Zweite Bundesliga

HSV-Neuzugang Jordan Beyer: Sein Vorbild ist ein Weltmeister

Am Morgen saß er noch im Flugzeug, am Nachmittag posierte Jordan Beyer schon im HSV-Trikot.

Am Morgen saß er noch im Flugzeug, am Nachmittag posierte Jordan Beyer schon im HSV-Trikot.

Foto: Witters

Mit dem Rechtsverteidiger bekommt Trainer Hecking seinen Schützling aus Mönchengladbach zurück – aber nur für kurze Zeit.

Lagos. Jonas Boldt und Michael Mutzel konnten am späten Dienstagnachmittag ihre Fußballschuhe schnüren und abschalten. Die Handys waren für eine Stunde beiseite gelegt, als der Sportvorstand und der Sportdirektor des HSV gemeinsam mit dem Trainerteam um Dieter Hecking eine Runde sechs gegen zwei spielten. Die beiden Manager hatten ihre Arbeit für diesen Tag erledigt.

Das Ergebnis ihrer Telefonate machte sich zum selben Zeitpunkt auf den Weg ins Teamhotel Cascade: Jordan Beyer, 19 Jahre jung, Rechtsverteidiger, hatte soeben seine erste Einheit im Trainingslager des HSV im portugiesischen Lagos hinter sich gebracht. Die Hamburger konnten das Leihgeschäft mit dem Abwehrspieler von Borussia Mönchengladbach am Dienstag verkünden.

„Jordan Beyer war von Beginn an unser Wunschkandidat“, sagte Boldt über den Transfer des Defensivmannes, der in den kommenden Monaten die Lücke ausfüllen soll, die die Langzeitverletzten Jan Gyamerah (Wadenbeinbruch) und Josha Vagnoman (Fußwurzelbruch) hinterlassen hatten. Schon am Donnerstag im Testspiel gegen den FC Seoul aus Südkorea (15 Uhr) wird Beyer erstmals für den HSV spielen.

HSV-Leihgeschäft um Abwehrspieler geht auf

Die Hamburger mussten in den vergangenen Wochen um den Mönchengladbacher kämpfen. Denn eigentlich wollte Borussias Sportchef Max Eberl das Eigengewächs in der Winterpause nicht gehen lassen. Doch die Hartnäckigkeit des HSV und die Tatsache, dass sich Fabian Johnson in der Gladbacher Vorbereitung in guter Verfassung präsentierte, machten den Leihdeal am Ende möglich. „Letztendlich ist die Tür doch noch aufgegangen, von daher möchten wir der Borussia ein großes Dankeschön ausrichten“, sagte Boldt.

Beyer war in der Hinrunde unter Marco Rose nur auf drei Teileinsätze gekommen, weil der Gladbacher Trainer im Sommer den Österreicher Stefan Lainer von Red Bull Salzburg mitgebracht hatte und dieser rechts hinten gesetzt ist. „Natürlich erhoffe ich mir viel Spielzeit, damit ich meinen Beitrag zum Erreichen des großen Ziels beitragen kann“, sagte Beyer über seine Beweggründe.

HSV-Coach Hecking bekommt mit ihm den gewünschten Außenverteidiger. Weil Gyamerah und Vagnoman frühestens im März wieder spielfähig sein werden, sah der Trainer auf dieser Position akuten Handlungsbedarf – auch wenn Offensivmann Khaled Narey die Rolle vor der Winterpause durchaus zufriedenstellend ausfüllte.

Beyer soll Vagnoman ersetzen

Hecking selbst hatte sich an Beyer erinnert. Im Sommer 2018 zog er damals noch als Trainer von Mönchengladbach das Eigengewächs zu den Profis hoch und ließ es gleich in der Hinrunde sechsmal von Beginn an spielen. Zunächst als Vertreter des verletzten Michael Lang, nach dessen Rückkehr dann in der Innenverteidigung. In der Rückrunde wurde es für Beyer aber schwerer. Zunächst war er Reservist, dann am Sprunggelenk verletzt und schließlich auch noch gesperrt, weil er bei der U23 eine Rote Karte gesehen hatte. In den letzten beiden Saisonspielen ließ Hecking ihn dann noch zweimal von Beginn an ran.

Ein halbes Jahr später sind die beiden nun wiedervereint. „Dass ich bereits in Mönchengladbach mit Dieter Hecking zusammengearbeitet habe, erleichtert mir den Start, da ich weiß, wie der Trainer spielen lassen möchte“, sagt Beyer, der defensiv alle Positionen spielen kann.

Fünf Tage nach Louis Schaub ist Beyer der zweite HSV-Neuzugang der Wintertransferperiode. Anders als die Kölner bei Schaub haben die Borussen den Hamburgern aber keine Kaufoption für den Sommer eingeräumt. In Mönchengladbach soll Beyer perspektivisch zum Nachfolger von Nationalspieler Matthias Ginter aufgebaut werden, dem der Sprung zu einem noch größeren Club zugetraut wird.

Ginter gilt als eines der Vorbilder von Beyer. Wie auch der Weltmeister hat er alle wichtigen Nachwuchsmannschaften des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) durchlaufen. Im September debütierte er bei Stefan Kuntz in der U-21-Nationalmannschaft des DFB. Wenig später wurde Beyer dann aber wieder zur U20 versetzt. Kuntz holte stattdessen HSV-Verteidiger Josha Vagnoman. Nun ist es Beyer, der Vagnoman in den kommenden Wochen und Monaten in Hamburg ersetzen soll.

Vagnoman wird seinen Vertrag vorzeitig verlängern

Perspektivisch plant der HSV auf der Position des Rechtsverteidigers neben Gyamerah aber mit Vagnoman. Dafür stellt der Club aktuell die Weichen. Nach Abendblatt-Informationen soll der 19-Jährige möglichst noch in dieser Woche seinen bis 2021 laufenden Vertrag vorzeitig verlängern. Vagnomans Berater, der ehemalige HSV-Nachwuchschef Dieter Gudel, reist an diesem Mittwoch nach Lagos, um mit Sportdirektor Mutzel die letzten Details zu klären. Grundsätzlich besteht zwischen beiden Parteien bereits eine Einigung.

Vagnoman gehört beim HSV die Zukunft – in der Gegenwart heißt die Lösung nun Jordan Beyer. Glaubt man Beobachtern aus Mönchengladbach, wird der Youngster nicht viel Zeit brauchen, um sich im Team zu integrieren. Beyer gilt als ruhiger, aber offener Typ. „Ich bin ein Mensch, bei dem die Gefühle sofort heraussprudeln“, sagte er einmal in einem seiner ersten Interviews als Profi.

Nach Martin Harnik (Werder Bremen), Adrian Fein (Bayern München) und zuletzt Schaub ist Beyer schon der vierte Spieler, den sich der HSV von einem Bundesligisten leiht – damit die Hamburger in der kommenden Saison selbst wieder in der Bundesliga spielen.