Champions League

Dortmund blamiert sich, Leipzig droht das Vorrunden-Aus

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Die Dortmunder Spieler nach dem Abpfiff: Applaus gab es nur für das Heimpublikum

Die Dortmunder Spieler nach dem Abpfiff: Applaus gab es nur für das Heimpublikum

Foto: Reuters

Die Champions-League-Partien am Mittwoch liefen aus deutscher Sicht überhaupt nicht gut. Die Engländer hatten mehr zu jubeln.

Leipzig droht das Vorrunden-Aus

Hamburg. RB Leipzig droht nach einem erneut schwachen Auswärtsspiel das Vorrunden-Aus in der Champions League. Der Bundesliga-Vizemeister verlor beim FC Porto verdient 1:3 (0:1) und musste den portugiesischen Topklub auf Tabellenplatz zwei an sich vorbeiziehen lassen.

Vor 41.616 Zuschauern im Estadio do Dragao reichte der zwischenzeitliche 1:1-Ausgleichstreffer (48.) des erst zur zweiten Halbzeit eingewechselten Nationalstürmers Timo Werner nicht für einen Punkt. Nach den zwei zermürbenden Niederlagen gegen Bayern München im DFB-Pokal und in der Liga fehlten den Leipzigern die körperliche und mentale Frische. Den verdienten Sieg für Porto machten Kapitän Hector Herrera (13.), Danilo Pereira (61.) und Maxi Pereira (90.+3) perfekt.

"Wir machen die selben Fehler wie im Hinspiel, als wir auch durch Standards Tore kassiert haben. Solche Fehler brechen einem in der Champions League das Genick", sagte Torschütze Werner nach dem Schlusspfiff im ZDF. Auch im womöglich entscheidenden Direktvergleich hätte RB nun die schlechteren Karten. Im vorletzten Gruppenspiel in drei Wochen bei AS Monaco ist für Leipzig ein Sieg fast schon Pflicht, um die Chance auf das Achtelfinale in der Königsklasse zu wahren.

Porto ging mit der ersten Chance in Führung

Nach einem verhaltenen Beginn ging Porto praktisch mit der ersten Chance des Spiels in Führung. Bei einem Eckball war die Leipziger Hintermannschaft gleich mehrmals unsortiert, und der zuletzt überragende Torhüter Peter Gulacsi bekam beim Schuss von Herrera nur noch die Fingerspitzen an den Ball. Eine Minute vor dem Treffer hatten die Portugiesen verletzungsbedingt Stürmer Moussa Marega auswechseln müssen.

Danach war deutlich mehr Tempo im Spiel. Die Hausherren, bei denen Champions-League-Rekordspieler Iker Casillas (166 Einsätze) erneut nur auf der Bank saß, hatten in der 18. Minute durch den eingewechselten Andre Andre die große Chance zum 2:0. Auf der Gegenseite lenkte Casillas-Vertreter Jose Sa einen direkten Freistoß von Emil Forsberg über die Latte.

Leipzig tat sich spielerisch schwer

Anders als in Istanbul ließen sich die Leipziger zwar von der Stimmung im Stadion und dem Rückstand nicht beeindrucken, doch spielerisch tat sich das Team von Trainer Ralph Hasenhüttl schwer. Porto stand defensiv sehr sicher, die beiden Viererketten machten geschickt die Räume eng, so dass RB kaum gefährliche Konter setzen konnte. Auch Naby Keita, der seine Schienbeinprellung rechtzeitig auskuriert hatte, war lange Zeit mit dem Spielaufbau überfordert.

Hasenhüttl reagierte in der Halbzeit: Er brachte zur zweiten Hälfte in Werner einen frischen Stürmer und stellte auf ein System mit zwei Spitzen um. Der Plan ging schnell auf, nach einem langen Ball von Marcel Sabitzer traf Werner zum 1:1. Doch Porto antwortete mit wütenden Angriffen, RB geriet immer stärker unter Druck und kassierte noch zwei Treffer.

