Stadionsanierung

HSV darf auf Millionen von der Stadt Hamburg hoffen

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Bereit für die Saison: Die HSV-Vorstände Frank Wettstein (l.) und Jonas Boldt.

Bereit für die Saison: Die HSV-Vorstände Frank Wettstein (l.) und Jonas Boldt.

Foto: Tim Groothuis / WITTERS

Nach dem Orthomol-Deal sucht der Club einen Stadionpartner. Der Antrag auf Fans läuft ins Leere, eine andere Lösung rückt dafür näher.

Hamburg. Kaum hatte der HSV am Freitag einen Ausschnitt des neuen Trikots und den Schriftzug mit dem neuen Hauptsponsor Orthomol präsentiert, da waren die ersten Fan schon wieder ungeduldig. „Zeigt doch endlich das Trikot“, schrieben verschiedene User auf Twitter und Facebook.

Doch die Anhänger müssen noch zwei Tage warten. Erst am Montag, dem Tag des ersten Pflichtspiels im DFB-Pokal bei Dynamo Dresden (18.30 Uhr), wird das neue HSV-Trikot präsentiert. Dann können es sich die Fans auch zum Kauf bestellen.

Am Freitag hatte der Club offiziell den Zweijahresvertrag mit dem neuen Trikotsponsor Orthomol verkündet. Das Unternehmen, das von dem aus dem Fernsehen bekannten Investor Nils Glagau (44/„Die Höhle der Löwen“) geführt wird, zahlt dem HSV etwas mehr als zwei Millionen Euro pro Saison. „Wir haben mit Orthomol einen starken Partner gewonnen“, sagte Finanzvorstand Frank Wettstein, der eine wichtige Baustelle in den Finanzplanungen für die kommende Spielzeit schließen konnte.

Die Arbeit für Wettstein und Marketingdirektor Henning Bindzus sowie Vermarkter Sportfive bei der Suche nach neuen Partnern ist damit aber nicht beendet. Im Gegenteil. Ein Nachfolger für Klaus-Michael Kühne, der in den vergangenen Jahre die Rechte für den Stadionnamen bezahlt hatte, ist noch nicht in Sicht – und wird bis zum ersten Heimspiel der Zweitligasaison in einer Woche gegen Fortuna Düsseldorf auch nicht gefunden sein.

Noch hat der Club die Hoffnung nicht aufgegeben, dass Kühne doch noch einmal die Namensrechte bezahlt. Intensive Verhandlungen gibt es bislang aber nicht. So gehen dem HSV wertvolle Einnahmen verloren.

Finanzvorstand Wettstein hofft daher, dass mit dem Start der neuen Saison zumindest mehr Zuschauer im Volksparkstadion dabei sein dürfen, als in Hamburg bislang erlaubt. Der HSV hatte bei der Stadt einen Sonderantrag gestellt, um bis zu 5000 Fans beim ersten Heimspiel zuzulassen. Ein entsprechendes Hygienekonzept liegt vor.

HSV-Fans im Stadion? Grote erteilt Absage

Den Antrag hatte der Club sogar noch abgeschickt, bevor der Senat durch eine neue Verordnung am Dienstag 2300 Zuschauern den Zugang zum Tennisturnier am Rothenbaum in einer Woche ermöglicht hatte. Die überraschende Ausnahme sei möglich, weil es sich um ein „Einzelereignis mit herausragender bundesweiter Bedeutung“ handele. Der HSV wartet bislang noch auf eine Antwort der Stadt.

Diese gab am Freitag Innensenator Andy Grote (SPD) in der Elbphilharmonie bei der Bekanntgabe des Auslosungsstandorts Hamburg für die EM 2024. Der Politiker erteilte dem HSV dabei eine klare Absage. „Es ist keine gute Idee, wenn jeder für sich eine Entscheidung verkündet und an einem Bundesligawochenende in 18 Stadien 18 unterschiedliche Regeln gelten. Das ist auch nicht die Verabredung der Ministerpräsidentenkonferenz“, sagte Grote. Und weiter: „An die fühlen wir uns gebunden. Wenn man etwas beschließt, muss man sich auch daran halten.“

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Grote hofft, dass die Arbeitsgruppe der Länder zu einer schnelleren einheitlichen Lösung kommt als zum angestrebten Termin Ende Oktober. Zumal am Freitag auch noch das Bundesland Hessen dem Bundesligisten Eintracht Frankfurt ermöglicht hat, zum Saisonstart vor 6500 Zuschauern zu spielen. Das Spiel des HSV in Dresden wird sogar vor 10.000 Fans ausgetragen.

Stand jetzt wird der HSV gegen Düsseldorf aber nur vor 1000 Zuschauern spielen. Wie der Vergabeprozess der verfügbaren Tickets dann aussieht, ist noch offen. Der Club will das auch nicht entscheiden, bevor er eine Antwort der Stadt erhalten hat.

HSV darf auf Millionen von der Stadt Hamburg für Stadionsanierung hoffen

Während Grote dem HSV mit seinen Fan-Aussagen eine Absage erteilte, deutete er in einem anderen Millionenpoker eine Einigung an. Dabei geht es um die Sanierung des Volksparkstadions. Um die Arena für die Europameisterschaft 2024 entsprechend der Uefa-Vorgaben zu modernisieren, braucht der HSV etwa 20 bis 30 Millionen Euro.

Einen Großteil der Kosten für diese Arbeiten übernimmt die Uefa selbst. Aber auch die Stadt soll helfen, so die Hoffnung des HSV. Nachdem der Senat zuletzt signalisierte, nicht alle erwünschten Renovierungskosten zu übernehmen, kündigte Grote nun eine zeitnahe Lösung an: „Wir sind relativ weit in den Gesprächen und hoffen, die Ergebnisse in Kürze mitteilen zu können.“

Der HSV könnte damit eine weitere Baustelle im wahrsten Sinne des Wortes abarbeiten und seine wirtschaftlichen Möglichkeiten für die kommende Saison überblicken. Vor allem Sportvorstand Jonas Boldt würde sich freuen. Der Kader des HSV ist zwar keine Baustelle mehr, insbesondere für einen weiteren Neuzugang in der Innenverteidigung würde der Manager aber gerne noch ein wenig Geld in die Hand nehmen. Im Poker über mögliche Abgänge gab es bislang schließlich keine Erfolge.

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