Zweite Liga

Freistoß-Schlitzohr Kyereh: "Das war nicht normal"

| Lesedauer: 4 Minuten

FC St. Pauli gewinnt 4:3 nach Schock für Timo Schultz. Der Trainer musste ins Krankenhaus, schaffte es aber zu dem verrückten Spiel.

Heidenheim. In einem völlig verrückten Spiel hat der FC St. Pauli auswärts beim 1. FC Heidenheim mit 4:3 gewonnen. Bis zur letzten Sekunde musste die Mannschaft von Trainer Timo Schultz (43) zittern, der selbst bis kurz vor Anpfiff nicht wusste, ob er würde coachen können. Er hatte offenbar eine Nierenkolik. Doch am Ende waren Mannschaft und Trainer glückliche Sieger. Die Heidenheimer waren nach Toren von St. Pauli immer wieder zurückgekommen – nur einmal nicht. Da erzielte Rodrigo Salazar das 4:3 in der 87. Minute.

Torschütze Guido Burgstaller sagte: "Wir sind wieder richtig gut gestartet, verdient in Führung gegangen und hatten Möglichkeiten zum zweiten Tor. Dann wurde es aber ein bisschen wild." Der Sieg sei dennoch verdient gewesen.

Der FC St. Pauli hat damit die nahezu endlose Heimserie des 1. FC Heidenheim in der Zweiten Liga beendet. Die Heidenheimer verloren zum ersten Mal seit 483 Tagen und insgesamt 21 Ligaspielen zu Hause wieder. Guido Burgstaller (3.) mit seinem vierten Treffer in den letzten vier Spielen sowie Daniel-Kofi Kyereh (30.), Finn Ole Becker (72.) und eben Rodrigo Zalazar (87.) schossen die Hamburger auf einen Nicht-Abstiegsplatz. Tim Kleindienst (15., 77.), den der FCH erst am Sonnabend auf Leihbasis von KAA Gent zurückholt hatte, und Christian Kühlwetter (48.) gelang dreimal der zwischenzeitliche Ausgleich. Für Heidenheim scheint nach der siebten Saisonpleite ein Platz im Aufstiegsrennen schon nicht mehr erreichbar.

Frecher Freistoß von Kyereh

St. Pauli startete überraschend offensiv, die Führung hätte nach dominanten ersten 15 Minuten höher ausfallen können. Mit dem Kopfballtreffer von Kleindienst aus dem Nichts fingen sich die Heidenheimer, es entwickelte sich ein offener Schlagabtausch mit Chancen auf beiden Seiten.

Kyereh besorgte mit einem frechen Freistoß knapp neben oder sogar unter die springende Mauer die erneute Gästeführung, doch Kühlwetter antwortete per Lupfer. Beide Teams spielten in der Schlussphase voll auf Sieg und mit offenem Visier.

Schlitzohr Kyereh sagte nach dem Spiel. "Wir sind alle kaputt, aber auch glücklich. Es war kein normales Spiel, sondern eines der intensivsten Spiele, die ich persönlich gespielt habe. Wir haben uns gegenseitig gepusht und waren füreinander da."

Am Freitag spielt der FC St. Pauli am Millerntor gegen Sandhausen – es ist das nächste Duell um den Klassenerhalt. St. Pauli (19 Punkte) ist derzeit als 15. auf einem Nichtabstiegsrang, Sandhausen gastiert auf dem Relegationsplatz 16 mit einem Punkt Rückstand.

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Heidenheim vs. FC St. Pauli – die Statistik

Timo Schultz: Verdacht auf Nierenkolik

Schon vor dem recht kuriosen Spiel des FC St. Pauli in Heidenheim gab es einen regelrechten Schock-Moment für Trainer Timo Schultz. Er musste am Sonnabend mit erheblichen Schmerzen im Krankenhaus behandelt werden. Es bestand der Verdacht auf eine Nierenkolik. Zum Anpfiff war Schultz allerdings auf dem Platz. Zunächst hatte es so ausgesehen, als müssten die Co-Trainer Loic Favé und Fabian Hürzeler an der Seite coachen.

Schultz sagte nach dem Spiel: "Wahrscheinlich ist es ein Nierenstein, der mir momentan zu schaffen macht.“ Der Trainer bedankte sich bei der Ärztin. „Ich habe das Spiel gut und schmerzfrei verfolgen können.“ Es sei aber kein schönes Gefühl. „Ich merke es auch jetzt, wo die Wirkung der Medikamente nachlässt. Jeder, der das schon mal hatte, der weiß: Das ist nicht angenehm.“

Die Statistik

Heidenheim: Kevin Müller - Busch (88. Schimmer), Mainka, Hüsing, Föhrenbach - Geipl (46. Schöppner) - Sessa (75. Theuerkauf), Burnic (75. Schnatterer) - Thomalla (46. Pick) - Kleindienst, Kühlwetter.

FC St. Pauli: Stojanovic - Zander (75. Dzwigala), Ziereis, Lawrence, Paqarada (82. Buballa) - Smith (59. Aremu) - Becker, Zalazar - Kyereh - Burgstaller (76. Matanovic), Marmoush (82. Dittgen).

Schiedsrichter: Nicolas Winter (Freckenfeld)

Tore: 0:1 Burgstaller (3.), 1:1 Kleindienst (15.), 1:2 Kyereh (30.), 2:2 Kühlwetter (48.), 2:3 Becker (72.), 3:3 Kleindienst (77.), 3:4 Zalazar (87.)

Zuschauer: keine

Gelbe Karten: Thomalla, Burnic (4), Busch (2), Mainka (4), Kühlwetter (3) – Paqarada (3), Smith

Erweiterte Statistik (Quelle: deltatre):

Torschüsse: 21:14

Ecken: 6:0

Ballbesitz: 51:49 Prozent

Zweikämpfe: 123:130

( HA/ryb/C.H. )

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