Mit Willen und Leidenschaft

Aufsteiger Eintracht Braunschweig feiert beim ungeliebten Nachbarn Wolfsburg seinen ersten Sieg

Wolfsburg. Am Ende musste der alte Asterix-Vergleich herhalten. „Momentan sind wir das kleine gallische Dorf“, sagte also Trainer Torsten Lieberknecht von Eintracht Braunschweig. „Und heute hat das gallische Dorf verdient gewonnen.“ Dass der erste Sieg der Eintracht in dieser Saison ausgerechnet im Derby beim VfL Wolfsburg gelang, kam für einen wie Eintrachts Offensivmann Mirko Boland gar einer „romantischen Fügung“ gleich. „Vielleicht musste es so kommen“, sagte er.

Es waren höchst emotionale Szenen, die sich am Sonnabend in der Wolfsburger Arena und auch in Braunschweig abspielten. Vor Glück weinende Eintracht-Anhänger, die Trainer Lieberknecht feierten. Eintracht-Spieler, die das 2:0 in ganz anderen Dimensionen gewertet wissen wollten. „Geil, atemberaubend, unglaublich“, sagte Boland. Der Sieg sei einer für „die Fans, die Stadt, die ganze Region.“

Und das ganz ohne Zaubertrank: Am Sonntagvormittag erzählte der enttäuschte Wolfsburg-Trainer Dieter Hecking im „Sport1-Doppelpass“, wie er vor dem Anpfiff den Braunschweiger Spielerkreis beobachtet hatte, einer habe auf ein Plakat der VfL-Fans gezeigt, wo von „Vorstadt der Region“ und „Schnupperkurs Bundesliga“ zu lesen war. „Mehr Zusatzmotivation geht ja kaum“, sagte Hecking, „und unsere Spieler hatten nicht die beste Form.“

Karim Bellarabi brachte den Aufsteiger in der 31. Minute in Führung, Domi Kumbela sorgte in der 86. Minute für den Endstand. Die Braunschweiger mögen im Gegensatz zu dem bestens bezahltem Wolfsburger Personal limitiert sein, doch ihre Mittel schöpften sie aus. Sie ackerten und kämpften. „Das 1:0 hat uns den Glauben gegeben, dass wir hier etwas Außergewöhnliches erreichen können“, sagte Lieberknecht.

Nach dem 0:4 vor acht Tagen gegen Stuttgart kam Lieberknecht öffentlich „ins Grübeln“. „Dass ich damit Emotionen getroffen habe, war nicht bewusst. Ich habe aber anscheinend etwas erreicht, das diesmal erfolgreich war“, sagte der Trainer. Manch einer der Braunschweiger Sympathisanten will die Eintracht nach dem ersten Sieg nun gar gereift für die Bundesliga sehen. Die Nachhaltigkeit des Erfolges in Wolfsburg wird sich jedoch erst in den kommenden Wochen zeigen. Den Sieg beim neureichen Nachbarn aber, den nimmt ihnen keiner mehr.