Zweite Liga

FC St. Pauli: Ausklang gegen den Lieblingsgegner

Jeremy Dudziak (l.),
hier im Duell mit
Bochums Anthony
Losilla, wird am
Sonntag sein
letztes Heimspiel für
St. Pauli bestreiten –
sofern er fit ist.

Jeremy Dudziak (l.), hier im Duell mit Bochums Anthony Losilla, wird am Sonntag sein letztes Heimspiel für St. Pauli bestreiten – sofern er fit ist.

Foto: Witters

Die Hamburger bestreiten am Sonntagnachmittag gegen den VfL Bochum das letzte Heimspiel der Saison.

Hamburg.  Ein 5:0, zweimal ein 5:1 und auch noch ein 5:2 – das waren Ergebnisse, die der FC St. Pauli in den vergangenen sieben Jahren in seinen jeweils letzten Heimspielen einer Zweitligasaison zustande gebracht hat. Ein Tor-Spektakel zum Saisonausklang im Millerntor-Stadion könnte auch jetzt wieder die eigenen Anhänger nach einer enttäuschenden Rückrunde (bisher Platz 15, 17 Punkte) versöhnen.

„Wir wollen uns noch einmal von unserer besten Seite zeigen“, sagt denn auch St. Paulis Trainer Jos Luhukay, der dabei ist, seinem Team einen Offensivstil zu vermitteln. Gegner an diesem Sonntag wird zur Erstligazeit von 15.30 Uhr (Sky und Liveticker abendblatt.de) der VfL Bochum sein, der als Tabellenelfter sechs Punkte und sechs Plätze hinter St. Pauli liegt. Zudem hat St. Pauli die jüngsten vier Begegnungen mit dem Team aus dem Ruhrgebiet für sich entschieden.

„Wir haben aus unserem jüngsten Heimspiel ein gutes Gefühl mitgenommen“, sagt Luhukay in Erinnerung an den 4:3-Erfolg vor zwei Wochen gegen den SSV Jahn Regensburg. „Es war nicht nur extrem wichtig, dass wir vier Tore geschossen haben, sondern auch die Art und Weise, wie wir gespielt haben. So wollen wir auch das Spiel gegen Bochum angehen“, sagte Luhukay.

Einsatz von Marvin Knoll ist unwahrscheinlich

Allerdings wird St. Paulis Trainer in seinem fünften Spiel seit der Amtsübernahme am 10. April voraussichtlich auf gleich drei Spieler verzichten müssen, die beim genannten Sieg gegen Regensburg drei der vier Tore erzielt haben. Definitiv fallen der am Fuß verletzte und gelbgesperrte Offensivspieler Ryo Miyaichi und Kapitän Johannes Flum wegen eines Eingriffs am Knie aus. Unwahrscheinlich ist zudem der Einsatz des unter einer Bauchmuskelzerrung leidenden Mittelfeldspielers Marvin Knoll. „Wie ich ihn kenne, würde er nichts lieber tun, als zu spielen. Aber ich werde auf unsere medizinische Abteilung hören“, sagte Luhukay.

Auch bei Jan-Philipp Kalla und Jeremy Dudziak, die zuletzt bei dere 1:2-Niederlage in Dresden in der Startformation standen, ist höchst unsicher, ob sie gegen Bochum spielen können. „Hinter ihnen steht ein großes Fragezeichen“, formulierte es Jos Luhukay am Freitagmittag. „Nach dem Abschlusstraining am Sonnabend müssen wir entscheiden, ob sie eine Option sind.“ Nach der Saison müsse zudem in der Tiefe analysiert werden, warum jetzt derart viele Spieler verletzt ausfallen. Luhukay kam auf zwölf Akteure, die ihm an diesem Sonntag nicht zur Verfügung stehen. „Aber ich jammere nicht. Die Spieler, die auflaufen, werden an ihre Grenzen gehen“, sagte der Niederländer weiter.

Finn Ole Becker ist mit von der Partie

Einsatzbereit für seinen zweiten Startelfeinsatz ist wenigstens Mittelfeldtalent Finn Ole Becker nach seinem guten 90-Minuten-Auftritt in Dresden. Schon am Dienstag, so berichtete Luhukay jetzt, habe er intensiv mit Becker gesprochen. „Ich habe ihm natürlich nicht nur seine guten Momente aus dem Dresden-Spiel gezeigt. Ich habe den Eindruck, dass er ein stabiler Junge ist. Im Training war er konzentriert und fokussiert. Das ist eine sehr erfreuliche Situation“, sagte der Trainer. „Ich habe ihm gesagt, dass ich ihm Tag und Nacht helfen kann, er aber auch zeigen muss, dass er diese Hilfe auch haben möchte.“

Jos Luhukay betonte am Freitag zudem, dass er nur deshalb die Möglichkeit habe, jetzt den 18 Jahre alten Finn Ole Becker in der Zweiten Liga ins Rennen zu schicken, weil die Trainer im Nachwuchsbereich eine jahrelange Arbeit mit ihm und auch den anderen Talenten geleistet haben.

Unterdessen stand auch am Freitag stand noch nicht fest, wie viele Spieler vor dem Anpfiff von der Vereinsführung auf dem Rasen offiziell verabschiedet und traditionell mit einem großen Bild von sich beschenkt werden. „Es werden jetzt noch Gespräche mit dem einen oder anderen geführt“, sagte St. Paulis Medienchef Christoph Pieper dazu. Dabei geht es offenbar vor allem um Sami Allagui, Richard Neudecker, Jan-Marc Schneider und Torwart Korbinian Müller, deren Verträge am 30. Juni zwar auslaufen, bei denen aber am Freitag noch nicht hundertprozentig feststand, dass sie den Verein auch verlassen werden.

Sieg wäre auch finanziell erfreulich

Fakt ist dagegen, dass der zu Saisonbeginn gewählte Kapitän Bernd Nehrig, der in der Winterpause zu Eintracht Braunschweig gewechselt war, nachträglich mit den gewohnten Abschiedsehren bedacht wird. Dies war bisher aus Termingründen nicht möglich gewesen. Derzeit fällt Nehrig mit einem Achillessehnenanriss aus. Zudem wird sein Team bereits an diesem Sonnabend beim Halleschen FC antreten und könnte danach den Klassenverbleib schon gesichert haben. Eingeladen hatte St. Pauli auch Clemens Schoppenhauer, der im Winter zum VfR Aalen gewechselt war. Der Verteidiger ist allerdings verhindert.

Ein Sieg im letzten Heimspiel gegen Bochum, egal in welcher Höhe, wäre übrigens nicht nur für die Fanseele, sondern auch finanziell höchst erfreulich für den Millerntor-Club. Geschäftsführer Andreas Rettig stellte am Freitag klar, dass sich der FC St. Pauli in dem für die Verteilung der Fernsehgelder maßgeblichen Ranking vor den VfL Bochum schieben würde, wenn er in der sportlichen Abschlusstabelle dieser Saison mindestens vier Plätze vor den Bochumern liegt. Dies allein würde einen positiven Effekt von rund 800.000 Euro bewirken.