„... sonst erschieße ich dich“

Hakan Calhanoglu berichtet im ZDF über Gökhan Töres Überfall mit Schusswaffe und sein Zerwürfnis mit dem HSV

Hamburg. So einen TV-Auftritt hat es nur selten gegeben. Im „Aktuellen Sportstudio“ des ZDF sprach Hakan Calhangolu offen wie nie zuvor über den früheren Hamburger Gökhan Töre, der Calhanoglu im Nationalmannschaftshotel überfallen haben soll, und seinen erzwungenen Wechsel nach Leverkusen. Calhanoglus Kernaussage, es hätte ein mündliches HSV-Versprechen gegeben, kontert Ex-HSV-Chef Carl Jarchow: „Das stimmt nicht. Es hat nie ein mündliches Versprechen gegeben, dass Hakan wechseln darf. Ganz im Gegenteil. Wir wollten ihn unbedingt halten.“ Das Abendblatt dokumentiert Calhanoglus ZDF-Aussagen über ...

... seine Zeit beim HSV: „Ich habe mich in Hamburg wohlgefühlt. Es ist eine super Stadt. Was mich aber beim HSV gestört hat, ist, dass es immer Unruhe gab. In Leverkusen ist das nicht so.“

... seine Entscheidung für Leverkusen und gegen Bayern: „Ich habe mich sehr früh für Bayer entschieden. Ich hatte das Gefühl, dass ich in Leverkusen sportlich bessere Chancen als bei den Bayern hätte. Ich wollte spielen, die Konkurrenz bei den Bayern ist größer.“

... seine Vertragsverlängerung am 5. Februar mit dem HSV und sein anschließendes Treuebekenntnis: „Ich habe für den HSV immer alles gegeben. Aber letztendlich habe ich damals jemandem (Oliver Kreuzer, die Red.) vertraut, der mich dann im Stich gelassen hat. Das hatte ich nicht erwartet. Es gab ein mündliches Versprechen, dass ich bei einer gewissen Ablöse den Verein verlassen kann. Er hat mir das versprochen, und dann kamen die Angebote. Das war nicht einfach für mich.“

... den Zeitpunkt, an dem Calhanoglu Kreuzer sagte, dass er nach Leverkusen wechseln will: „Das war direkt vor den beiden wichtigen Spielen gegen Greuther Fürth. Ich habe ihm (Kreuzer, die Red.) gesagt, dass ich auch an meine Karriere denken muss. Er hatte es mir ja damals versprochen, hat sein Versprechen dann aber nicht gehalten. Er ist dann zur Presse am nächsten Tag gegangen und hat gesagt: Hakan bleibt.“

... eigene Fehler und ob er heute etwas anders machen würde: „Man kann die Zeit nicht zurückdrehen. Ich wollte den Herrn Kreuzer damals stark machen, er ist mir aber in den Rücken gefallen. Ich stand dann blöd da. Wenn man jemandem vertraut, der einem in den Rücken fällt, dann tut das weh.“

... seine Krankschreibung, die er direkt nach dem Wechsel nach Leverkusen aufhob: „In Hamburg konnte ich kaum mehr rausgehen. Ich wurde von allen Seiten beleidigt. Mein Auto wurde kaputt geschlagen. Im Internet wurde ich beschimpft. Ich war mental dann nicht mehr so stark, deshalb habe ich mir Hilfe geholt. Für mich war das nicht einfach, weil ich noch sehr jung bin. Als ich dann den Vertrag in Leverkusen unterschrieben habe, war es für mich eine neue Motivation. Ich habe mich dann locker gefühlt. Ich hatte vorher zu viel Druck. Das hat mich einfach gestört, und ich habe es auch nicht verstanden.“

... die Gründe seines Zerwürfnisses mit dem HSV: „Wenn ich mit 20 Jahren elf Tore schieße und die Liga halte, dann verstehe ich persönlich nicht, warum man mich attackiert. Alles was die gesagt haben, das stimmt nicht. Ich habe von allen Seiten ein mündliches Versprechen bekommen, was nicht gehalten wurde. Alle haben immer gesagt: Hakan hat schuld.“

... seine Entscheidung, für die Türkei zu spielen: „In der U16 wurde ich vom DFB-Trainer Steffen Freund aussortiert. Weil ich Prüfungen hatte, hat er mich nicht eingeladen. Er hat mir gesagt, dass die Schule wichtiger ist. Ich war da natürlich traurig. Dann kam direkt die türkische Nationalmannschaft.“

... den Zwischenfall mit dem früheren HSV-Profi Gökhan Töre, der ihn und Leverkusens Ömer Toprak im Hotel der türkischen Nationalmannschaft in Istanbul mit einer Waffe bedroht haben soll: „Es ging um einen Freund von Ömer und eine Ex-Freundin von Gökhan. Eigentlich hatten wir mit der Sache gar nichts zu tun. Wir waren einfach zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort. Töre hatte mitbekommen, dass der Freund von Ömer bei uns auf dem Hotelzimmer war. Töre hatte mit einem Mann bei uns geklopft, und der Junge wusste direkt, um was es geht. Töre war stinksauer. Ich weiß nicht, ob der Töre was genommen hat. Er hat dann geklopft, wir haben die Tür aber nicht aufgemacht. Er ist dann runter und hat sich eine Karte besorgt. Die Leute wussten ja, wer er ist. Er hat dann oben noch mal geklopft, hat gesagt: Housekeeping. Damit wollte er uns locken. Wir wollten die Tür aber nicht aufmachen. Ich habe schon Panik bekommen. Trotzdem habe ich dann die Tür aufgemacht. Töre ist dann direkt an mir vorbei, ist zu dem Jungen hin. Dann kam noch einer rein, den ich gar nicht gesehen hatte.

... die Bedrohung mit einer Schusswaffe: „Der Mann ist dann mit der Waffe reingekommen, ist erst auf Ömer los und hat gesagt: Leg dich hin, sonst erschieße ich dich. Er wollte uns drohen, damit der Töre unter vier Augen mit dem Jungen reden konnte. Ich lag dann in einer Ecke und der Mann sagte: Beweg dich nicht, sonst erschieße ich dich. Das war nicht lustig. Irgendwann waren sie fertig, und der Junge hat geblutet.“

... die Frage, ob er noch mal mit Töre in einer Nationalmannschaft spielen könnte: „Ich habe damals nichts gesagt, weil ich seine Karriere nicht kaputt machen wollte. Ich wollte dem Jungen nicht schaden. Ich musste es aber meinen Eltern erzählen. Meine Mutter wollte es dann gar nicht glauben, als sie das alles gehört hat. Sie hat jeden Tag geweint. Mein Vater hat dann ein Interview mit türkischen Zeitungen gegeben. Das war nicht abgesprochen. Jetzt hoffe ich einfach, dass ich mit dem Nationaltrainer ein klärendes Gespräch führen kann.“