2. Bundesliga

FC St. Pauli verliert erneut und bleibt im Tabellenkeller

Zum Hose zerreißen: Rodrigo Zalazar kann es nicht fassen. St. Pauli verliert auch gegen Osnabrück.

Zum Hose zerreißen: Rodrigo Zalazar kann es nicht fassen. St. Pauli verliert auch gegen Osnabrück.

Foto: Witters

Der Hamburger Zweitligaclub verpasst trotz spielerischer Steigerung einen Punktgewinn gegen den VfL Osnabrück.

Hamburg. Mehr Torschüsse (17:10), mehr Ballbesitz (54 Prozent) – der FC St. Pauli hatte statistisch gesehen einige Trümpfe auf dem Fuß gegen den VfL Osnabrück, doch die Zahl, die zählte, war die Eins. Einen Treffer erzielten die Niedersachsen im Millerntor-Stadion, und dieses Tor stürzt die Hamburger in weitere Zweitliga-Depressionen. Am Ende stand mit dem 0:1 (0:0) die dritte Niederlage in Folge.

"Natürlich bin ich angefressen, das sind wir alle", schimpfte Torhüter Robin Himmelmann bei Sky. "Das Spiel war ein Sinnbild der Saison: Wir spielen nicht zu null, dafür steht die Null vorne. Gefühlt haben wir in den vergangenen Jahren immer wieder solche Phasen gehabt."

Nach einem Viertel der Saison befindet sich der FC St. Pauli in einer formidablen sportlichen Krise. Sieben Punkte nach neun Spielen bedeuten weiter Platz 17, einem direkten Abstiegsplatz. Sorgen bereitet jetzt nach der anfälligen Defensive die harmlose Offensive, die seit drei Spielen ohne Treffer geblieben ist. Am nächsten Wochenende steht bei Aufsteiger Eintracht Braunschweig (0:4 in Darmstadt) das nächste Krisenspiel an.

St. Pauli: Schultz verändert seine Elf

Trainer Timo Schultz hatte seine Startelf im Vergleich zum 0:2 beim SC Paderborn auf zwei Positionen verändert. Anstelle von Kapitän Christopher Avevor bot er in der Innenverteidigung Philipp Ziereis neben James Lawrence auf. Avevor fehlte mit Fußproblemen sogar ganz im Kader. Ziereis übernahm als Mitglied des Mannschaftsrates auch gleich die Kapitänsbinde, weil Avevors Stellvertreter Marvin Knoll zunächst nur auf der Reservebank saß.

Im Mittelfeld war Rico Benatelli neu ins Team gekommen. Für ihn musste Maximilian Dittgen weichen. Dadurch veränderte sich die Aufteilung auf dem Feld auch dahingehend, dass Daniel-Kofi Kyereh auf Dittgens linke Außenbahn rückte, und Finn-Ole Becker im Mittelfeld von der Achter- auf die Zehnerposition vorrückte.

Dies war durchaus überraschend, denn dort hätte man auch Rodrigo Zalazar erwarten können. Der 21 Jahre alte Uruguayer blieb allerdings gemeinsam mit Benatelli in der eher defensiven Rolle im Mittelfeld. Zuletzt in Paderborn hatte der schon dreifache Torschütze Zalazar mit einem vergebenen und einem verursachten Strafstoß einen schwarzen Tag erlebt. Die Frage war also, wie der von Eintracht Frankfurt ausgeliehene, dribbelstarke Spieler dieses doppelte Missgeschick verarbeitet hatte.

St. Pauli begann engagiert gegen Osnabrück

Zunächst allerdings nutzte der 20 Jahre junge Becker seine neue Rolle, um schon in den ersten zehn Minuten zwei Torschüssen zu kommen. Das erste Mal schoss er recht deutlich links am Tor vorbei (8. Minute), beim zweiten rauschte der Ball schon deutlich knapper rechts vorbei (11.). Noch besser allerdings war Benatellis Chance (15.), der von Becker angespielt zentral aus 14 Metern zum Abschluss kam, aber dabei nur den Osnabrücker Taffertshofer traf.

