Leserreaktion: Kommentar: Der Aufstand der Fans ist sinnlos

Überraschr Ihr Kommentar zum Protest der St.Pauli Fans gegen die ungeliebten Montags Spiele hat mich überrascht. Denn dieser "plumpe" Protest ist keineswegs der "vorläufige Höhepunkt" einer internen Zerreißprobe, sondern vielmehr seit Jahren bei jedem Montagsspiel sichtbar. Vielleicht ist dieser Protest in Vergessenheit geraten, weil der FC St.Pauli nun mal einige Jahre Pause vom Profifussball gemacht hat. Das kurze "Scheiss-DSF" beschreibt die Gründe des Protestes dabei sicher nicht umfassend, aber haben Sie schon mal versucht auf ein Banner "Ich finde es doof, daß St.Pauli am Montagabend um 20:15 spielt, weil mein 10-jähriger Sohn dann nicht mitkommen kann, da er am nächsten Morgen zur Schule muss" zu schreiben ?!?

Des Weiteren sollten die Damen und Herren vom DSF von Ihrem hohen Ross runterkommen: St.Pauli Spiele zu boykottieren ist in diesem Jahr "in der besten 2. Liga aller Zeiten" mit Teams wie Gladbach, Köln, Kaiserslautern etc. sicher möglich. Wir werden sehen, wie sich das DSF nächste Saison wieder um St.Pauli-Spiele mit den "kultigen" Fans bemüht, wenn Spiele wie Wehen-Ingolstadt oder Ahlen-Koblenz die Alternative sind...
Dorian Löew, Halstenbek, per Mail

Grenzen setzen in Ihrem Kommentar zum Aufstand der Fans" reden Sie dem "unvermeidlichen Weg in die totale Kommerzialisierung" das Wort. Wenn Sie sich darunter u.a. vorstellen, den Stadionnamen zu verkaufen, dann wäre das der falsche Weg, weil der Verein eine eigene Identität hat, die nicht dem Kommerz geopfert werden darf. Diese Identität muß der Maßstab des Handelns sein. Es muß daher Grenzen der Kommerzialisierung geben. Allerdings habe ich als Mitglied des Vereins keine Einwände gegen einige wenige Übertragungen von Montagsspielen durch das DSF. Solche Übertrgungen schaden dem Verein weder wirtschaftlich noch sportlich, sondern nutzen ihm, ohne sich dem DSF auszuliefern.
Rolf aschenbeck, Eggstedt, per Mail

Jede Wahrheit braucht einen Mutigen "Scheiß DSF"-Banner beim letzten Montagsspiel des FC St. Pauli erregen zur Zeit die Gemüter im angesprochenen Sender, aber offenbar auch das Ihres Autors Christian Pletz. Er bezeichnete die Proteste als sinnlosen "Versuch, den unvermeidlichen Weg in die totale Kommerzialisierung zu verhindern".

Er sieht darin sogar den Beweis, dass die Fanszene des FC St. Pauli ihre Andersartigkeit aufgegeben hat. Statt Rebellentum und Kreativität zeichne sich der FC St. Pauli nun durch interne Steitigkeiten über den Grad der Kommerzialisierung aus. Angesichts der Tatsache, dass der FC St. Pauli der einzige Verein der 2. Liga ist, dem das DSF auf Grund der Proteste Nicht-Berücksichtigung bei Livespielen androht, kann der angebliche Verlust der Andersartigkeit nur als tollkühne These bezeichnet werden.

Kreativ, da hat der Autor Recht, waren die Banner freilich nicht. In ihrer Plakativität haben sie das Ziel aber erreicht: sie konnten vom DSF nicht ignoriert werden. Dass die Reaktion nun allein in Drohungen gegenüber dem FC St. Pauli bestehen, konnte erwartet werden, dass die Vereinsführung angesichts eventuell nicht kassierender Sponsorengelder alles andere als erfreut ist, auch. Gleichwohl darf nicht vergessen werden: es war diese andersartige, rebellische Fanszene, der es zu verdanken ist, dass der FC St. Pauli überhaupt noch höherklassigen Fußball spielt. Ohne diese Fans wäre der FC St. Pauli niemals zu der vom Autor genannten "Kultmarke" geworden, sondern würde immernoch ein biederes Mauerblümchen-Dasein fristen.

