Jens Meier steht vor schwerer Aufgabe als Chef im Aufsichtsrat

Hamburg. Welches Anforderungsprofil ein Kandidat für den Aufsichtsratsvorsitz erfüllen muss, formulierte vor einem Jahr Udo Bandow, der das HSV-Gremium von der Gründung 1996 an bis 2007 leitete. „Er sollte Sympathieträger sein, Aushängeschild des Vereins, Kontaktperson zur Wirtschaft und Politik sein sowie gut vernetzt im deutschen Fußball.“ Welche Defizite Bandows Nachfolger im Detail hatten, ist an dieser Stelle unerheblich. Fakt ist, dass der HSV nach Horst Becker, Otto Rieckhoff, Alexander Otto und Manfred Ertel nun bereits den fünften Vorsitzenden in sieben Jahren suchen muss – ein unrühmlicher Rekord, der bundesweit lange Bestand haben dürfte.

Voraussichtlich am Montag sollen die Kontrolleure nun Jens Meier zum neuen Aufsichtsratschef wählen. Der 47-Jährige, der sich vor dieser Sitzung nicht öffentlich äußern will, erfüllt sicher einige Voraussetzungen, das Amt nicht nur übergangsweise ausfüllen zu können. Anders als die meisten seiner Vorgänger verfügt er als Geschäftsführer der Hamburg Port Authority (HPA) über Führungserfahrung und dürfte nicht so polarisieren wie zuletzt Ertel, der freiwillig seinen Rückzug angekündigt hat. Zudem wurde Meier 2013 mit den meisten Stimmen (749 von 1002) in den Rat gewählt. Neben seinen berufsbedingt guten Kontakten in die Wirtschaft und die Politik pflegt er angeblich auch etliche Beziehungen in den Sport.

Einfach wird Meiers Aufgabe deshalb nicht. Die meisten seiner Aufsichtsratskollegen sind über das Vorpreschen von Vorstand Joachim Hilke, der sich während der Versammlung klar für HSVPlus ausgesprochen hatte und mit seinem Vortrag sogar den Vorsitzenden Carl Jarchow überraschte, verstimmt. Zudem soll niemand im Aufsichtsrat, auch nicht Meier, für einen Anteilsverkauf an Investoren sein.

Meier weiß um diese Probleme und die mit dem Amt verbundenen zeitlichen Belastungen, weshalb im Aufsichtsrat niemand eine Garantie abgeben wollte, dass der HPA-Vorsitzende wirklich den Vorsitz übernimmt – zumal es auch schon vor einem Jahr kritische Stimmen gab. So monierte Gunther Bonz, der Präsident des Unternehmensverbandes Hafen Hamburg, die zusätzliche Belastung sei nicht mit der Tätigkeit als HPA-Chef zu vereinbaren. Als Alternativlösung käme Eckart Westphalen, 72, infrage.