Der HSV verliert 0:1 gegen Bayern München

Frank Rost verletzt: Jetzt richtet sich der Blick nach unten

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Nun hat der Hamburger SV schon acht Punkte Rückstand auf Platz drei. Torhüter Rost droht wegen einer Verletzung am Ellenbogen eine Pause.

München. Das ganz große Spektakel wurde erst nach dem prestigeträchtigen Nord-Süd-Gipfel in der Allianz-Arena geboten. Nachdem sämtliche Hamburger längst in ihrer Kabine verschwunden waren, ließen es die stolzen Gastgeber dann doch noch einmal so richtig krachen. In feurigen Buchstaben leuchtete am Mittelkreis "110 Jahre FC Bayern - Mir san mir" auf und erinnerte die Fans an den runden Geburtstag des Rekordmeisters. So hatten die verbliebenen Zuschauer doch noch einen echten Grund zum Jubeln, während der vorangegangene 1:0-Sieg der Münchner gegen den HSV die 69.000 Arena-Besucher nur selten von den Sitzen gerissen hatte. "Wir waren mindestens ebenbürtig, hätten einen Punkt mehr als verdient gehabt", ärgerte sich Bruno Labbadia, der nur zu gern Münchens Geburtstagsparty gründlich verdorben hätte.

Drei Tage nach "der schönsten Niederlage des Jahres" in Eindhoven blieb für die 8000 mitgereisten HSV-Fans unterm Strich diesmal also eine "vermeidbare Niederlage" (O-Ton Piotr Trochowski) beim seit 17 Spielen ungeschlagenen Rekordmeister. Allerdings wusste der frühere Münchner Trochowski ganz genau, dass die Pleite beim neuen - erstmals seit 57 Spieltagen und 652 quälenden Tagen - Tabellenführer auch unmittelbare Auswirkungen für die Hamburger haben wird: "Wir hatten heute die Riesenchance, näher an die Spitze heranzurücken. Diese Chance haben wir leider verpasst." Mit nun zwölf Punkten Rückstand auf Platz eins und immerhin noch acht Punkten Rückstand auf den dritten Rang, der zur Qualifikation der Champions League berechtigt, muss der HSV seine Saisonziele wohl oder übel neu definieren. "Wenn wir wieder in Tritt kommen, ist mit uns noch zu rechnen. Wir geben uns jedenfalls nicht auf", verzichtete Labbadia unmittelbar nach dem Spiel zwar auf eine offizielle Kurskorrektur, doch der Traum vom Erreichen der Königsklasse dürfte spätestens nach dem 14. sieglosen Spiel der Saison vorüber sein.

Stattdessen richtet sich der Blick nach unten - im Kampf um die Plätze vier und fünf, die zur Teilnahme an der Europa League berechtigen. Dabei musste selbst Trainer-Griesgram Louis van Gaal anerkennen, dass den Hamburgern an diesem Sonntagnachmittag nicht viel gefehlt hatte, die seit langer Zeit geplante Bayernsause gründlich zu vermiesen. "Es war ein sehr ausgeglichenes Spiel. Genau wie wir hat auch der HSV Spieler, die jederzeit ein Spiel entscheiden können", sagte der Niederländer, "nur glücklicherweise hat das heute kein Hamburger gemacht." Dafür durfte sich van Gaal bei Superstar Franck Ribéry bedanken, dem in insgesamt unspektakulären 90 Minuten ein einziger Genieblitz für eine gelungene Geburtstagsparty reichte (78.). "Das hat Ribéry nicht schlecht gemacht: Eine Körpertäuschung, dann war er plötzlich weg", staunte Ersatzkeeper Wolfgang Hesl, der den am Ellenbogen verletzten Frank Rost in der zweiten Hälfte ersetzte.

So mussten sich die bravourös kämpfenden, aber spielerisch nicht überzeugenden HSV-Profis direkt nach dem höhepunktarmen Nord-Süd-Schlager nicht nur mit einer unglücklichen Niederlage, sondern auch mit zusätzlichen Verletzungssorgen auf den Weg zurück nach Hamburg machen. "Obwohl wir bereits so viel Pech hatten, haben wir nie lamentiert. Damit werden wir auch jetzt nicht anfangen", sagte Labbadia, der sein Team trotz der Pleite mit einem trainingsfreien Montag beschenkte. Spätestens ab Dienstag soll dann die ganze Konzentration darauf verwendet werden, dass auch seiner Mannschaft wieder ein echtes Spektakel gelingt - idealerweise im und nicht erst nach dem nächsten Spiel gegen Hertha BSC.