FC St. Pauli

Wechselt Richard Neudecker in die Niederlande?

Gegen den HSV hatte Richard Neudecker noch in der Startelf gestanden.

Gegen den HSV hatte Richard Neudecker noch in der Startelf gestanden.

Foto: Imago/Baering

Gegen Sandhausen aussortierter Mittelfeldspieler schlägt St. Paulis Angebote aus. Kauczinski erklärt seine eifrigen Wechselspiele.

Hamburg.  Die Beobachter rieben sich verwundert die Augen, als sie am vergangenen Sonnabend auf die Startaufstellung und die Liste der sieben Ersatzspieler des FC St. Pauli beim Spiel des SV Sandhausen schauten. Da fehlten mit Vize-Kapitän Sami Allagui und Richard Neudecker doch gleich zwei Spieler, die sechs Tage zuvor im Stadtderby gegen den HSV noch zur Startelf gehört hatten. Gesundheitliche Gründe hatte dies nicht, stellte St. Paulis Trainer Markus Kauczinski später klar. „Bei beiden hat mir die Leistung gegen den HSV nicht gefallen. Es muss eine Konsequenz haben. Ich habe es mir lange überlegt, aber letztlich als gerecht empfunden, mich für Janne und Kevin zu entscheiden“, sagte er weiter.

Mit „Janne“ meinte er Stürmer Jan-Marc Schneider, den er im Derby eingewechselt hatte. Der offensive Außenbahnspieler Kevin Lankford (20), in der Winterpause vom 1. FC Heidenheim zum FC St. Pauli gewechselt, gab in Sandhausen nicht nur sein Debüt für seinen neuen Club, sondern stand auch gleich in der Anfangsformation. Als „ordentlich und bemüht“ stufte Kauczinski dessen Vorstellung ein. „Man hat gesehen, dass er Tempo und Körper hat.“

Es sei sicher eine harte Entscheidung gewesen, die vorherige Startelfspieler Neudecker und Allagui nicht einmal für den 18-Mann-Kader zu nominieren, sagte Kauczinski. „Aber ich habe es auch schon andersherum gemacht.“

Allaguis Rotation ein denkwürdiger Vorgang

Trotz der munteren Wechselspiele des Trainers, der auch Jeremy Dudziak erstmals seit dem 8. Februar wieder in die Startformation beordert hatte, handelte sich die St.-Pauli-Mannschaft bekanntlich auch beim SV Sandhausen eine 0:4-Niederlage ein. Die betreffenden Spieler mögen danach ihre Aussortierung vielleicht als etwas erträglicher empfunden haben.

Dennoch ist gerade die Rotation des Vize-Kapitäns Sami Allagui von der Startelf auf das heimische Sofa schon ein denkwürdiger Vorgang. Dieser lässt vor den letzten acht Saisonspielen auch Rückschlüsse auf den grundsätzlichen Stellenwert des 32 Jahre alten Stürmers zu, dessen Vertrag sich am Saisonende nur im Falle eines – derzeit reichlich unrealistischen – Bundesliga-Aufstiegs verlängert. Im Fall von Richard Neudecker hat Sportchef Uwe Stöver schon öffentlich erklärt, dass der FC St. Pauli nicht mehr mit ihm plant, nachdem der Mittelfeldspieler mehrere Angebote des Vereins nicht angenommen hat. Inzwischen soll der niederländische Erstligist AZ Alkmaar an Neudecker interessiert sein.

Trainer Kauczinski hatte schon in der Hinrunde im Fall von Kapitän Bernd Nehrig keine Scheu, einen etablierten Spieler zeitweise nicht zu berücksichtigen und diesem mehrmals das Eigengewächs Ersin Zehir vorzuziehen. Nehrig wechselte bekanntlich in der Winterpause zum abstiegsbedrohten Drittligisten Eintracht Braunschweig, an dessen sportlichem Aufschwung er jetzt maßgeblich mitwirkt.