2. Bundesliga

Mitten im Abstiegskampf: St. Pauli desolat

Desolate Hamburger gehen mit 0:3 in Regensburg unter. Schubert-Nachfolge: Ex-HSV-Coach Oenning ein Kandidat, Kurz sagt ab.

Regensburg. Mahir Saglik trat zweimal mit voller Wucht gegen den Torpfosten, dann versetzte er ihm mit einem Kick aus der Drehung einen dritten Treffer. Es war die vielleicht einzige gelungene Aktion eines St. Paulianers an diesem Abend. Kurz darauf war die Partie beendet, und drei im Fußball relevante Treffer hatte einzig Jahn Regensburg erzielt. Die Hamburger Spieler erstarrten auf dem Platz und blickten in den Abendhimmel, als stehe dort die Antwort geschrieben auf die große Frage, wie es zu der vorangegangenen katastrophalen Leistung hatte kommen können. "Esst mehr Senf!" war die passende Überschrift zum tristen Bild - zu lesen auf dem vom Hauptsponsor verzierten "Turm", wie die Regensburger ihre hochformatige alte Anzeigetafel nennen. "Es fehlte aber nicht nur an Schärfe, es fehlte an allem. Da musst du dich ja fast schämen vor den Zuschauern, die 800 Kilometer gefahren sind und dafür auch noch Eintrittsgeld bezahlt haben", stammelte Sebastian Schachten.

Dass nach dem 0:3 nicht die Trainerfrage gestellt wurde, lag einzig daran, dass André Schubert bereits vor der Partie hatte gehen müssen. Vieles, wenn nicht alles scheint dieser Mannschaft momentan schwerzufallen. Wer geglaubt hatte, die Spieler würden nach der Beurlaubung ihres Chefcoachs am Mittwoch befreit aufspielen, wurde von den elf aufgebotenen Profis ab dem Anpfiff einer Belehrung unterzogen. Schubert, der die Partie im Liveticker am Handy verfolgte, ist weg, doch die Probleme sind geblieben. Mutlos und verängstigt (re)agierte der FC St. Pauli in Regensburg, die Verunsicherung war greifbar. Das Ergebnis gab die Kräfteverhältnisse korrekt wieder. Nach dem 1:2 beim FSV Frankfurt und dem 0:1 gegen Aufsteiger Aalen verloren die Hamburger zunächst ihr Selbstbewusstsein, dann ihren Chefcoach und schließlich auch das dritte und abschließende Spiel in dieser englischen Woche.

"Es ist ein Tiefpunkt erreicht worden, eine ganz bittere Stunde", sagte Interimscoach Thomas Meggle, der die Partie mit Partner Timo Schultz ruhig von der Seitenlinie verfolgte. Verändert hatten sie die Mannschaft in den eineinhalb zur Verfügung stehenden Tagen lediglich personell. Jan-Philipp Kalla rückte für Christopher Avevor in die Startelf, Florian Bruns, Mahir Saglik und der nach seiner Gehirnerschütterung wieder genesene Christopher Buchtmann ersetzten Fin Bartels, Da-niel Ginczek und Akaki Gogia.

Den Knacks, den das unglückliche 1:2 in Frankfurt eine Woche zuvor verursacht zu haben scheint, konnten sie noch nicht reparieren. Im Spiel mit dem Ball fehlte es an Tempo, Ideen, Vertrauen und Sicherheit. Gegen den Ball präsentierte sich die Mannschaft zu häufig unsortiert. Große Lücken taten sich auf, auch weil die Bälle im Spielaufbau leichtfertig hergeschenkt wurden.

Nachdem Abwehrspieler Wilson Kamavuaka in der 9. Minute noch das 1:0 wegen Abseitsstellung aberkannt worden war, nutzte Angreifer Franckie Sembolo den von der Hamburger Defensive zur Verfügung gestellten Raum eine Viertelstunde später zur Führung.

Kurz vor dem Pausenpfiff konterte der Jahn St. Pauli erneut erfolgreich aus: Müller erhöhte vor 12 183 Zuschauern auf 2:0. Angesichts der aktuellen Verfassung des Gegners die sichere Entscheidung. Auch im zweiten Abschnitt kam der FC St. Pauli nicht über Ansätze hinaus. Sembolo traf in der 55. Minute zum Endstand.

Den Hamburgern droht am Wochenende nun das Abrutschen auf einen der letzten drei Plätze. Den neuen Trainer erwartet Abstiegskampf am Millerntor. Wer auf Schubert folgt, ist weiterhin offen. Erste Kandidaten wurden bereits kontaktiert. Nach Abendblatt-Informationen gehört der ehemalige HSV-Trainer Michael Oenning dazu. "Klar ist, dass ich sehr gerne wieder als Trainer arbeiten möchte", so Oenning auf Abendblatt-Anfrage. Die erste Absage gab es auch schon: Marco Kurz (zuletzt Kaiserslautern) kommt nicht. "Es hat eine Kontaktaufnahme gegeben", sagte der 43-Jährige dem "Express": "Das Interesse ehrt mich. Aber ich habe mich nach reiflicher Überlegung entschieden abzusagen."