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Angelt sich St. Pauli ein ehemaliges Werder-Toptalent?

Gute Laune: Jos Luhukay (l.) scherzt mit Jan-Philipp Kalla.

Gute Laune: Jos Luhukay (l.) scherzt mit Jan-Philipp Kalla.

Foto: TimGroothuis / WITTERS

Der Kiezclub könnte sich noch einmal verstärken. Derweil nähern sich Trainer Luhukay und das Team vor dem Auftakt in Fürth weiter an.

Hamburg.  Jos Luhukay hatte es am Sonntagmittag eilig. Zwanzig Minute Redezeit waren in der Pressekonferenz vor dem ersten Pflichtspiel des Kalenderjahres 2020 am Dienstag (20.30 Uhr/Sky) bei Greuther Fürth veranschlagt. Keine Minute mehr. Und das aus gutem Grund.

Gemeinsam mit den Spielern stand für den Trainer des FC St. Pauli eine Teambuildingmaßnahme der besonderen Art auf dem Programm. Anlässlich des Holocaust-Gedenktages bekamen die Kiezkicker bei einem Stadtteilrundgang einen Geschichtsexkurs, der sich mit den nationalsozialistischen Verbrechen an den Sinti und Roma sowie dem jüdischen Widerstandskämpfer Sylvin Rubinstein befasste. Lernen und innehalten, bevor wieder der sportliche Alltag Einzug hält.

Luhukay lobt plötzlich sogar einzelne Spieler

Wer Luhukay bei den 19 Minuten und zwei Sekunden Redezeit zuvor beobachte, der stellte fest, dass der sonst oft knurrig wirkende Niederländer oft lächelte und einen Lobgesang auf das Team („Die Jungs machen das fantastisch) und einzelne Spieler wie Rico Benatelli („Rico hat jedes Lob verdient“) anstimmte.

Vorbei die Zeiten, in denen Disharmonie zwischen Trainer und Mannschaft zur Tagesordnung gehörte. Gerade im Herbst des Vorjahres knirschte es zwischen Teilen der Profis und dem ehrgeizigen und manchmal sehr direkten Übungsleiter. Doch es scheint, als hätten beide Seite verstanden, wie man sich zu nehmen hat.

Kapitän Buballa: Lob nur, wenn es läuft

„Der Trainer ist zufrieden mit uns“, sagt Kapitän Daniel Buballa, der eine neue Nähe zwischen Team und Coach feststellt. „Ja, das auch. Aber Lob gibt es eben auch nur, wenn es gut läuft. Wenn ich Stellungsfehler begehe, kriege ich das auch klar gesagt. Wir haben als Gruppe einen großen Schritt nach vorn gemacht“, weiß der Linksverteidiger.

Und genau deshalb betrachtet Trainer Luhukay die neu gewonnene Harmonie auch mit einer großen Portion Realismus, schließlich muss der Trainer bereits am Dienstag die eine oder andere schlechte Nachricht an diejenigen überbringen, die nicht in der Startelf oder gar nicht erst im 20 Mann umfassenden Aufgebot stehen werden.

Luhukay legt sich bei Startelf und Brodersen fest

„Die erste Elf steht schon fest“, legte sich Luhukay überraschend fest. „Die betreffenden Spieler wissen es schon“, ergänzte der erfahrene Trainer, der die Namen der Spieler, die beginnen werden, aber nicht verraten wollte.

Eine Entscheidung kommunizierte der Fußballlehrer aber dann doch. Torwarttalent Svend Brodersen (22) wird hinter Robin Himmelmann und Korbinian Müller (28) als Nummer drei in die verbleibenden 16 Saisonspiele gehen.

Ab sofort soll das Eigengewächs Spielpraxis in der U 23 sammeln, auch, damit der Traum von der Nominierung für die Olympia-Auswahl am Leben bleibt. Weitere personelle Härtefälle muss der Trainer vor der Abreise Richtung Fürth abarbeiten.

Luhukay macht Profis für Stimmung verantwortlich

Derzeit stehen außer dem langzeitverletzten Kapitän Christopher Avevor (Aufbau nach Wadenbeinbruch), Abwehrspieler James Lawrence (Reha nach Knie-OP), Mittelfeldspieler Youba Diarra (Knieprobleme) sowie Flügelflitzer Christian Conteh (Sehnenriss im Oberschenkel) alle Spieler zur Verfügung.

„Ich habe den Jungs gesagt, dass sie selbst in der Kabine dafür verantwortlich sind, ob bei uns eine positive oder nicht so positive Stimmung herrscht“, sagt Luhukay, der sich wünscht, dass trotz persönlicher Enttäuschungen bei Spielern, die womöglich nicht die Rolle spielen, die sie sich selbst erhofft hatten, der Teamgedanke über allem steht.

Kommt Ex-Talent von Werder Bremen?

Am Freitag endet die Transferperiode für diesen Winter. Ob in dieser Woche noch ein Profi dazustoßen wird, ist unklar. Verteidiger Niklas Hoffmann (22) will den Club dagegen nach Informationen von „Liga-zwei“ verlassen, da er keine Chance auf regelmäßige Einsätze in der Zweiten Liga sieht.

Der aktuell vereinslose Melvyn Lorenzen (25), der einst bei Werder Bremen als Toptalent galt, trainierte zuletzt bei der U 23 mit. Sollte der Offensivspieler einen Vertrag erhalten, würde er zunächst für die Regionalliga-Mannschaft auflaufen.

„Er bietet sich an. Er kann sich aus der U 23 für die Profimannschaft empfehlen“, sagte Luhukay, der sich über Verstärkung auf den offensiven Außenbahnen freuen würde.

„Wenn es einen Spieler gibt, der uns hilft, werden wir die Tür öffnen. Ich bin aber überzeugt, dass wir mit unseren Spielern eine gute Rückserie spielen können“, sagt Luhukay.