Verhandlung in Frankfurt

Kassenrollenwurf: Sportgericht lädt den FC St. Pauli vor

Am Montag verhandeln die Verantwortlichen des FC St. Pauli in Frankfurt über die Strafe nach dem Kassenrollenwurf gegen Pirmin Schwegler.

Hamburg. 315 Tage ist es her, dass Vizepräsident Gernot Stenger und Sportchef Helmut Schulte vor dem DFB-Sportgericht erfolgreiche Überzeugungsarbeit leisteten und ein Spiel vor leeren Rängen am Millerntor in letzter Sekunde verhinderten. Damals erwirkte das Duo nach dem Bierbecherwurf gegen einen Schiedsrichterassistenten eine Platzsperre mit Teilausschluss der Öffentlichkeit. St. Pauli musste das erste Heimspiel der laufenden Saison in Lübeck austragen. Nun müssen die Verantwortlichen des FC St. Pauli erneut in Frankfurt am Main vorstellig werden und ihr ganzes Verhandlungsgeschick unter Beweis stellen.

Wie das Abendblatt erfuhr, hat der DFB die Hamburger für kommenden Montag zur mündlichen Verhandlung in die Zentrale an der Otto-Fleck-Schneise bestellt. Dort muss der Verein begründen, warum dem vor rund drei Wochen zugestellten Strafantrag nicht zugestimmt wurde. Der Kontrollausschuss hatte eine Ligapartie unter Teilausschluss der Öffentlichkeit beantragt.

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Demnach soll St. Pauli am Millerntor eine Begegnung vor leeren Stehplatzrängen austragen. Rund 13 000 Zuschauer wären davon betroffen. Eintracht Frankfurts Spieler Pirmin Schwegler war am 18. Dezember 2011 im Strafraum von einer Kassenrolle getroffen worden. Ein 20 Jahre alter Fan hatte den Gegenstand von den Stehplatzrängen der Südtribüne geworfen, konnte aber glaubhaft versichern, es habe sich um ein Versehen gehandelt. Weil die Hamburger das beantragte Strafmaß für überzogen halten, stimmten sie nicht zu.

Nun wird wohl erneut das Duo Stenger/Schulte in Frankfurt beim Vorsitzenden Richter Hans E. Lorenz vorstellig werden, um die Strafe abzumildern. Eine kurze Anreise hat Frankfurts Schwegler, der bei der Verhandlung ebenfalls anwesend sein wird. Das Trainingsgelände der Eintracht befindet sich in unmittelbarer Nähe der DFB-Zentrale. Belastende Vorwürfe müssen St. Paulis Verantwortliche vom Schweizer Nationalspieler jedoch nicht befürchten. Schon direkt nach der Partie hatte Schwegler das Gros des Publikums am Millerntor ausdrücklich gelobt. Neben Stenger, Schulte und Schwegler wird auch Schiedsrichter Felix Zwayer, der das Spiel geleitet hatte, vor dem Sportgericht sprechen. Alle Beteiligten dürften aber wohl eher zur Ent- als zur Belastung für St. Pauli werden. Dass Richter Lorenz die beantragte Teilsperrung in eine Geldstrafe umwandelt, gilt zwar als äußerst unwahrscheinlich. Möglich scheint jedoch eine Reduzierung des Zuschauerausschlusses auf weniger Teilbereiche der Ränge.

Wird das Strafmaß am Montag aber bestätigt und verzichten die Hamburger auf den Gang durch weitere Instanzen, müsste der Verein das folgende Heimspiel ohne Zuschauer auf den Stehrängen der Süd-, Nordtribüne und Gegengeraden austragen. Dabei würde es sich um die Flutlichtpartie gegen den Karlsruher SC am 12. März, einem Montagabend, handeln. Zumindest aus sportlicher Sicht wäre der Verzicht auf das stimmgewaltige Orchester der Stehplatzränge gegen die abstiegsbedrohten Badener noch am ehesten verschmerzbar. Finanziell drohen dem FC St. Pauli indes Mindereinnahmen in sechsstelliger Höhe.