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Insgesamt war den St. Paulianern anzumerken, dass sie sich nach ihren beiden jüngsten Niederlagen gegen Karlsruhe (0:3) und in Paderborn (0:2) rehabilitieren wollten. Andererseits aber führte der dominante Ballbesitzfußball nicht zu wirklich zwingenden Aktionen vor dem gegnerischen Tor. Dies lag auch daran, dass sich die Osnabrücker vier Tage nach ihrem 1:4 gegen den 1. FC Nürnberg vor allem darauf konzentrierten, ihr eigenes Tor zu verteidigen.

Dies hatte immerhin zur Folge, dass St. Pauli in der Defensive kaum in Verlegenheit kam, was auch an einem souveränen Auftritt von James Lawrence bei seinem zweiten Startelfeinsatz in dieser Saison lag. So gelang es dem Millerntorteam, erstmals seit dem 4:2 gegen Heidenheim am zweiten Spieltag die ersten 45 Minuten ohne Gegentor zu überstehen. Damals hatte es allerdings 2:0 für St. Pauli gestanden. Jetzt war nach der guten Anfangsphase und einigen Offensivaktionen, die nicht zum Abschluss führten, der Offensivdrang zunehmend verpufft.

St. Pauli ohne Glück: Endstation Kühn

Dieser schien mit Beginn der zweiten Halbzeit allerdings wieder erwacht zu sein. Prompt bot sich dem bis dahin kaum in Erscheinung getretenen Mittelstürmer Simon Makienok die bis dahin beste Chance für sein Team, als er frei vor Osnabrücks Torwart Philipp Kühn auftauchte, aber mit seinem Flachschuss am Keeper scheiterte (56.).

Und wie präsentierte sich der Paderborner Unglücksrabe Zalazar? In der ersten Halbzeit spielte er noch sehr zurückhaltend und solide im defensiven Mittelfeld, im zweiten Abschnitt profilierte er sich mit zwei direkten Freistößen. Beim zweiten zwang er Torwart Kühn zu einer starken Parade (67.).

Auf der Tribüne war in dieser Phase immer wieder die Stimme von St. Paulis Präsident Oke Göttlich zu vernehmen, der quasi als Ein-Mann-Fanclub die eigene Mannschaft anfeuerte.

St. Pauli kassiert spätes Gegentor

War das Nordderby bis dahin eher kontrolliert bis verhalten verlaufen, so suchten beide Teams in den letzten 20 Minuten deutlich mehr den Weg zum Tor und zum möglichen Siegtreffer. St. Paulis Trainer Timo Schultz verwandelte seine Abwehrreihe von einer Vierer- in eine Dreierkette und wechselte vier neue Spieler ein. Dafür wurde der überzeugend spielende Philipp Ziereis geopfert, der über seine Auswechslung alles andere als begeistert war.

Doch als Kevin Lankford aus bester Position den Ball halbrechts am Tor vorbeischoss (84.) schwand die Hoffnung auf einen Sieg. Es kam sogar noch schlimmer: David Blacha erzielte fast aus dem Nichts die 1:0-Führung für Osnabrück.

In der Nachspielzeit hatte Makienok noch die große Möglichkeit zum Ausgleich, doch sein Kopfballtiming nach einer Ecke stimmte nicht – trotz aussichtsreicher Position. Und so steht unter dem Strich die vierte Saisonniederlage für den Kiezclub. Die Sorgenfalten der Verantwortlichen werden größer.

Die Statistik:

  • St. Pauli: Himmelmann – Ohlsson, Ziereis (72. Knoll), Lawrence, Buballa (72. Dittgen) – Becker (62. Daschner), Benatelli (87. Matanovic) – Lankford, Zalazar, Kyereh (72. Tashchy) – Makienok.

  • Osnabrück: Kühn – Ajdini (82. Engel), Trapp, Beermann, Wolze – Gugganig, Taffertshofer (60. Blacha) – Amenyido, Kerk (60. N. Schmidt), Henning (60. Reis) – Ihorst.

  • Tor: 0:1 Blacha (85.).

  • Schiedsrichter: Jöllenbeck (Freiburg).