Proteste gegen HSV

Boldt greift in die Causa Jatta ein: "Das ist doch absurd!"

Karlsruhes Sportchef Kreuzer spricht mit Ex-HSV-Trainer Zinnbauer über den Fall Bakery Jatta und das kommende Duell zwischen dem KSC und dem HSV.

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Wie geht es weiter im Fall Jatta? Bochum legt Einspruch ein – auch der KSC prüft schon. Der DFB nennt derweil einen Zeitrahmen.

Hamburg. Auch der 1:0-Sieg des HSV gegen den VfL Bochum am vergangenen Freitag hat ein juristisches Nachspiel. Der VfL hat fristgemäß Einspruch gegen die Wertung des Zweitligaspiels eingelegt. Das gab der Club am Montagmorgen bekannt. "Der Einspruch erfolgt im Hinblick auf die nach wie vor ungeklärte Situation um die Spielberechtigung des HSV-Spielers Bakery Jatta, wie sie sich aus den Medienberichten darstellt", hieß es in der Mitteilung.

Damit droht dem HSV eine juristische Schlammschlacht, die noch weitere Kreise ziehen könnte. Denn auch der kommende Gegner Karlsruher SC erwägt, im Falle eines Einsatzes von Jatta sowie eines Karlsruher Punktverlustes Protest gegen die Wertung des Zweitligaduells am Sonntag (13.30 Uhr/Sky und im Abendblatt-Liveticker) einzulegen. "Wir warten jetzt die Entwicklung in dieser Woche ab und würden uns gegebenenfalls den Protesten von Nürnberg und Bochum anschließen", sagt KSC-Sportvorstand Oliver Kreuzer dem Abendblatt.

Der ehemalige HSV-Sportchef zeigt aber auch Verständnis für die Forderung von seinem Hamburger Amtskollegen Jonas Boldt, der sich Klarheit von den Verbänden wünscht. "Der DFB und die DFL müssen diesen Fall jetzt schnellstmöglich klären und für rechtliche Sicherheit sorgen", sagt Kreuzer.

Boldt: "Das ist doch absurd!"

Nach der jüngsten Entwicklung im Fall Jatta hat HSV-Sportvorstand Jonas Boldt erneut betont, Jatta weiterhin einzusetzen – und bei seiner Wortwahl klare Kante bewiesen. "Wir sprechen hier über Einsprüche aufgrund von Spekulationen und Vermutungen, bei denen andere in der Beweispflicht sind. Das ist doch absurd! Wo soll das hinführen? Dann hagelt es bald in allen möglichen Ligen jede Menge Einsprüche gegen Spielwertungen."

Boldt weiter: "Ich erwarte diesbezüglich auch den Schutz des Spielers und unseres Clubs durch den DFB und die DFL, z.B. durch eine zeitnahe Entscheidung über den Einspruch des 1. FC Nürnberg. Gerade vor diesem Hintergrund erschließt sich mir die Verlängerung der Begründungsfrist für den 1. FC Nürnberg nicht. Wir wünschen uns jetzt schnellstmöglich Klarheit in dieser Angelegenheit, auch zum Schutz eines weiteren geregelten Spielbetriebs. Der Bochumer Einspruch und die Karlsruher Überlegungen zeigen ja, welche Verunsicherung bei vielen Clubs völlig unnötigerweise herbeigerufen wird."

DFB kündigt Jatta-Entscheidung an

Der HSV darf zumindest hoffen, nicht monatelang im Ungewissen zu verharren. Zwar gewähhrte der Deutsche Fußball-Bund dem 1. FC Nürnberg eine Fristverlängerung bis 31. August, um seinen Einspruch zu begründen. Danach hätte der HSV etwa eine Woche Zeit, seinerseits eine Stellungnahme abzugeben.

Doch eine Entscheidung dürfte danach zügig fallen, wie Hans E. Lorenz, der Vorsitzende des DFB-Sportgerichts, dem "Kicker" sagte: "Ich gehe davon aus, dass die Angelegenheit bis spätestens Mitte September entscheidungsreif ist." Den Beweis, dass Jattas Spielberechtigung auf falschen Angaben basiert und vor allem dass der HSV davon hätte wissen können oder müssen, müssten in jedem Fall die klagenden Vereine antreten.

Was Bochum-Trainer Dutt zur Causa Jatta sagt

An der Identität von HSV-Profi Jatta waren zuletzt Zweifel aufgekommen. Aus dem gleichen Grund hatte bereits der 1. FC Nürnberg die 0:4-Heimniederlage gegen den HSV vor zwei Wochen angefochten. Die Frist für einen Einspruch des VfL wäre an diesem Montag abgelaufen.

"Sportlich haben wir gegen den HSV verloren, und als Trainer möchte man natürlich nicht drei Punkte am grünen Tisch zugesprochen bekommen, sondern die drei Punkte auf dem Rasen erarbeiten", sagte VfL-Trainer Robin Dutt am Montag dem Abendblatt. "Juristisch kann ich die Sachlage allerdings nicht bewerten.“

Möglicherweise wollte sich die Bochumer Geschäftsführung davor schützen, am Saisonende etwa im Falle eines Abstiegs finanziell haftbar gemacht zu werden. Das wäre dann vorstellbar, sollten Nürnberg oder andere Clubs mit ihrem Protest Erfolg haben.

Bochum hatte sich bereits vorab informiert

Noch am Sonntagabend war weder die sportliche Führung des HSV noch die des VfL über den Plan informiert. Die Bochumer hatten sich bereits vor dem Spiel über die Rechtslage informiert, einen Einspruch aber zunächst offen gelassen. HSV-Pokalgegner Chemnitzer FC hatte auf einen Protest gegen die 7:8-Niederlage nach Elfmeterschießen verzichtet. Für Liga-Auftaktgegner Darmstadt (1:1) war die Einspruchsfrist bei Bekanntwerden des Verdachts gegen Jatta bereits verstrichen.

Der HSV hatte sich vom Deutschen Fußball-Bund und der Deutschen Fußball-Liga Jattas Spielberechtigung bestätigen lassen. Die könnte allerdings hinfällig sein, sollte sich herausstellen, dass der Gambier 2015 mit gefälschten Personalien nach Deutschland eingereist ist. Der DFB-Kontrollausschuss hat Ermittlungen aufgenommen und Jatta vergangene Woche angehört.

Wegen Jatta: KSC-Sportchef Kreuzer nimmt DFL in die Pflicht

Ein "Sport Bild"-Bericht hatte den Verdacht aufgeworfen, dass Jatta in Wahrheit Bakary Daffeh heißt und zweieinhalb Jahre älter ist, als in den Papieren angegeben. Deren Echtheit wird derzeit auch vom zuständigen Bezirksamt Hamburg-Mitte geprüft.

HSV-Führung bleibt "Sport Bild"-Award fern

Die sportliche Führung des HSV hat ihrerseits Konsequenzen aus der Berichterstattung über den Fall gezogen. Trainer Dieter Hecking und Sportvorstand Jonas Boldt haben entschieden, dem „Sport Bild“-Award am Montagabend in der Fischauktionshalle fernzubleiben. Die Mannschaft hatte sich nach Bekanntwerden der Vorwürfe mit Jatta solidarisiert.

Vereinspräsident Marcell Jansen und der Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann ließen ihr Kommen dagegen zunächst offen.