Deutsche Fussball-Nationalmannschaft

Lahm spielt gegen Portugal auf der linken Abwehrseite

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Bislang war offen, auf welcher Seite der Kapitän verteidigen soll. Auf der rechten Abwehrbahn kämpfen Boateng und Bender um den Platz.

Danzig. Ein Innenverteidiger oder sogar ein defensiver Mittelfeldspieler, der außen spielt. Ein Kapitän, der die Seite wechseln muss. Und dazu ein Abwehrchef, der monatelang verletzt war. Die Voraussetzungen für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft, zum EM-Auftakt ausgerechnet Portugals Superstar Cristiano Ronaldo in Schach zu halten, sind alles andere als gut - wieder einmal gibt es vor einem Turnier die größten Diskussionen um die deutsche Abwehr.

Geklärt wurde aber frühzeitig, dass Spielführer Philipp Lahm in der Nationalelf in der Viererabwehrkette auf seiner gewohnten linken Seite zum Einsatz kommen wird. „Da ist er für uns am wertvollsten, da tut er unserem Spiel gut“, sagte Bundestrainer Joachim Löw. Für Lahm, der zuletzt bei Bayern München rechts gespielt hat, ist der Seitenwechsel kein Problem: „Ich kann auf beiden Seiten spielen, habe 2008 sogar mal während eines Spiels die Positionen gewechselt.“

Unklar ist noch, wer rechts spielen wird, auch die Besetzung der zweiten Innenverteidiger-Position an der Seite von Holger Badstuber ist offen. Löw brachte am Donnerstag einen Kandidaten für die rechte Seite ins Spiel, den man spätestens seit dem Trainingslager in Südfrankreich auf der Rechnung haben musste: den Leverkusener Mittelfeldspieler Lars Bender. „Er hat ein sehr großes Potenzial. Ich habe ein wahnsinnig gutes Gefühl, weil ich weiß, dass ich ihn jederzeit bringen kann“, sagte Löw über den 23-Jährigen, der zwar noch nie auf dieser Position gespielt, ihn im Training aber überzeugt habe.

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„Die erste Alternative wäre sicherlich Jerome Boateng“, sagte Löw aber auch. Auf den Bayern-Verteidiger, der vor dem Abflug nach Danzig nachts in einem Berliner Hotel mit Freunden und dem Model Gina-Lisa Lohfink abgelichtet worden war, ist der Bundestrainer allerdings nicht gut zu sprechen.

Trotz dieser Diskussionen ist sich Löw aber sicher, die Probleme in der Hintermannschaft bis zum ersten Gruppenspiel am Sonnabend (20.45 Uhr/ARD und im Liveticker auf abendblatt.de) in Lwiw in den Griff zu bekommen. „Ich bin positiver Dinge. Bei einem Turnier waren wir immer stabil. Wir werden gefestigter auftreten als gegen die Schweiz“ - beim 3:5 in Basel.

Im Training wird derzeit mit großer Intensität am Feinschliff in der Defensive gearbeitet. Immer wieder lässt Löw bei den für die Öffentlichkeit nicht zugänglichen Einheiten entsprechende Spielformen üben, damit gegen Ronaldo und Co. die Automatismen sitzen.

Torwart Manuel Neuer ist überzeugt davon, dass die Zeit bis Sonnabend ausreicht. „Wir haben das drin. Wir sind alle gestandene Nationalspieler und wissen, dass wir Verantwortung übernehmen müssen. Wir verstehen unseren Job“, sagte der 26-Jährige. Wichtig sei, fügte Per Mertesacker (27) an, „dass wir gesamtmannschaftlich gut verteidigen“.

Mertesacker, der nach langer Pause ohne Spielpraxis in die Vorbereitung gestartet war, wird trotz durchwachsener Form in den Tests gegen die Schweiz und Israel (2:0) bei der EM den Vorzug vor dem Dortmunder Mats Hummels erhalten und zusammen mit dem gesetzten Münchner Holger Badstuber die Innenverteidigung bilden. Dabei soll der England-Legionär vom FC Arsenal wie bei den Turnieren 2006, 2008 und 2010 zu einer festen Größe werden. Am Donnerstag musste er nach einem Zusammenprall mit Jerome Boateng das Training abbrechen, sein Einsatz gegen Portugal ist aber nicht in Gefahr. „Das ist kein Problem“, sagte Löw.

Neuer ist egal, wer letztendlich vor ihm spielt: „Wir haben Top-Innenverteidiger, die alle auch außen spielen können.“ Dies gelte prinzipiell auch für die Außen, wo sich Benedikt Höwedes oder Marcel Schmelzer wie erwartet mit der Reservisten-Rolle anfreunden müssen.

Die Probleme auf den Außenbahnen sind für Löw jedoch nicht neu. 2010 durften sich Badstuber und Boateng auf links versuchen - mit mäßigem Erfolg. Dennoch stand bei der WM in Südafrika die Defensive um Mertesacker und Arne Friedrich weitgehend sicher. Auch 2008 und 2006 waren die Diskussionen um die Abwehr wärend der Turniere verstummt. Dabei hatte es gerade vor der EM 2008 einige heftige Attacken gegen Christoph Metzelder und Mertesacker gegeben: Die Rede war von „Schleich und Schnarch“. (sid/dapd/HA)

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