„Wir wissen, dass wir Geschichte schreiben können“

Die Bayern setzen im Champions-League-Rückspiel gegen Real Madrid vor allem auf die Unterstützung ihrer Fans. Das zweite Halbfinale wird weltweit übertragen

München. Vereinschef Karl-Heinz Rummenigge hat Real Madrid die „Hölle“ in München versprochen, auch Pep Guardiola und seine Spieler setzen bei der Aufholjagd im eigenen Stadion voll auf den Heimvorteil. „Wir, der Trainer und die Spieler, können es nicht alleine machen. Die Fans wollen auch das Finale schaffen“, warb der Trainer des FC Bayern um totale Unterstützung.

Mit 68.000 frenetischen Zuschauern im Rücken möchte der Titelverteidiger das Traumziel Lissabon am Dienstag (20.45 Uhr/ZDF und Sky) trotz der 0:1-Hypothek aus dem Hinspiel in Madrid doch noch buchen. „Real weiß, dass es noch nicht vorbei ist. Wir werden alles reinlegen, um ins Finale zu kommen“, verkündete Arjen Robben am Montag kämpferisch.

Schon das verbale Vorspiel am Montag beschrieb die Brisanz einer Partie, über die 880 Medienvertreter berichten werden. In jedes Land der Welt, bis auf Nordkorea, sollen nach Angaben von Bayern-Sprecher Markus Hörwick TV-Bilder flimmern. Passend zu dem Spektakel dozierte der Kosmopolit Guardiola im Pressesaal gleich in vier Sprachen – Deutsch, Spanisch, Englisch und Italienisch – über das bayrisch-königliche Gigantenduell.

Guardiola weiß, dass sich etwas ändern muss im Vergleich zum ertraglosen Münchner Dominanzauftritt in Madrid. „Wir müssen effektiver spielen“, sagte der Katalane. Vom Ballbesitzfußball will er aber auch beim „Finale vor dem Finale“ nicht abrücken. Es gehe um die Balance, die er finden müsse, jene zwischen Mut zum Risiko und der Furcht vor Reals Konterstärke mit den Turbostürmern Cristiano Ronaldo, Gareth Bale und auch Hinspieltorschütze Karim Benzema. „Sie haben viele Spieler, die uns wehtun können. Wir müssen versuchen, sie von unserem Tor fernzuhalten.“

Alles schwankt zwischen Mut und Vorsicht. „Mehr Aggressivität im Strafraum“, forderte Guardiola. Das könnte für die Hereinnahme des unberechenbaren Thomas Müller in der Offensive sprechen. „Es ist einfach: Wir müssen nach vorne spielen und Tore schießen“, verkündete Robben.

Real dürfte wieder auf die defensive Überfalltaktik der ersten 90 Minuten vertrauen. Ein Sieg muss gar nicht Madrids Ziel sein. „Ich bin überzeugt, dass sie auf das Auswärtstor spielen werden“, sagte Guardiola voraus. Ein Real-Tor – und die seit Wochen hinten instabilen Bayern müssten schon drei erzielen, um ins Endspiel gegen den FC Chelsea oder Atlético Madrid zu stürmen. „Wir wissen, dass wir Geschichte schreiben können“, sagte Robben.

Auch Guardiola mochte die Bedeutung der Partie nicht kleinreden. Aber der Katalane warnte auch vor überzogenen Erwartungen, die nach dem Titel-Triple 2013 in München herrschen. „Wir müssen zufrieden sein mit jedem kleinen Erfolg, sonst haben wir ein Problem“, sagte er. Eine gute Saison entscheide sich für ihn nicht in 90 oder 120 Minuten gegen Real Madrid.

Starke Einzelspieler allein werden nicht genug sein, sagte Guardiola jedoch, der erstmals in einem Spiel mit dem FC Bayern mit dem Rücken zur Wand steht. Einem Rückstand liefen die Pep-Bayern noch nie nach. „Wir brauchen die bestmögliche Leistung, um das Finale zu erreichen“, sagte der Mann, dem Bayern-Chef Rummenigge am Montag erneut Genialität bescheinigte und volles Vertrauen aussprach: „Pep wird den Schlüssel finden.“