FC St. Pauli

10 Punkte - St. Pauli stellt eigenen Startrekord ein

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Nur in der Saison 1995/96 standen die Kiezkicker nach dem siebten Spieltag ähnlich gut da wie heute. Damals reichte es am Ende für Platz 15.

Hamburg. In die erste Länderspielpause der Saison waren sie mit einem Negativerlebnis gegangen. Die 0:1-Heimniederlage gegen Hoffenheim, besiegelt durch ein vermeidbares Gegentor in der 85. Minute, wirkte nach. Spätestens jetzt wissen sie beim FC St. Pauli, dass es auch anders geht. Während der neuerlichen Unterbrechung der Pflichtspiele tendiert die Gefühlswelt der Braun-Weißen nach dem 1:0-Erfolg bei Hannover 96 ins Rosarote, zumal die Gesamtbilanz nach sieben Spielen mit drei Siegen, drei Niederlagen, einem Remis und 8:8 Toren nicht nur tabellarisch für Ausgeglichenheit sorgt. Der Startrekord aus der Saison 1995/96 ist eingestellt - und droht nun zu fallen.

+++ Die Bilanz nach sieben Spielen +++

Die Gründe, dass der vor vier Jahren eingeleitete Aufwärtstrend mit Regionalligameisterschaft 2007 und der Vizemeisterschaft in der Zweiten Liga 2010 nun auch in der Bundesliga fortgeführt wird, sind vielschichtig. Bei der Analyse des ersten Saisonfünftels dürfte Trainer Holger Stanislawski aber drei Kernpunkte positiv herausstreichen.

1. die Transferpolitik: Thomas Kessler ist die neue Nummer eins im Tor und Carlos Zambrano ein wichtiger Eckpfeiler der Viererkette davor. Fin Bartels belebt das Offensivspiel, und die Verpflichtung Gerald Asamoahs ist bereits in Zahlen messbar. Allein seine Einwechslungen gegen den HSV und in Mönchengladbach brachten vier Punkte. Wichtiger als die sportlichen Leistungen der Neuen, zu denen auch Moritz Volz zählt, ist allerdings die Tatsache, dass das über Jahre geformte und funktionierende Gesamtgebilde nicht beschädigt wurde. Die Harmonie ist trotz gestiegenen Konkurrenzkampfs geblieben, der besondere Charakter des Kollektivs wurde konserviert.

2. das Selbstverständnis: Wer vor 40.000 Zuschauern in Mönchengladbach oder 50.000 in Köln und Hannover forsch und dominant beginnt, ist von seinen Stärken und dem eigenen Trainer überzeugt. Jeder Gegner wird unabhängig von Namen oder Tabellenplatz bespielt. Das Ziel, dem Spiel den Stempel aufzudrücken und drei Punkte zu gewinnen, ist unveränderbar. Für einen Aufsteiger keine selbstverständliche Herangehensweise und ein klares Verdienst Stanislawskis, der das Denken vorlebt, die Mannschaft einstellt und bei der Personalauswahl mit Sportchef Helmut Schulte den Charakter als entscheidendes Kriterium angelegt hat.

3. die Defensivarbeit: Nachdem Stanislawski in den vergangenen Jahren vor allem das Offensivspiel kultivierte, gelingt nun die nötige Balance. Mit Ausnahme der 1:3-Pleite gegen Dortmund zeigte sich St. Pauli nicht nur kombinationsstark, sondern auch kompakt und defensiv deutlich verbessert. Die Hamburger lassen dank erhöhten läuferischen Einsatzes und gesteigerter taktischer Disziplin kaum Torchancen zu.

Alle drei Punkte sind Ausdruck einer vor Jahren bewusst begonnenen, schrittweisen Entwicklung. Dass diese auch in der Bundesliga weitergeführt wird, ist konsequent - und erfolgreich. Die Einstellung der Rekordmarke zeugt davon und könnte in zehn Tagen wieder von einem anderen Superlativ überholt werden. Schon bei einem Unentschieden gegen Nürnberg winkt ein neuer Startrekord. Elf Punkte nach acht Spielen gab es nämlich noch nie.