Dortmund blamiert sich gegen Außenseiter Nikosia

Das Achtelfinale in der Champions League verspielt, die Generalprobe für das Bundesliga-Topspiel verpatzt: Borussia Dortmund steckt weiter in der Krise. Der seit Wochen schwächelnde DFB-Pokalsieger blamierte sich auch beim 1:1 (1:0) gegen APOEL Nikosia in der Königsklasse und muss nach nur zwei Punkten aus vier Spielen nun auch um den Trostpreis Europa League bangen. Raphael Guerreiro (29.) brachte den BVB gegen Zyperns Meister zwar in Führung, doch Mickael Pote (51.) schockte mit seinem Ausgleich die Gastgeber drei Tage vor dem Duell mit Spitzenreiter Bayern München am Samstag (18.30 Uhr/Sky).

Peter Bosz blieb trotz aller Kritik seinem 4-3-3-System mit einer hoch stehenden Defensive treu. Nationalspieler Julian Weigl nahm die Position des einzigen Sechsers ein, davor durfte Shinji Kagawa an der Seite von WM-Held Mario Götze ran. Nach dem peinlichen 1:1 im Hinspiel in Nikosia übernahmen die Schwarz-Gelben vor 64.509 Zuschauern im nicht ganz ausverkauften Signal-Iduna-Park sofort das Kommando. Kagawa (10.) und der agile Christian Pulisic (11.) ließen erste Gelegenheiten aber ungenutzt. Die Gäste agierten mit einer Fünferkette äußerst defensiv, dem BVB-Spiel mangelte es an Tempo und Kreativität.

Die Dortmunder hatten zwar eine hohe Ballbesitzquote, doch wurde viel zu oft quer und zurück gespielt. Als die Gastgeber das Tempo doch einmal anzogen, wurde dies sofort belohnt. Portugals Europameister Guerreiro traf bei seinem Startelf-Debüt in dieser Saison nach längerer Verletzungspause nach schönem Direktpass von Kagawa frei vor APOEL-Torhüter Nauzet Perez zur Führung. Bis zur Pause verfiel der BVB aber trotz des schön herausgespielten Treffers wieder in den alten Trott. Immerhin ließ die zuletzt bedenklich wacklige Defensive gegen einen allerdings auch äußerst harmlosen Gegner in den ersten 45 Minuten nichts zu.

Kurz nach dem Seitenwechsel traf Pote zum Ausgleich für Nikosia

Das sollte sich kurz nach dem Seitenwechsel ändern. Wie schon im Hinspiel traf der Ex-Dresdner Pote, die Dortmunder Abwehr leistete dabei nur Geleitschutz. Nach dem unverhofften Ausgleich zog sich Nikosia weit zurück, der BVB rannte an und suchte die Lücke. Kagawa (55.) verzog knapp, Guerreiro scheiterte zudem am stark reagierenden Perez (64.). Dem Dortmunder Spiel mangelte es aber weiter an Überraschungsmomenten, die Mannschaft wirkte nach zuletzt drei Bundesligaspielen ohne Sieg verunsichert. Kein Direktspiel, kein Risikopass, keine Tempodribblings - Dortmund machte es einem Gegner mit begrenzten Möglichkeiten über weite Strecken leicht. Pech hatten die Schwarz-Gelben allerdings, als Schiedsrichter Matej Jog (Slowenien) nach einem Handspiel von Roland Sallai nicht auf Elfmeter entschied (70.). In der 77. Minute setzte Pierre-Emerick Aubameyang einen Kopfball nach Flanke von Pulisic an die Latte.

Tottenham und Manchester sicher weiter, Liverpool auf Kurs

Die englischen Fußball-Teams Tottenham Hotspur und Manchester City haben sich für das Achtelfinale in der Champions League qualifiziert. Die Spurs besiegten am Mittwoch in der Dortmunder Gruppe H den Titelverteidiger Real Madrid und Weltmeister Toni Kroos mit 3:1 (1:0) und haben zwei Spieltage vor Schluss als Tabellenführer zehn Punkte. Manchester gewann in Gruppe F mit 4:2 (1:1) beim SSC Neapel. Das Team des früheren Bayern-Trainer Pep Guardiola aus Manchester führt die Gruppe mit zwölf Punkten an. Der FC Liverpool ist mit Trainer Jürgen Klopp durch den 3:0 (0:0)-Sieg gegen NK Maribor gleichfalls auf Kurs in die K.o.-Runde. In den weiteren Partien siegte der FC Sevilla 2:1 gegen Spartak Moskau, Schachtar Donezk setzte sich mit 3:1 gegen Feyenoord Rotterdam durch.

( dpa/sid/HA )