FC St. Pauli

Warum die Arbeit an der Abstimmung so wichtig ist

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Andreas Hardt
Innenverteidiger David Nemeth kam im Sommer aus Mainz.

Innenverteidiger David Nemeth kam im Sommer aus Mainz.

Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

St. Paulis Innenverteidiger David Nemeth ist überzeugt, dass die Abwehr durch wachsendes Verständnis bald viel stabiler steht.

Hamburg.  So ganz, das gibt David Nemeth offen zu, hat er die Orientierung in Hamburg und auf St. Pauli noch nicht abgeschlossen. Privat sucht der 21 Jahre junge Österreicher in seiner neuen Heimat zum Beispiel noch ein Restaurant mit Spezialitäten aus seiner alpinen Heimat. Beruflich sucht er noch die perfekte Harmonie mit seinem Nebenmann Jakov Medic in der Innenverteidigung der Kiezkicker. „Wir hatten Abstimmungsprobleme“, gibt Nemeth zu, „aber wir arbeiten viel an dem Thema und es wird immer besser.“

Erst einmal in acht Zweitligaspielen spielte der FC St. Pauli zu null, sogar der Regionalligist SV Straelen schenkte den Hamburgern in der ersten Runde des DFB-Pokals drei Buden ein. 13 Gegentreffer in der Liga sind eindeutig zu viel und ein Grund für Tabellenplatz zehn. Zuletzt „klaute“ sogar ein so harmloses Team wie der SV Sandhausen mit dem 1:1 zwei Zähler. „Das nervt uns alle natürlich extrem“, sagt Nemeth, der im Sommer für 1,3 Millionen Euro Ablöse vom Bundesligisten Mainz 05 geholt wurde: „Aktuell ist fast jede Chance vom Gegner drin.“

FC St. Pauli: Nemeth fiel mehrere Wochen aus

Nemeth hatte sich in der Vorbereitung auf die Saison in einem Testspiel in Kiel einen Muskelfaserriss zugezogen und fiel mehrere Wochen aus, auch das behinderte das Erlernen von Automatismen im Zusammenspiel mit Partner Medic. „Jakov und ich sind ziemlich ähnliche Spieler­typen. Er ist in den Zweikämpfen extrem aggressiv, hat einen super linken Fuß. Ich glaube, wir ergänzen uns da ganz gut“, meint Nemeth, der an der Seite des Kroaten in die Rolle des erfahrenen Ex-Kapitäns Philipp Ziereis geschlüpft ist. „Ich bin nicht so alt, aber habe schon ein paar Sachen hinter mir“, sagt der Österreicher, „Erfahrung ist wichtig, aber es hat auch viel mit Mentalität zu tun. Die stimmt bei uns beiden. Das schaut schon gut aus.“

Nur zeigt sich das bislang leider nicht in der Statistik. „Wer gibt wem, wann welche Kommandos, all das spielt eine Rolle, damit ein Abwehrverbund sicher steht.“ Das sagt André Trulsen (57), der insgesamt 409 Spiele für den FC St. Pauli als Innenverteidiger bestritten hat und auch als Trainer und Co-Trainer weiß, wie es geht: „Es geht darum, Situationen rechtzeitig zu erkennen. Es gibt Paare, die perfekt wissen, wie der andere reagiert.“ Wann rückt man gemeinschaftlich raus, wie stellt man den Gegner ins Abseits, wer übernimmt welche Räume – „dieses blinde Verständnis kann erst mit der Zeit entstehen.“

„Wir waren einfach super abgestimmt“

Trulsen hatte seine perfekten Partner mit Jens Duve und Jan Kocian in der Bundesliga zwischen 1988 und 1990, sagt er: „Wir waren einfach super abgestimmt“, erinnert er sich, „das hat dann auch viel Spaß gemacht.“

Die Gegentorproblematik seiner Nachfolger heute führt „Truller“ aber nicht allein auf die noch ausbaufähige Abstimmung zurück: „Ich glaube, es liegt in erster Linie daran, wie die Spieler sich in Eins-zu-eins-Situationen verhalten. Da denke ich manchmal, sie müssen noch konsequenter sein und enger am Mann stehen“, sagt er.

FC St. Pauli: Offensive Spielweise birgt Risiken

Dennoch glaubt Trulsen daran, dass es bald bergauf geht mit den „Boys in brown“ und die Null öfter steht: „Im Großen und Ganzen machen sie es ja gut, sind aggressiv und lassen wenig zu. Die offensive Spielweise birgt natürlich auch Risiken.“ Auch Nemeth gibt sich überzeugt, dass die Gegentorkrise bald endet: „Wir arbeiten individuell, mit Videos und der ganzen Mannschaft intensiv“, sagt er, „wir haben eine wirklich gute Mannschaft.“ Die muss sich nur noch komplett finden – so wie er ein österreichisches Restaurant.

( ah )

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