Das Toben der Trainer im Abstiegskampf

Verbeek attackiert Streich. Lieberknecht muss auf die Tribüne. Sieg für Werders Dutt

Hamburg. Es sind nur noch sechs Spieltage. In 540 Minuten plus Nachspielzeit wird sich entscheiden, wer die Klasse hält, wer direkt absteigt und wer über den Umweg Relegation um den Verbleib im Oberhaus kämpfen wird. Entsprechend groß ist die Anspannung – vor allem bei den Trainern.

Besonders deutlich war dies beim 3:2-Sieg des SC Freiburg gegen den 1. FC Nürnberg. Am Ende eines hochemotionalen Duells wollte sich der Nürnberger Trainer Gertjan Verbeek nicht einmal mit seinem Freiburger Widersacher Christian Streich an einen Tisch setzten. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) schreibt zwar vor, dass nach einer Bundesligapartie beide Trainer zur Pressekonferenz erscheinen müssen. Streich aber saß allein auf dem Podium und mimte die Unschuld vom Lande. Was Verbeek ihm da andichten wolle, sei „die völlige Unwahrheit. Ich beschimpfe doch keinen Kollegen, völliger Wahnsinn“. Tatsächlich?

Streich zetert bei jeder strittigen Aktion Richtung gegnerische Bank. Und mit ihm gern auch der Rest des Freiburger Trosses jenseits des Platzes. Wie gegen Nürnberg, Streich und der Rest der Bande bauten sich fortwährend vor Verbeek auf. Dem wurde das zu bunt, was in eine legendäre Wutrede gipfelte, die es in die Annalen der Bundesligahistorie schaffen könnte. „Wenn man sieht, wie der Trainer mich beschimpft hat, das ist unverschämt, brutal, respektlos! Das habe ich noch nie mitgemacht. Ich gehe auch nicht zur Pressekonferenz und setze mich neben diesen Mann, das ist ein Kollege von mir, das ist brutal, das gibt’s doch gar nicht! Das ist unverschämt, wie man hier empfangen wird! Wie ein Verrückter hat er agiert, bei jedem Mal, wenn etwas passiert ist.“

Verbeeck attackierte auch Schiedsrichter Jochen Drees (Mainz), der einen Foulelfmeter für Freiburg gepfiffen und den Nürnberger Verteidiger Emanuel Pogatetz vom Platz gestellt hatte: „Wir haben fast die ganze Zeit gegen zwölf Mann gespielt. Wenn ein Spieler so schlecht spielt, dann spielt er nicht das nächste Mal. Das heißt: Er darf nicht mehr pfeifen. Da muss der Deutsche Fußball-Bund Maßnahmen ergreifen, aber die machen das nicht, die verteidigen immer.“

Auch Verbeeks Frankfurter Kollege Armin Veh war wütend auf die Schiedsrichtergilde, da die mögliche 2:0-Führung für die Eintracht durch Joselu in Wolfsburg wegen angeblicher Abseitsstellung aberkannt wurde – eine klare Fehlentscheidung. So unterlag das Veh-Team am Ende 1:2. „Mich ärgert es, wenn der Linienrichter die Spiele entscheidet“, tobte Veh. Ob er ihn noch mal aufsuchen wolle? „Mit dem brauche ich nicht sprechen, der soll seinen Job machen. Der hat auch letztes Jahr schon ein Spiel von uns entschieden. In Stuttgart hat er uns ein Tor abgepfiffen, das ein klares war. Wir hätten heute wichtige Punkte holen können und haben das trotz einer sehr guten Leistung nicht“, sagte Veh. Tatsächlich hätte er mit einem durchaus möglichen Sieg etwas ruhiger seinem Abschied von Eintracht Frankfurt entgegenblicken können. So aber bleibt es ein zehrendes Nervenspiel. Die 32 Punkte sind zu wenig, um sich wirklich sicher fühlen zu können.

Torsten Lieberknecht war der Bundesliga-Nachmittag ebenfalls verdorben. Seine Braunschweiger erhielten zwar durch ein 1:1 bei Bayer Leverkusen die kleine Hoffnung im Abstiegskampf, doch er sah das Ende des Spiels wieder mal von der Tribüne, das dritte Mal in dieser Saison wurde er vom Schiedsrichter des Feldes verwiesen. „Ein Witz“, haderte Lieberknecht, er habe sich zwar aufgeregt, aber ohne jemanden zu beleidigen, wie er beteuert: „Ich habe zu keinem Schiedsrichter etwas gesagt.“ Gut möglich, dass er dennoch eine Strafe bekommt. Der Ausgang dieser Angelegenheit aber dürfte spannend werden. Lieberknecht will nämlich nicht wie üblich an den DFB überweisen. „Wenn ich eine Strafe bekomme, dann entscheide ich, wohin ich die bezahle.“

In Stuttgart vermutet man inzwischen höhere Mächte als Ursache der Misere. „Das Schicksal möchte nicht, dass wir Spiele gewinnen. Momentan ist es wie verhext, sehr enttäuschend“, sagte VfB-Schlussmann Sven Ulreich. Trotz einer 2:0-Führung gingen die Schwaben beim 2:3 gegen Dortmund erneut leer aus, Nationalspieler Marco Reus dreht das Spiel mit drei Treffern. „Es gibt eine Statistik, dass wir 28 Punkte nach Führung verloren haben. Das gab es, glaube ich, auch noch nie“, haderte Sportvorstand Fredi Bobic.

In Hannover gelang hingegen Werder Bremen am Sonntag ein großer Schritt Richtung Klassenerhalt. Das zuletzt enttäuschende Team von Trainer Robin Dutt siegte trotz des 0:1-Rückstands durch Hannovers Szabolcs Huszti (43.) dank der Treffer von Stürmer Franco di Santo (57.) und Innenverteidiger Sebastian Prödl (90.) mit 2:1 und hat nun acht Punkte Vorsprung auf den Tabellen-16. Stuttgart. „Wir sind aber noch nicht am rettenden Ufer und dürfen nicht anfangen zu glauben, wir wären schon irgendwo“, warnte Werders Sportdirektor Thomas Eichin. Er lobte aber auch: „Wir haben ein richtig gutes Spiel gemacht und verdient gewonnen.“

Für die Hannoveraner war die Heimniederlage gegen den zuvor punktgleichen Nordrivalen dagegen ein weiterer Rückschlag. Aus den jüngsten neun Spielen hat das Team von Trainer Tayfun Korkut nur einen Sieg geholt. Die Bedeutung der Partie war auch in den Coachingzonen zu spüren. Korkut und sein Bremer Kollege Dutt bejubelten jeden gewonnenen Zweikampf ihrer Spieler mit erhobenen Fäusten. (HA)