Was Christian Pletz in seinem Kommentar erstaunlicherweise missen lässt, ist eine Bewertung, ob denn Proteste gegen das DSF überhaupt gerechtfertigt sind. Zwei Punkte können hier meines Erachtens zu Recht moniert werden: Erstens ist die Ansetzung der Montagsspiele gerade für Gästefans sehr unglücklich. Arbeitende müssen sich bei entsprechender Anreise fast zwei Tage Urlaub nehmen. Zweitens ist die Sportberichterstattung des DSF unter journalistischen Aspekten mangelhaft. Wer will denn zum Beispiel während eines Livespiels ständig mit Quizspielen auf dem Niveau von "Wer ist deutscher Rekordmeister? A: FC Bayern München oder B: SG Wir-waren-noch-nie-Deutscher-Meister Hintertupfelbach" konfrontiert werden? Und spätestens dann, wenn man nach Mitternacht auf DSF zappt, weiß man, was von diesem "Sport"sender zu halten ist.

"Scheiß DSF" - Jede Wahrheit braucht einen Mutigen, der sie ausspricht.
Andreas Schmid, Dresden, per Mail

Unverständnis Hiermit möchte mein Unverständnis über den Kommentar von Christian Pletz zu den Anti-DSF-Plakaten beim Heimspiel des FC St. Pauli äußern. Der Autor scheint nicht zu begreifen, dass die Fans des FC St. Pauli gerade einen Mittelweg suchen zwischen totalem Kommerz und der Bewahrung der Seele des Vereins.

Ich möchte dazu den Beitrag eines Users im St.Pauli-Forum (www.stpauli-forum.de) zitieren, der meine Gedanken und die sehr vieler St.Pauli-Fans widerspiegelt:

"Was mich eigentlich ärgert, ist, dass ich das Gefühl habe, als mündiger Fan für meine Vereinsführung inzwischen beinahe mehr ein Ärgernis zu sein als eine Zierde. Und dass mittlerweile nahezu permanent versucht wird, gerade diese engagierten Fans als "Sozialromantiker" abzutun und sogar noch als Schuldige dafür auszumachen, dass es mit dem Verein wirtschaftlich nicht vorangeht und statt dessen permanent die Wettbewerbs-Unfähigkeit droht - mal aus diesem Anlass, mal aus jenem.

Ich behaupte mal, dass es nicht unmaßgeblich gerade diese Gruppe von Fans war, die dem Verein 2002 durch verstärktes persönliches Engagement bei der Retteraktion geholfen hat, dass er dem Tod noch von der Klippe springen konnte. Das hat man getan, um etwas zu retten, was einem wichtig war und was unbedingt erhaltenswert schien. An dieser Motivation hat sich auch gar kein kein Stück geändert, bloß ist man damit inzwischen beinahe so etwas wie "der Feind". Zumindest ist das mein Gefühl.

Aus dem eben geschilderten Prozess heraus will ich auch gar keine Rechte für irgendwas ableiten. Dass aber zumindest vereinsseitig inzwischen gezeichnete öffentliche Bild der Fans will mir gar nicht gefallen, zumal es sich in ganz überwiegendem Maße sicher nicht um "Totalverweigerer" handelt, sondern um Leute, die sich sehr wohl Gedanken um die Entwicklung des Profifußballs unter den besonderen Möglichkeiten des FC Sankt Pauli machen.

Insoweit erachte ich Svens Eingangsposting mit der Idee des runden Tisches als eine interessanten Versuch, allerdings glaube ich definitiv, dass dabei nischte rumkommen wird im Sinne eines Konsenses. Es fehlt mir, außer der Lippenbekenntnisse Littmanns auf der letzten JHV, derzeit erkennbar an freiwilligen (und eben nicht über Abstimmungen oder Massenproteste erzwungenen) äußeren Signalen der Vereinsführung, sich aktiv zu diesen Fans zu bekennen.Und wenn dann jemand wie Schulte auch noch behauptet, das "Kommerz nicht den Kult killt", dann habe ich das Gefühl, dass die da alle nur noch das Dollarzeichen im Auge haben. Fans? Klar, klasse, toll, supi können wir auch mit angeben und tolle T-Shirts verkaufen - aber nur genau so lange wie es uns nix kostet."

Vielleicht wäre es gut, wenn das Abendblatt statt einer tendeziösen Berichterstattung die Interessen der Fans auch mal ernstnehmen und darstellen würde.

Moritz Müller per Mail