Und wieder lockt das Bruderduell

Im zweiten Gruppenspiel gegen Ghana könnten Jerome und Kevin-Prince Boateng aufeinandertreffen

Hamburg. Kevin-Prince Boateng jubelte, dann griff er sofort zu seinem Smartphone. „Bruder, es ist wieder so weit. So schön ist das Leben!“, twitterte der ghanaische Fußball-Nationalspieler nach der WM-Auslosung. In Brasilien heißt es 2014 wie schon 2010 in Südafrika: Boateng gegen Boateng – Kevin-Prince gegen seinen Halbbruder Jerome, der für Deutschland spielt. „Bei den wichtigen Spielen liege ich vorn“, meinte der Jüngere, Jerome, kürzlich vor dem Bundesligaduell seiner Bayern gegen Schalke und erinnerte an das 1:0 der deutschen Mannschaft im Gruppenspiel 2010 gegen die Auswahl seines Halbbruders. Sollten beide Geschwister im nächsten Sommer wieder dabei sein, könnte es am zweiten Vorrundenspieltag am 21. Juni (21 Uhr) in Fortaleza zur Revanche kommen.

Ghana, das zum dritten Mal in Serie die WM-Teilnahme schaffte, gehört seit Jahren zu den besten afrikanischen Mannschaften. Schon 2006 in Deutschland und 2010 in Südafrika überzeugten die „Black Stars“ mit starken Leistungen. Vor acht Jahren bezwangen die Ghanaer in der Gruppenphase Tschechien und die USA und zogen hinter Italien in die K.-o.-Runde ein. Dort scheiterten sie dann im Achtelfinale mit 0:3 an Rekordweltmeister Brasilien.

2010 überstand die Mannschaft von Cheftrainer James Kwesi Appiah erneut als einziges afrikanisches Team die Gruppenphase. Nach dem Achtelfinalsieg gegen die USA war dann erst im Viertelfinale Endstation. Dort unterlag der derzeitige Weltranglisten-23. in einem der spannendsten Turnierspiele Uruguay im Elfmeterschießen. Damals hatte Asamoah Gyan in der letzten Spielminute der Verlängerung einen von Uruguays Superstar Luis Suárez verursachten Handelfmeter an die Latte geschossen. Im Elfmeterschießen traf Gyan zwar, dennoch siegte Uruguay 4:2. So verpasste es Ghana nur hauchdünn, als erste afrikanische Mannschaft in ein WM-Halbfinale einzuziehen.

Trotz der Niederlagen bei der Afrikameisterschaft im Februar gegen Burkina Faso (Halbfinale) und Mali (Spiel um Platz drei) hielten die Verantwortlichen an Trainer Appiah fest. Dabei verlief auch die WM-Qualifikation zunächst schleppend. Am Ende sicherte sich das Team um Torjäger Gyan, der bei Al Ain in den Vereinigten Arabischen Emiraten spielt, Chelsea Londons Michael Essien und den Schalker Boateng in den Play-off-Spielen gegen Ägypten (6:1/1:2) doch noch ungefährdet das Ticket für Brasilien.

In Südamerika ist den technisch versierten und schnellen Spielern aus Westafrika einiges zuzutrauen. Als Prunkstück gilt das Mittelfeld um Essien, Juventus-Star Kwadwo Asamoah und Boateng. Erstes Ziel der „Schwarzen Sterne“ ist erneut das Erreichen der K.-o.-Runde. Aber vielleicht setzt das Team bei den klimatischen Bedingungen in Brasilien ja zum Höhenflug an. Verbandspräsident Kwesi Nyantakyi sagte: „Wir wollen die erste afrikanische Mannschaft sein, die die WM gewinnt. Dazu haben wir das Potenzial. Ich bin sehr optimistisch.“

Diese Meinung teilt auch Kevin-Prince Boateng. „Ich glaube, wir sind noch stärker als 2010. Wir können für eine große Überraschung sorgen“, sagte der 26-Jährige, der im Play-off-Rückspiel am 19. November in Kairo sein Comeback im Nationaltrikot gegeben hatte. Für den Schalker war es das erste Länderspiel seit 2011. Wegen der hohen Belastung hatte sich Boateng aus dem Nationalteam zurückgezogen. Im September holte ihn Appiah für das entscheidende Gruppenspiel gegen Sambia zurück. Wegen Problemen mit dem linken Knie kam der Offensivstar beim 2:1 in Kumasi noch nicht zum Einsatz. Auch im ersten Play-off-Spiel fehlte er, erst in Kairo bestritt der ehemalige deutsche U21-Nationalspieler sein zehntes Länderspiel für Ghana.