Ohne besonderen Schnitt schlabberte die Sportbekleidung an den Körpern der Damen herunter.

Alle Weltmeisterschaften

Darum müssen sich die Spielerinnen 2011 keine Gedanken machen. Die Trikots und Hosen sind extra für die Damen zugeschnitten. Das Design ist seit längerem unabhängig von den Herrentrikots. Nicht nur die Bekleidung änderte sich in 20 Jahren WM-Geschichte, auch der Turniermodus ist 2011 ganz anders als bei der Premiere 1991. Bei der Weltmeisterschaft 1991 nahmen 12 Mannschaften teil, die in drei Gruppen aufgeteilt waren. Seit 1999 sind es immer 16 Teilnehmer in vier Gruppen. Noch extremer ist die Zahl der Bewerber gestiegen. Während 1991 nur 49 Mannschaften sich qualifizieren wollten, spielten für die aktuelle Weltmeisterschaft 16 Nationen um ein Ticket. Eine echte Qualifikation wie heute gab es vor dem ersten Turnier auch nicht. Das Abschneiden bei den Kontinentalmeisterschaften bestimmte über die Teilnahme. Für die deutsche Mannschaft war dies als Europameister kein Problem.

Nicht nur die Anzahl der Bewerber für die WM 2011 zeigt das steigende Niveau des internationalen Frauenfußballs, sondern auch die Überraschungen, dass renommierte Nationen wie die USA sich erst in der Relegation qualifizieren und China dieses Jahr nicht dabei ist.

Der Frauenfußball hat sich seit dem ersten Turnier vor 20 Jahren also enorm weiterentwickelt. Aber es gibt auch Statistiken von der WM1991, die wir uns auch dieses Jahr in Deutschland wünschen:

1. Fairness: Nur eine Spielerin wurde während des ganzen Turniers vom Platz gestellt.

2. Viele Tore: Durchschnittlich fielen in jedem Spiel 3,81 Tore, insgesamt 99.

3. Gute Stimmung und ausverkaufte Stadien: 65.000 beim Endspiel, im Durchschnitt 19.615

Und ganz ohne Titel sind die DFB-Damen 1991 auch nicht nach Hause geflogen. Sie wurden zur fairsten Mannschaft des Turniers gewählt. Bei der WM 2011 können die Damen mit dem Adler auf der Brust wieder Fußballgeschichte schreiben und diesmal sogar geschlechterübergreifend:

Noch nie hat es eine Mannschaft geschafft dreimal hintereinander Weltmeister zu werden.

© Hamburger Abendblatt 2018 – Alle Rechte vorbehalten.