Marco Reus sehnt sich nach dem ersten Titel

Der Nationalspieler könnte für Borussia Dortmund im Finale den Unterschied ausmachen

Berlin. Es ist nicht so einfach, Marco Reus in Verlegenheit zu bringen, aber Andrea Schürmann schaffte es. Sie ist die erste Trainerin, die Reus in seiner Karriere hatte, quasi seine Entdeckerin. Und als Schürmann anlässlich einer Talkrunde, zu der sie als Überraschungsgast eingeladen war, ihrem ehemaligen Schützling ein Präsent aus längst vergangenen Zeiten überreichte, wirkte Reus peinlich berührt. Das Geschenk - sein erstes Trikot und seine erste Fußball-Hose in gerahmter Form - sorgte für Gelächter: Der Dress, knapp geschnitten im modischen Stil der 90er-Jahre, wirkte winzig.

Der 24-jährige Reus war in seinen Anfängen der Kleinste beim Post SV Dortmund. Als ihn seine Eltern 1993 anmeldeten, hätte er eigentlich noch gar nicht in der F-Jugend spielen dürfen. Was ihn nicht davon abhielt, auf Anhieb Torschützenkönig zu werden.

21 Jahre später hat Reus diese Auszeichnung in der Bundesliga verpasst. 16 Treffer erzielte er, nur vier weniger als Teamkollege Robert Lewandowski. Doch Reus bereitete 14 Tore vor, mehr als jeder andere Ligaspieler. Dass die Dortmunder nicht als Außenseiter ins Spiel gegen die Bayern gehen – das hat viel mit Reus zu tun. „Marco war zuletzt in einer herausragenden Verfassung“, sagte Trainer Jürgen Klopp. Nachdem Reus selbst mit seiner Hinrunde nicht zufrieden war, ging er in sich. Er arbeitete an seinem Eins-gegen-Eins-Spiel, feilte an seinem Dribbling.

Spätestens am 8. April, als der BVB Real Madrid zum Viertelfinal-Rückspiel in der Champions League empfing, gab es wieder den alten Marco Reus zu sehen. Danach sorgte eine Maßnahme von Klopp dafür, dass sein Selbstvertrauen noch weiter wuchs: Vor dem Bundesligaspiel beim FC Bayern, das der BVB 3:0 gewann, stellte ihn der Coach in die Mittelfeldzentrale. „Das kam mir entgegen“, erklärte Reus.

Die Gerüchte um Reus‘ Zukunft bekommen seitdem neue Nahrung. Manchester United und auch den Bayern wird Interesse nachgesagt. Reus steht noch bis 2017 unter Vertrag. Eine Ausstiegsklausel erlaubt es ihm, 2015 für eine Ablöse von 35 Millionen Euro den Verein zu wechseln. Die Dortmunder sind seit längerem bestrebt, ihm diese Klausel abzukaufen. Und dabei durchaus optimistisch. „Marco hat eine hohe Identifikation mit dem Verein, mit der Stadt“, sagte Zorc.

Von dem „einmaligen Gefühl“, von hunderttausenden Menschen in Dortmunds Straßen gefeiert zu werden, haben ihm die Kollegen, die das 2012 zuletzt erlebt haben, schon viel berichtet. Jetzt will es Reus selbst erleben.