2:2 gegen Nürnberg

Trotz Glatzels Doppelpack: HSV verpasst Relegationsplatz

| Lesedauer: 5 Minuten

Im Topspiel kommen die Hamburger gegen den 1. FC Nürnberg nicht über einen Punkt hinaus. Vuskovic liefert unglückliches Debüt.

Hamburg. Einen Punkt gewonnen oder doch eher zwei verloren? Ganz eindeutig war die Gemütslage beim HSV am Sonntagnachmittag nicht. Der Sprung auf den Relegationsplatz wurde zwar verpasst, aber immerhin: Die Hamburger haben das Spitzenspiel der 2. Bundesliga meistens dominiert. Aber eben nur meistens. Gegen den als einzige Mannschaft noch ungeschlagenen 1. FC Nürnberg hieß es am Ende nach zweimaligem Rückstand 2:2 (1:1). Damit verharrt der HSV mit nun 13 Punkten aus acht Spielen auf dem siebten Tabellenplatz.

Tabellenspitze 2. Bundesliga

1. FC St. Pauli 11 Sp. / 27:10 Tore / 25 Pkt.
2. Jahn Regensburg 11 / 24:12/ 22
3. FC Schalke 04 11 / 20:11 / 22
4. 1. FC Nürnberg 11 / 16:7 / 21
5. SC Paderborn 11 / 22:13 / 18
6. HSV 11 / 18:13 / 18
7. Darmstadt 98 11 / 25:14 / 17
8. Karlsruher SC 11 / 17:15 / 16

"Man sieht, dass wir einen Reifeprozess durchlaufen. Mein Team hat sich erneut nicht hängen lassen und war immer aktiv. Dafür haben sie sich belohnt, zwar nicht ganz, aber dennoch belohnt. Deswegen bin ich mit dem Auftritt zufrieden", sagte HSV-Trainer Tim Walter.

Fünf Punkte hat seine Mannschaft nun schon nach einem Rückstand in dieser Saison geholt. Auch Mittelfeldmann David Kinsombi wertete es als "ein gutes Zeichen, dass wir zweimal nach einem Rückstand zurückgekommen sind. Aber wir ärgern uns auch, dass wir aus unserer Überlegenheit nicht mehr gemacht haben. Uns fehlte in einigen Situation das Quäntchen Glück."

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Daran hatte es dem HSV zuletzt nicht gemangelt. Zwei hart erkämpfte Siege und das gewonnene Nordderby im Rücken: Die Hamburger hatten allen Anlass, selbstbewusst in das Traditionsduell zu gehen. Die Nürnberger allerdings auch: Ihre letzte Niederlage kassierten sie noch in der alten Saison – beim HSV. 2:5 hieß es aus "Club"-Sicht Mitte Mai.

Doch damals stand noch eine ganz andere Mannschaft für die Gastgeber auf dem Platz. Sebastian Schonlau zum Beispiel spielte noch in Paderborn. Doch gerade auf den neuen Kapitän musste HSV-Trainer Walter verzichten, Schonlau hatte in Bremen die Gelb-Rote Karte gesehen. Für ihn durfte erstmals Neuzugang Vuskovic (19) beginnen und zusammen mit Jonas David (21) die wohl jüngste Innenverteidigung der Liga bilden.

"Jonas David macht seine Sache seit Wochen sehr gut, und auch Mario zeigt im Training, was er draufhat, von daher habe ich volles Vertrauen", sagte Schonlau vor dem Anpfiff bei Sky. Die Kapitänsbinde übernahm sein Vorgänger Tim Leibold.

Startelf-Debütant Vuskovic verursacht Elfmeter

Die Kritiker des walterschen Risiko-Fußballs durften sich allerdings bald bestätigt sehen. Zwar hatte Sonny Kittel die erste Chance des Spiels, als er aus abseitsverdächtiger Position am früheren Hamburger Torwart Christian Mathenia scheiterte (15.). Doch dann traf Vuskovic seinen Gegenspieler Nikola Dovedan im Strafraum ebenso unglücklich wie fernab des Balls mit der Hand im Gesicht.

"Für mich ein normaler Zweikampf", befand Walter später. Doch Schiedsrichter Felix Zwayer entschied nach Ansicht der Videobilder auf Foulelfmeter. Nürnbergs Kapitän Enrico Valentini ließ sich diese Chance nicht nehmen, HSV-Torwart Daniel Heuer Fernandes streckte sich vergeblich (20.).

Jonas Meffert wie Olaf Scholz – Mario Vuskovic noch zu grün

Der HSV verstärkte nun seine Angriffsaktivitäten. Eine große Chance ließ Kittel noch ungenutzt, sein Drehschuss ging knapp am langen Pfosten vorbei (25.). In der 34. Minute dann wurden die Bemühungen belohnt: Jonas Meffert flankte aus dem Halbfeld, Robert Glatzel traf per Kopf ins lange Eck – und der hereinrauschende Tim Leibold den Ball erst hinter der Torlinie. Zum Glück, denn so konnte das Tor nach anfänglicher Aberkennung wegen vermeintlicher Abseitsstellung dem HSV doch gutgeschrieben werden.

Beinahe hätte Glatzel mit dem Pausenpfiff noch allein das Spiel gedreht, doch sein Kopfball aus kurzer Distanz ging knapp übers Tor (45.+3). Stattdessen hab es nach dem Re-Start die kalte Dusche. Gleich den ersten Nürnberger Angriff vollendete Lino Tempelmann per Kopf zur erneuten Nürnberger Führung, Valentini hatte hoch in den Hamburger Strafraum geflankt. Und Leibold bescherte sich vergeblich zuvor gefoult worden zu sein (46.).

HSV-Stürmer Glatzel gleicht erneut aus

Die Hamburger Spieler und auch die Fans im erstmals nicht ausverkauften Volksparkstadion brauchten ein bisschen, um sich von dem Wirkungstreffer zu erholen. Doch anders als noch gegen Sandhausen gelang es ihnen diesmal nicht, sich in der Gefahrenzone festzusetzen. Nürnberg stand sicher, Chancen wie die von David Kinsombi, dessen Schuss die Nürnberger im letzten Moment blocken konnten, wurden immer seltener (58.).

Nach einer guten Stunde brachte Walter für die rechte Außenbahn Manuel Wintzheimer anstelle von Bakery Jatta (64.). Doch es dauerte eine Viertelstunde, bis sich der Nachwuchsmann in Szene setzen konnte: Sein Flachschuss aus 14 Metern geriet noch zur leichten Beute für Mathenia (78.). Doch direkt im Nachsetzen machte es Wintzheimer besser und fand mit seiner Flanke Glatzel, der aus kurzer Distanz erneut per Kopf ausgleichen konnte (80.).

Beinahe wäre das Spiel gleich vollends gekippt, doch als Valentini nach einer HSV-Flanke den Ball in Richtung eigenes Tor lenkte, konnte Mathenia mit einem grandiosen Reflex noch irgendwie an den Pfosten abfälschen (82.). Es war der letzte Aufreger der Partie. Die nächste steht für den HSV schon am Freitag beim krisengeplagten Tabellenletzten Erzgebirge Aue an. Mit einem Punkt wird dann in Hamburg keiner zufrieden sein.

( leo )

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