Zweite Bundesliga

St. Pauli reagiert gelassen auf Transfergerücht um Veerman

Henk Veerman erzielte in sieben Ligaeinsätzen vier Tore.

Henk Veerman erzielte in sieben Ligaeinsätzen vier Tore.

Foto: Witters

Nach dem Wechsel von Mats Möller Daehli nach Belgien soll nun der Mittelstürmer des FC St. Pauli vom SC Paderborn umworben sein.

Hamburg. Drei Tage nachdem der Abgang von Mats Möller Daehli (24) zum belgischen Meister KRC Genk die Fanwelt des FC St. Pauli erschüttert hatte, wurden die Nerven der Anhänger am Dienstagmorgen erneut strapaziert. Das niederländische Fußballportal „Voetbal International“ verbreitete die Meldung, dass der SC Paderborn großes Interesse an einer Verpflichtung von Stürmer Henk Veerman (28) hat. Am liebsten würde der abstiegsgefährdete Bundesligaclub den 2,01 Meter großen Hünen bereits im Wintertransferfenster verpflichten. Nach Abendblatt-Informationen ist die Nummer allerdings längst nicht so heiß, wie sie im Nachbarland medial gemacht wird. „Wir haben das Gerücht zur Kenntnis genommen. Es gibt aber keinerlei Kontakt zu Paderborn“, sagt Sportdirektor Andreas Bornemann.

Zuletzt hatte sich Veerman, dessen Name beim Verlesen der Aufstellung von den Fans so laut gerufen wird wie kaum ein anderer, nach einem im Dezember 2018 erlittenen Kreuzbandriss eindrucksvoll zurückgekämpft, stand fünfmal in Folge in der Startelf und zeigte mit seinen beiden Toren beim 3:0-Sieg gegen Bielefeld kurz vor dem Jahreswechsel, wie wichtig er für den Kiezclub ist. Veerman, der im August 2018 vom SC Heerenveen nach Hamburg kam, besitzt bei St. Pauli einen Vertrag bis 30. Juni 2021. Zwar machen die Verantwortlichen keinen Hehl daraus, dass der Verein künftig immer wieder Transfererlöse mit guten Spielern erzielen will, allerdings nicht mit Veerman. „Es gibt kein Bestreben, Henk in der Winterpause abzugeben. Wir setzen in den verbleibenden Spielen auf seine Torgefahr“, beruhigt Bornemann die leidgeplagten Fans.

Schmerzhafte Erfahrungen für den FC St. Pauli

Mit dem Verlust von Leistungs- und Sympathieträgern haben die Anhänger in den vergangenen Jahren schließlich immer mal wieder schmerzhafte Erfahrungen machen müssen. Allein in den vergangenen fünf Jahren verließen den Club – mal mehr, mal weniger freiwillig – Spieler, für die St. Pauli mehr war als nur einer von vielen Arbeitgebern. Neben Lasse Sobiech (1. FC Köln), Bernd Nehrig (Eintracht Braunschweig), Sören Gonther (Dynamo Dresden, jetzt Aue), Philipp Heerwagen (FC Ingolstadt), Sebastian Schachten (FC Luzern), Jan-Marc Schneider (Jahn Regensburg), Markus Thorandt und Florian Kringe (beide Karriereende) ging auch Kultprofi Fabian Boll, der aktuell Co-Trainer bei Holstein Kiel ist, beim Stadtteilclub von Bord.

„Es gibt immer Spieler, die wegen besonders guter sportlicher Leistungen oder eines besonders hohen Sympathiefaktors besonders gemocht werden“, sagt Tilman M. Brauns vom Fanclub-Sprecherrat des FC St. Pauli. „Aber ich stelle bei den Fanclubs zunehmend fest, dass die Zeiten des Personenkults vorbei sind. Der Fußball ist ein schnelllebiges Geschäft geworden, in dem Arbeitsplatzwechsel dazugehören. Aber ich finde, dass wir bei St. Pauli gar nicht so schlecht aufgestellt sind, was Typen betrifft, die sich mit dem Verein, seinen Werten und dem Stadtteil identifizieren“, ergänzt Brauns.

Dienstältere Profis sind bei den Fans besonders beliebt

Besonders hoch im Kurs stehen bei den St.-Pauli-Fans neben Stürmer Veerman vor allem die dienstälteren Profis wie Kapitän Daniel Buballa, seit 2014 im Verein, Torhüter Robin Himmelmann, Mittelfeldspieler Christopher Buchtmann (beide 2012) und Abwehrspieler Philipp Ziereis (2013). Auch Mittelfeldspieler Marvin Knoll, der mit seiner leidenschaftlichen Spielweise sowie der extrovertierten und meinungsstarken Art außerhalb des Spielfeldes auffällt, gehört beim Kiezclub ebenso zu den Publikumslieblingen wie Eigengewächs Finn Ole Becker (19), der auch längst auf den Wunschzetteln von Erstligaclubs steht.

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Das ist bei Jan-Philipp Kalla, der seit 17 Jahren im Verein ist und von den Fans als Fußballgott verehrt wird, nicht der Fall – und darüber freuen sich die Anhänger. Auch wenn der Defensivspezialist sportlich in den vergangenen Jahren nicht über den Status eines Ergänzungsspielers hinausgekommen ist, stellt der gebürtige Hamburger das Gesicht des Vereins dar. „Generell kann ich mir vorstellen, noch zehn Jahre den braun-weißen Trainingsanzug zu tragen“, sagt Kalla, dessen Vertrag am 30. Juni ausläuft. In den kommenden Wochen will Sportchef Bornemann mit „Schnecke“, wie Kalla alle liebevoll nennen, über eine Fortsetzung der gemeinsamen Arbeit sprechen.