Deschamps dämpft Erwartungen

Frankreichs Trainer tritt vor dem Achtelfinale gegen Nigeria als Mahner auf, während das Land jubelt

Rio de Janeiro. Der maue Auftritt zum Vorrundenende kam Didier Deschamps gerade recht: Nach den ersten Titelträumen holte Frankreichs Trainer die Fans zurück in die Realität – nur seine Spieler hielten sich nicht an das Understatement. „Manche haben gedacht, dass wir die Könige der Welt sind, aber vergesst nicht, dass andere auch Qualitäten haben“, warnte Deschamps vor dem Achtelfinale am Montag gegen Außenseiter Nigeria.

Das enttäuschende 0:0 gegen Ecuador, mit dem Karim Benzema und Co. in Rios legendärem Estadio do Maracanã das Weiterkommen als Gruppensieger perfekt machten, war für Deschamps der willkommene Realitätscheck. „Wir wollen unsere Arbeit beenden und unsere Dynamik aufrechterhalten, aber wir haben noch nichts erreicht“, sagte Deschamps in der Hoffnung, die überbordende Euphorie um sein Team einfangen zu können. Frankreichs Präsident François Hollande ließ sich davon nicht beeindrucken und twitterte Glückwünsche an die Mannschaft.

„Gebremst, aber Erste“, titelte „L'Équipe“ am Donnerstag. Und dennoch wurde der frühere Weltmeister immer wieder mit dem weiteren Turnierverlauf konfrontiert: Zuerst die afrikanischen „Super Eagles“, danach im Viertelfinale eventuell das Team von Bundestrainer Joachim Löw, vielleicht sogar ein Aufeinandertreffen mit Brasilien? „Lasst uns doch jedes Spiel nacheinander angehen“, flehte Deschamps. „Nigeria ist ein solides und schnelles Team, deshalb wird das ein sehr hartes Match.“

Vor allem wenn die Aussetzer zweier Säulen seiner Mannschaft Konsequenzen nach sich ziehen sollten. In der Anfangsphase donnerte Innenverteidiger Mamadou Sakho seinem Gegenspieler Oswaldo Minto den linken Ellenbogen ins Gesicht, gegen Ende leistete sich Stürmer Olivier Giroud ein ähnliches, wenn auch weniger brutales Vergehen gegen Gabriel Achilier. Beide hätten sich über Rote Karten nicht beschweren können. „Ich respektiere immer den Gegner“, sagte Sakho, der mit einer eigenwilligen Interpretation seiner unfairen Aktion überraschte: „Ich wollte mich schützen.“ Der Weltverband Fifa wird übrigens nicht gegen den Übeltäter ermitteln.

Ungeachtet des Fehlverhaltens dachten Sakhos Teamkollegen nach der mit einer B-Elf erfüllten Pflichtaufgabe gegen das einzige in der Vorrunde gescheiterte Team aus Südamerika schon weiter. Warum sollte auf die zweitbeste Vorrunde ihrer WM-Geschichte nicht ein ähnlicher Coup wie 1998 gelingen – damals war Frankreich, beflügelt von drei Vorrundensiegen, zum bislang einzigen Titel gestürmt.

„Wenn wir nicht daran glauben, Weltmeister zu werden, können wir auch gleich aufhören“, formulierte Mittelfeldspieler Morgan Schneiderlin nach seinem erst zweiten Länderspiel forsch.