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Draxler-Posse: VfL Wolfsburg spricht Machtwort

Julian Draxler (li.), hier beim Training mit Teamkollegen Dante, muss vorerst beim VfL Wolfsburg bleiben.

Julian Draxler (li.), hier beim Training mit Teamkollegen Dante, muss vorerst beim VfL Wolfsburg bleiben.

Foto: Hermann Hay / dpa

Julian Draxler will weg aus Wolfsburg und möchte seinen Rauswurf provozieren. Der VfL Wolfsburg schiebt seinen Plänen einen Riegel vor

Julian Draxler musste zum Rapport. „Ich erwarte, dass Julian zur Professionalität zurückkehrt“, sagte Trainer Hecking am Donnerstag dem Sender „Sky Sport News HD“. Draxler flog nicht mit zum Testspiel am Abend in Malmö. Der wechselwillige Nationalspieler blieb wegen einer Verletzung an der Patellasehne in Wolfsburg. Nach Informationen der „Bild“ sollte er am Nachmittag beim VW-Vorstand und Aufsichtsratschef Francisco Javier Garcia Sanz vorstellig werden. Der Club wollte das auf Nachfrage weder dementieren noch bestätigen.

Die VW-Führung fordert eine persönliche Stellungnahme des Fußball-Profis. Mit seinem per Zeitungsinterview geäußerten Wechselwunsch nach nur einem Jahr in Wolfsburg hatte er für reichlich Wirbel und viel Ärger gesorgt. Fest steht, dass Draxler ins VfL-Trainingslager nach Bad Waltersdorf in Österreich nachreisen wird. Der EM-Teilnehmer möchte Wolfsburg zwar unbedingt noch im August verlassen, doch die Niedersachsen haben diesem Plan einen Riegel vorgeschoben. Dabei ist der Ex-Schalker nicht der erste Star, der weg aus Wolfsburg will.

Wolfsburg laufen die Stars davon

Im vergangenen Jahr waren es Ivan Perisic (Inter Mailand/20 Millionen Euro) und Kevin De Bruyne (Manchester City/75), die Wolfsburg trotz Champions League und DFB-Pokalsieg den Rücken kehrten. Nun verließen André Schürrle (Borussia Dortmund/30) und Naldo (Schalke 04/ablösefrei) den Verein. Max Kruse, als Nationalspieler vor einem Jahr von Borussia Mönchengladbach verpflichtet, flüchtete nach einer Saison mit vielen privaten Negativschlagzeilen für etwa 7,5 Millionen Euro zu Werder Bremen.

Kein Top-Club musste in den vergangenen beiden Jahren so viele Stars ziehen lassen wie Wolfsburg. „Wir können hier auch keine Mannschaft aufbauen, die dann drei bis vier Jahre zusammen bleibt. Wir werden in der Regel Spieler haben, die besonders gut sind und uns dann wieder verlassen. Der Wechsel-Prozess ist bei uns schneller als woanders“, erklärte VfL-Manager Klaus Allofs im Mai in einem Interview der „Bild“. Das Ergebnis: Wolfsburg greift tief in die Tasche für Top-Spieler, die den Club aber nur als Sprungbrett zu nationalen und internationalen Spitzenvereinen sehen.

Immerhin füllten die Abgänge die Club-Klasse teilweise gewaltig. Etwa 76 Millionen Euro gaben die Wolfsburger an Ablösesummen für die genannten fünf Leistungsträger aus. Rund 132,5 Millionen Euro nahm der Verein durch ihre Verkäufe wieder ein. Das macht ein Gewinn von etwa 56,5 Millionen Euro. Doch die Norddeutschen haben hohe Ambitionen, Titel und Champions-League-Teilnahmen sind bei den VW-Oberen wichtiger als eine Top-Bilanz.

Hecking: "Erwartet professionelles Verhalten"

Jetzt hat der VfL Wolfsburg die internationalen Plätze verpasst. Allofs und Trainer Dieter Hecking wollen mit einer neu formierten Mannschaft um den 22 Jahre alten Draxler den nächsten Anlauf unternehmen. „Wenn er zu seiner Leistung findet, ist er ein Stabilisator und wichtiger Faktor in unserer Mannschaft“, sagte Hecking. Der Trainer erwartet von Draxler professionelles Verhalten. „Wir hatten ein vernünftiges und konstruktives Gespräch - auch von Julians Seite. Das muss man betonen, dass er dieses Gespräch wirklich professionell geführt hat. Wir erwarten, dass er zur Professionalität zurückkehrt“, sagte Hecking Sky Sport News HD. Der Coach ergänzte: „Es wird jetzt darauf ankommen, wie schnell Julian mit seinen Gedanken wieder beim VfL ist. Ich hoffe, dass er zu seiner Leistung findet, weil er dann für uns sicherlich ein sehr wichtiger Stabilisator und Faktor ist.“

Draxler hatte in einem Bild-Interview seiner Forderung Ausdruck verliehen, die Wölfe nach nur einer Saison wieder verlassen zu wollen. Sein Vertrag beim VfL läuft allerdings noch bis 2020. Dieses Ansinnen war vonseiten der Niedersachsen abgelehnt worden.