HSV-Weihnachtsgedicht

Es lief Minute 90 schon, ganz riesig Hamburgs Frustration...

Denn sie wussten nicht, was noch kam: HSV-Fans beim Public Viewing zum Relegationsrückspiel in der damaligen Imtech Arena

Denn sie wussten nicht, was noch kam: HSV-Fans beim Public Viewing zum Relegationsrückspiel in der damaligen Imtech Arena

Foto: Witters

Experte Dieter Matz macht sich in seinem Gedicht an den Weihnachtsmann einen eigenen Reim auf das abgelaufende HSV-Jahr.

Du lieber guter Weihnachtsmann, sieh Dir die Berg-und-Tal-Fahrt an, die unser HSV hinlegt, sie hat Dich sicher auch bewegt, vielleicht sogar mehr als erlaubt. Hast Du an Rettung stets geglaubt? Denn Hand aufs Herz, das war doch knapp, der Dino machte meistens schlapp, es gab Klatschen, viele Pleiten, überall nur Schwierigkeiten.

Der Höhepunkt – ein null zu acht, hat alle fassungslos gemacht, es wurd’

gezittert und gebangt; und hat es mal zum Punkt gelangt, so wurde gleich von mehr geträumt, nur leider sich nie aufgebäumt.

Fußball gab’s zum Abgewöhnen, aber gleich ging’s ans Verschönen: „Beinah gewonnen“, hieß es oft, zugleich aufs nächste Spiel gehofft, doch folgte meist derselbe Mist, die weiße Flagge schnell gehisst, mit Zurück- und Quergeschiebe kam viel Sand in das Getriebe. Ein jeder spielte nur für sich und ließ das ganze Team im Stich, es stimmte vorn und hinten nicht, und Liga zwei war schon in Sicht – bis Bruno Labbadia kam, das Chaos in die Hände nahm.

Du, Weihnachtsmann, hast ihn geschickt, fortan wurd’ besser dann gekickt, und Kacar machte Tor um Tor (das kam zuvor nur selten vor), sodass es langsam aufwärts ging, auch weil sich dann die Truppe fing.

Der HSV, fast klinisch tot, blieb weiter zwar in großer Not, doch von der Intensivstation ging’s doch noch ab: Re-le-ga-tion. Zum zweiten Mal die „Zusatzzahl“, das war für Fans die Höllenqual, zumal der kleine KSC schon oben schien – herrjemine! Es lief Minute 90 schon, ganz riesig Hamburgs Frustration, gezittert wurd’, die Hoffnung schwand, doch dann schrien plötzlich alle: „Hand!“ Es folgt ein Pfiff, ein Schuss, ein Tor – und Karlsruhe trug Trauerflor.

Ja, lieber guter Weihnachtsmann, was man so alles machen kann. Dafür dank ich Dir noch lange, ich vergess’ nichts, keine Bange, doch ich hab’ noch ein paar Bitten, wir ham viel zu lang gelitten, drum wünsch’ ich mir zu diesem Fest, dass Du uns nicht mehr hängen lässt. Stell uns wieder auf die Beine, hier geht nichts von ganz alleine, steh uns nun bei – gib uns die Kraft, dass Bruno jetzt die Wende schafft.

O bitte, lieber Weihnachtsmann, zieh Deine rote Hose an, die Raute dann auf Deine Brust, dann hast Du doch ganz sicher Lust, wieder richtig ranzuklotzen, soll die Konkurrenz doch motzen, entdeck Dein Herz – ja, ganz genau – für Hamburg und den HSV, denn hier schlummert doch ein Riese.

Komm, Weihnachtsmann, leg Deine Hände nicht in’ Schoß, die Ärmel hoch, und dann geht’s los, der HSV, so altgedient, er hat es doch verdient. Lass den Volkspark wieder beben, wir woll’n doch nach oben streben. Sei für uns ein Freudenspender, schick uns auch in ferne Länder, das wäre wirklich genial: mal wieder international ...

Pack nun zu, nicht lange feiern, hiev uns rauf – ran an die Bayern, beginn mit diesem Werk, wir waren viel zu lange nur ein Zwerg, zeig der Liga nun die Harke – auf dass Hamburg erstarke.

Was Dieter Matz zu jedem einzelnen Spieler zu sa­gen hat, lesen Sie unter www.abendblatt.de/matzab